Fußball

Nach Bayern erstmal eine Auszeit Kovac verdirbt Herthas Trainer-Hoffnungen

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Niko Kovac will nicht vorschnell wieder in der Bundesliga arbeiten.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Trainer Ante Covic steht bei Fußball-Bundesligist Hertha BSC vor dem Aus. Doch der Lieblingsnachfolger der Fans steht für einen neuen Job derzeit nicht bereit: Niko Kovac will sich nach der Trennung vom FC Bayern eine Pause gönnen. Das bringt Manager Michael Preetz in Bedrängnis.

Die Chefetage des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC wird diese Nachricht nicht gern zur Kenntnis nehmen: Ihr Wunschtrainer Niko Kovac möchte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in dieser Saison kein neues Engagement übernehmen. Erst vor drei Wochen war der 48-Jährige beim FC Bayern München entlassen worden.

Hertha steckt derzeit in einer Krise, nur noch Tabellen-15. ist der Hauptstadt-Klub nach dem blamablen 0:4 beim FC Augsburg. Unter dem aktuellen Chefcoach Ante Covic setzte es zuletzt vier Liga-Niederlagen in Serie - seine Zeit bei Hertha scheint abgelaufen. Schon seit Kovac' Aus in München wünschen sich auch die Hertha-Fans eine Verpflichtung des gebürtigen Berliners, der in seiner aktiven Fußballer-Karriere insgesamt acht Jahre bei der Hertha spielte. Doch dazu wird es - zumindest kurzfristig - nicht kommen. Diese Reihenfolge - Kovac auf Covic - wäre durchaus brisant gewesen, denn Kovac ist der Patenonkel von Covic' 21-jährigem Sohn Maurice, der dem Hertha-Profikader angehört.

Elf Trainer in zehn Jahren

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Bedient: Michael Preetz.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Für Manager Michael Preetz wird mit der Absage auch seine eigene Situation nun nicht einfacher. Er und die anderen Klubbosse wollen der "Bild"-Zeitung zufolge noch an diesem Dienstag erneut über den Trainer beraten. Solange meidet der einstige Stürmer die Öffentlichkeit. Er müsse das alles "erst einmal sacken lassen" hatte er am Sonntag gesagt. Dass das Experiment mit dem früheren Nachwuchstrainer Covic - seit mehr als 20 Jahren im Verein tätig - gescheitert ist, ist in doppelter Hinsicht auch für ihn keine gute Nachricht. Covic ist - Interimstrainer eingerechnet - der elfte Coach in Preetz' zehnjähriger Amtszeit. Und schließlich war es die Entscheidung des 52-Jährigen, Covic im Sommer nach vier Jahren unter Trainer Pal Dardai aus dem Nachwuchs zu befördern und erstmals eine Bundesliga-Mannschaft anzuvertrauen. Was bei Dardai geklappt hat, muss eben nicht für seinen Nachfolger gelten - auch wenn die Idee bei den Fans und im Klub gut ankam.

Doch von Covic' Versprechen, mit offensivem Spektakel die Liga aufzumischen, ist nichts geblieben. Während unter Dardai zumindest die Hinrunden der Saison immer recht ordentlich verliefen, hat sich die Mannschaft unter Covic spielerisch sogar verschlechtert. Dabei hatte Preetz vor der Saison frohlockt, zusammen mit dem Geldregen in Höhe von 224 Millionen Euro der Tennor Holding von Investor Lars Windhorst, in den nächsten Jahren "regelmäßig um einen internationalen Platz mitspielen" zu können. Die bittere Realität allerdings heißt Abstiegskampf.

Klinsmann als Zwischenlösung?

Nach wie vor ist offen, ob Covic überhaupt noch den 13. Bundesliga-Spieltag auf der Bank erleben wird. Dann geht es im heimischen Olympiastadion gegen Borussia Dortmund mit dem ebenfalls stark angeschlagenen Trainer Lucien Favre (15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Der 44-Jährige macht sich darüber - zumindest sagt er das - wenige Gedanken. "Es geht nicht um mein eigenes Befinden. Es geht um den Verein." Und so wird mehr über seine Nachfolge geredet, als über seinen möglichen Verbleib. Viel spekuliert wird über ein Einspringen des Neu-Aufsichtsratsmitglieds Jürgen Klinsmann. Dem "Kicker" zufolge ist das zumindest als Kurzzeit-Lösung nicht einmal komplett ausgeschlossen. Doch eigentlich agiert der 55-Jährige als Berater und Bevollmächtigter der Tennor Holding. Mit seinem Engagement würde er der Hertha Zeit verschaffen, sich in Ruhe nach einem neuen Cheftrainer umzusehen.

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Harald Gämperle könnte bald ins Rampenlicht rücken.

(Foto: imago images/Bernd König)

Ein Szenario, das auch mit dem derzeitigen Covic-Assistenten Harald Gämperle möglich ist. Der Schweizer war für den Trainerstab von Covic zurückgeholt worden, nachdem er bereits ab 2007 gut zwei Jahre lang gemeinsam mit Lucien Favre bei den Berlinern gewirkt hatte. Anschließend arbeitete er unter anderem mit Urs Fischer, dem heutigen Trainer des Stadtkonkurrenten 1. FC Union, zusammen. Sollte Gämperle schon in dieser Woche einspringen, würde er sich damit am Samstag auf seinen alten Chef duellieren.

Dardai ist immer noch Hertha-Angestellter

Ebenfalls aus den eigenen Reihen kommen würde der Ex: Dardai besitzt immer noch einen Arbeitsvertrag mit Hertha BSC. Im Sommer soll er nach einer Auszeit wieder als Trainer im Klub arbeiten. Geplant ist eigentlich eine Position im Nachwuchsbereich - doch er wäre eine Interimsalternative. Eine sehr unwahrscheinliche allerdings, schließlich würde Preetz damit seinen eigenen Fehler eingestehen müssen. Außerdem steht der Ungar für einen defensiv geprägten Fußball, den der Klub ja noch im Sommer abschaffen wollte.

Würde man unbedingt jemanden aus dem eigenen Verein als Interimslösung präsentieren wollen, käme in der Rangfolge zunächst U23-Coach Andreas "Zecke" Neuendorf infrage. Doch mit dieser Reihenfolge hat Preetz sich jüngst ja schon einmal verkalkuliert. Und so ist der Ruf nach bewährten Kräften groß. Spekuliert wird so etwa über Roger Schmidt, der seit seinem Aus in Peking ohne Verein ist. Zudem lässt der frühere Leverkusen-Trainer den offensiven Fußball spielen, den auch Covic bei Amtsantritt versprochen hatte.

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa