Fußball

"Ganz einfach auch überzogen" Löw kontert Özils Rassismusvorwurf

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"Es gab nie in der Mannschaft auch nur einen Ansatz von Rassismus, keinen Ansatz von rassistischen Äußerungen": Joachim Löw.

REUTERS

Der Wirbel um Mesut Özil sei nicht der Grund für das WM-Debakel, sagt Bundestrainer Joachim Löw. Wie aber der Spieler zurückgetreten sei, könne er nicht nachvollziehen. Mit dem Vorwurf des Rassismus im Team habe Özil Unrecht. Das hat er allerdings nie gesagt.

Die Sportliche Leitung der Nationalmannschaft hat vor und während der Fußball-WM in Russland das Thema Mesut Özil "absolut unterschätzt". Das räumte Bundestrainer Joachim Löw bei seiner öffentlichen WM-Analyse in München ein. "Wir dachten, dass wir das Thema aus der Welt schaffen mit dem Treffen beim Bundespräsidenten. Mein einziger wichtiger Gedanke war, uns richtig auf die WM vorzubereiten", sagte der 58-Jährige zu den Fotos von Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

"Dieses Thema hat Kraft gekostet, dieses Thema war nervenaufreibend, weil es immer wieder da war", sagte Löw. Es sei aber nicht der Grund für das vorzeitige WM-Aus in Russland gewesen. Die Art und Weise des Rücktritts von Özil könne er nicht nachvollziehen, sagte der Bundestrainer. Er habe am Tag von dessen Erklärung per Telefon vom Berater des Spielers davon erfahren. Özil selbst habe ihn "bis heute nicht angerufen. Ich habe seit eineinhalb, zwei Wochen mehrfach versucht, ihn zu erreichen - per Telefon und SMS". Das sei ihm nicht gelungen. "Hätte mir gewünscht, dass er mich anruft", erklärt Löw weiter und hofft, dass das noch passieren wird. Denn: "Es war eine Enttäuschung in mir, dass ich es (den Rücktritt) nicht von ihm persönlich erfahren habe."

"Mit seinem Vorwurf über Rassismus hat Mesut ganz einfach auch überzogen. Es gab nie in der Mannschaft auch nur einen Ansatz von Rassismus, keinen Ansatz von rassistischen Äußerungen", sagte Löw. Özil hatte unter anderem dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel Rassismus vorgeworfen. Allerdings hatte er nie von Rassismus innerhalb der Mannschaft gesprochen. "Dass dieser Rücktritt so vollzogen wurde, schmerzt uns alle, ihn ja auch", bemerkte Manager Oliver Bierhoff. Er betonte aber auch: "Eins ist klar: Ein Nationalspieler kann keine Zielscheibe rassistischer Angriffe sein. Da müssen wir gegen angehen." Warum er und Löw das nicht schon während der WM in Russland getan haben, sagte er nicht. Dennoch sei Özil einer "der besten deutschen Spieler der vergangenen 20, 30 Jahre", erklärte Löw. "Wir haben viel zusammen erlebt und das wird immer bleiben."

Quelle: n-tv.de, sgi/dpa/sid

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