Fußball

Rummenigge wundert sich Kovac bleibt ein angeschlagener Coach

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Mit seinen Äußerungen zu Leroy Sané zog sich Bayern-Coach Niko Kovac den Unmut des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge zu.

(Foto: imago images / ULMER Pressebildagentur)

Niko Kovac ist zuversichtlich, dass Leroy Sané zum FC Bayern wechseln könnte. Mit dieser Aussage verärgert er Karl-Heinz Rummenigge. Der rüffelt den Coach. Der Coach entschuldigt sich und gibt sich dann doch recht. Das wirft die Frage auf: Was ist eigentlich los in München?

Ein bisschen was darf Trainer Niko Kovac schon noch sagen, ohne dass er fürchten muss, dafür gerüffelt zu werden. Sätze wie "die Jungs haben das sehr gut gemacht" (Anmerk. d. Red.: Nach dem 6:1-Erfolg beim Audi-Cup am Dienstagabend gegen ein arg überfordertes Fenerbahce Istanbul), dürften selbst im mächtigen Bayern-Imperium als sehr kompatibel zur Klublinie gewertet werden.

Anders als allzu vorlaute Aussagen zu Transfervorhaben oder etwaigen Wünschen. Diese Vorgabe gilt seit dem 8. Juli. An jenem Tag verkündete Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, dass mit Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic verabredete Dekret zur Zurückhaltung. Nun ist es also nur konsequent, wenn er seinen Trainer darauf hinweist, dass auch er sich daran zu halten habe. Über das ZDF ließ er ihn im Liveinterview vor dem Spiel gegen Istanbul wissen: "Mir haben diese Aussagen nicht gefallen. Daraus mache ich keinen Hehl."

Den abermaligen Unmut seines Vorgesetzten hatte sich Kovac zugezogen, weil er am Wochenende ebenfalls dem ZDF gesagt hatte, dass er "sehr zuversichtlich" sei und davon ausgehe, "dass wir ihn (Anmerk. d. Red.: Leroy Sané) bekommen können." Sehr viel Konjunktiv war dabei, aber aus Sicht von Rummenigge offenbar dennoch viel zu viel Wasserstandsmeldung. Und die stehen in München ja nunmal auf der Liste der Dinge, die nicht mehr verkündet werden sollen. Höflich wie Kovac ist, erduldete er die mediale Belehrung seines Vorgesetzten mit einer reuigen Einsicht im ZDF: "Ich bin vielleicht etwas zu offensiv gewesen. Ich habe mich dafür auch bei Pep Guardiola (Anmerk. d. Red.: offenbar deswegen angesäuerter Trainer vom deswegen angesäuerten Manchester City, dort spielt Sané) entschuldigt." Das tat er dann auch noch beim eigenen Klub. Zudem gelobte er Besserung: "Ich werde mich in Zukunft zurückhalten."

Mangelnder Respekt gegenüber Manchester City

FC Bayern München - Fenerbahce Istanbul 6:1 (5:0)

Tore: 1:0 Renato Sanches (22.), 2:0 Goretzka (28.), 3:0 Müller (31.), 4:0 Coman (40.), 5:0 Müller (44., Elfmeter), 6:0 Müller (58.), 6:1 Kruse (64.)
FC Bayern München: Neuer (46. Ulreich) - Kimmich, Süle (59. Davies), Boateng (60. Pavard), Alaba (60. Tolisso) - Thiago (74. Zaiser), Goretzka, Renato Sanches (60. Javi Martinez) - Gnabry (20. Müller), Lewandowski (74. Arp), Coman (60. Singh)
Fenerbahce Istanbul: Harun - Isla (46. Saglam), Sadik, Jailson, Kaldirim (23. Dirar) - Moses (66. Sayyadmanesh), Ozan Tufan (71. Kadioglu), Ekici (46. Reyes), Garry Rodrigues (46. Zajc) - Muriqi, Kruse

Nun, dieser Vorsatz hatte dann eine überraschend kurze Halbwertszeit. Auf der Pressekonferenz nach dem durchaus furiosen Fußballspiel mit dem durchaus furiosen Thomas Müller in der heimischen Arena, erklärte Kovac zu seinen Sané-Aussagen: "Was ich gesagt habe, stimmt. Es hat absolute Richtigkeit und ist verifiziert." Dieser Nachweis ist offenbar bei Rummenigge nicht angekommen, der hatte nämlich zuvor verraten, dass er gar nicht wisse, wie Kovac zu seiner so zuversichtlichen Einschätzung gekommen war. Außerdem empfand er diese als Zeichen mangelnden Respekts gegenüber Manchester City. Dabei verwies er gar auf die Fifa, die den Vereinen vorgibt, öffentlich sehr zurückhaltend mit ihren Transferavancen umzugehen. Also bloß niemanden verärgern, um dieses so labile Transfergebahren nicht noch stärker zu gefährden. Und so empfahl Rummenigge seinem Coach: "Wir müssen unseren Job machen. Der Trainer muss seinen Job machen. Wenn wir alle hier unseren Job machen, dann werden wir in diesem Jahr auch eine erfolgreiche Saison haben."

Unklar bleibt, warum Rummenigge sich seinem Trainer (mal wieder) so attackierend und mit zwei Tagen Verzögerung über die Medien mitteilt und was Rummenigge eigentlich genau unter dem Job des Trainers versteht. Wünschte dieser sich für die neue Saison mit von Rummenigge formulierten maximalen Zielen in allen Wettbewerben - vornehmlich in der Champions League - vier gestandene, neue Spieler für seinen Rumpfkader, lobte der Klubchef im Gegenzug die Qualität des Aufgebots. Verweist Kovac auf erschwerte Bedingungen seiner Saisonvorbereitung durch die USA-Reise, sieht Rummenigge keine Probleme. Und spricht Kovac über einen Spieler, der die Sehnsucht des Klubs nach einem internationalen Star für die unterbesetzten offensiven Außenbahnen stillen könnte, muss er sich für seine allzu klare Ansprache später entschuldigen.

Zwar betonte der Trainer noch am Dienstagabend, dass "alles wunderbar" sei und dass es "keinen Zorn" (gegen Rummenigge) gebe. Alle bislang nie verstummten Zweifel, dass das „Mobbing unter Besserverdienenden“ nach dem Double-Triumph vergangene Saison ein geschlossenes Kapitel ist, konnte er aber irgendwie nicht ausräumen.

Sané laut "AS" unverkäuflich

Die spanische Zeitung "AS" berichtet, City-Coach Pep Guardiola soll Leroy Sané mitgeteilt haben, er werde in diesem Sommer nicht verkauft. Zugleich soll die Citizens Kontakt zu Real Sociedad San Sebastian aufgenommen, dass kein Interesse an Mikel Oyarzabal bestehe. Den hatte die "AS" als Sané-Ersatz ins Spiel gebracht.

Und was ist nun mit Sané? Alles wieder Verschlusssache, mit Fristende 8. August? Dann schließt das Transferfenster in England. Dann könnte City auf einen Abgang von Sané nicht mehr reagieren. Ein Bericht der "AS" hält das Thema prominent auf der Agenda. So soll Guardiola dem so umworbenen Sané klargemacht haben, dass man ihn entgegen aller zuletzt getätigten Aussagen über einen möglichen Wechsel in diesem Sommer auf keinen Fall zum FC Bayern verkaufen wird. Und Joshua Kimmich glaubt sogar: "Wenn Leroy wollen würde, wäre er wahrscheinlich schon hier."Ob er das so sagen durfte?

Quelle: n-tv.de