Fußball

Er veränderte den Fußball Legendärer Spielerberater Mino Raiola ist tot

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Raiola wurde 54 Jahre.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Mino Raiola machte die besten Fußballspieler der Welt zu schwerreichen Geldmaschinen, er selbst verdiente Unsummen dabei. Zlatan Ibrahimovic machte mit Raiola den Schritt zur Weltmarke, zuletzt bastelte er an der Karriere von Erling Haaland. Nun ist Mino Raiola im Alter von 54 Jahren verstorben.

Der legendäre Spielervermittler Mino Raiola ist tot. Der Berater von Superstar Erling Haaland verstarb nach schwerer Krankheit mit nur 54 Jahren. Das bestätigte seine Familie in einem Statement auf Raiolas verifiziertem Twitter-Account.

"In unendlicher Trauer nehmen wir Abschied von dem erstaunlichsten Fußballagenten, den es je gab", hieß es in der Stellungnahme: "Mino kämpfte bis zum Ende mit der gleichen Kraft, mit der er unsere Spieler am Verhandlungstisch verteidigte." Raiola sei ein "Teil im Leben von so vielen Spielern" gewesen und habe "ein unvergessliches Kapitel der Geschichte des modernen Fußballs geschrieben." Am vergangenen Donnerstag hatten Falschmeldungen über den Tod des Italieners international für Aufregung gesorgt, der behandelnde Arzt und auch Raiolas Agentur wiesen diese entschieden zurück.

Neben Dortmunds Stürmerstar zählte der in den Niederlanden aufgewachsene Raiola zahlreiche Top-Spieler wie Dennis Bergkamp, Pavel Nedved, Zlatan Ibrahimović, Paul Pogba, Gianluigi Donnarumma oder Romelu Lukaku. Er galt als einer der einflussreichsten Agenten im Geschäft und war für seine Verhandlungsführung gefürchtet und respektiert.

Anfang Januar hatte Raiola sich einer Operation in Mailand unterziehen müssen. "Mino Raiola unterzieht sich den üblichen medizinischen Untersuchungen, die eine Anästhesie erfordern. Alles war geplant, und es gab keine Notoperationen", hatte eine Sprecherin seiner Agentur damals gegenüber Sport1 erklärt. Danach war er nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. "Ich wuchs in einem Unternehmerhaushalt auf, das hat mich geprägt. Mein Vater ist 1968 von Italien nach Holland ausgewandert und hat dort sein erstes Restaurant aufgemacht. Am Ende besaß er 25", erinnerte er sich 2016 in einem Interview mit "11 Freunde". "Meine Familie hat immer hart gearbeitet." Raiola auch. Er sprach sieben Sprachen.

"Entdeckte eine Lücke im Transfersystem"

Raiola hatte erst im Familienunternehmen ausgeholfen und parallel dazu seine Karriere in jungen Jahren als Sportdirektor bei HFC Haarem begonnen, war jedoch schnell als Sportdirektor in Erscheinung getreten. "Ich tat eigentlich nichts anderes als das, was ich schon im Restaurant getan hatte: Ich sah genau hin, und ich benutzte mein Hirn. Ich las die Verträge und Reglements und entdeckte eine Lücke im Transfersystem", erzählte er über seine Anfänge, die ihn über Haarlem in die Welt brachten.

Seinen Namen machte er sich mit Transfers niederländischer Spieler Anfang der 1990er Jahre, sein Durchbruch gelang ihm mit dem Wechsel von Pavel Nedved von Sparta Prag zu Lazio Rom im Jahr 1996. In den 2000er Jahren übernahm er die Karriereplanung von Zlatan Ibrahimović. Der Schwede stieg zu einer der faszinierendsten Figuren des Fußballs auf, auch durch seine unzähligen Wechsel, an denen Raiola gut verdiente. "Forbes" schätzte sein Privatvermögen 2020 auf 80 Millionen Euro.

"Die Spieler suchen mich. Das war nie anders", sagte Raiola im vergangenen Dezember in einem Interview mit Sport1 über seine Arbeitsweise: "Ich mache keine Verträge. Bei mir gibt es nur einen Handschlag. Die Spieler sind alle frei. Das ist mir wichtig. Ich will nicht, dass jemand das Gefühl hat, er muss bei mir bleiben."

"Verrückter" Haaland "passt zu mir"

So hatte auch Haaland letztendlich zu Raiola gefunden. "Er war schon immer ein großer Fan von Zlatan. Wir haben einen gemeinsamen Freund, der uns zusammengebracht hat. Wir haben uns getroffen, etwas getrunken, fünf Minuten unterhalten und uns die Hand gegeben", hatte Raiola erzählt: "Erling wollte, ich wollte. Ich hatte ihn zuvor nur auf Videos gesehen und sofort gesagt: Der passt zu mir, der ist verrückt."

Zuletzt war Raiola in Deutschland natürlich vor allen Dingen durch seinen Klienten Haaland in Erscheinung getreten. Der spielt noch bei Borussia Dortmund, wie dereinst bereits Henrikh Mkhitaryan, bei dessen Abgang es zu Verwerfungen kommen war. Dabei soll Raiola auch ein Stuhl durch das Büro des BVB-Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke getreten haben. Doch Dortmund arbeitete weiter mit ihm zusammen, weil sie wussten, was sie bekamen. Auch die Show.

"Du weißt, was du bekommst"

"Ich habe in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Beratern - das geht wahrscheinlich in den dreistelligen Bereich - zu tun gehabt. Und ich muss mal eine Lanze für diesen Mino Raiola brechen", hatte Zorc ihn in einem WDR-Podcast verteidigt: "Die Gespräche, die wir mit ihm geführt und die Sachen, die wir mit ihm gemacht haben, sind durch eine hohe Professionalität gekennzeichnet. Was mir daran imponiert: Du weißt, was du bekommst. Du weißt, dass dann keine Mutter Teresa dabei ist. Wenn man das vorher weiß, kann man sich darauf einstellen."

Und auch Raiola gab sich versöhnlich. "Ich kann sehr laut werden, wenn es gegen meine Jungs geht", sagte er Sport1. "Ich hatte eine sehr schlechte Beziehung zu Zorc, wirklich sehr schlecht. Er muss mich wirklich gehasst haben. Ich hätte nie gedacht, dass aus Hass Freundschaft wird. Er hat meinen maximalen Respekt. Er verteidigt seinen Verein bis aufs Blut."

Raiola blieb bis zu seinem Ende eine mysteriöse Figur. Sein Tod wurde vehement dementiert. Sogar von seinem eigenen Twitter-Account. "Aktueller Gesundheitszustand für alle, die es interessiert: Stinksauer, dass sie mich zum zweiten Mal in vier Monaten umbringen. Scheine auch wieder auferstehen zu können", hieß es auf seinem offiziellen Account. Auch das Krankenhaus in Mailand dementierte. Er kämpfe um sein Überleben.

"Es ist eine Lüge. Es ist ausgedacht. Es ist nicht wahr. Bye-bye", sagte eine Frau dem SID-Reporter Thomas Nowag, als dieser bei Raiolas Agentur eine Bestätigung der Todesmeldung einholen wollte. Die Aufregung war groß. Doch die Kommunikation lag weiterhin in Raiolas Hand. So wie der die Karrieren seiner Spieler plante, so behielt er auch bis zum Schluss die Deutungshoheit über sein Leben. Aber zwei Tage später wurde der Tod des 54-jährigen Beraters dann offiziell bestätigt. Die Fußball-Welt wird sich ohne ihn verändern.

Quelle: ntv.de, sue

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