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So läuft der Tortest gegen Peru Löw lässt wieder Fußball spielen

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Bundestrainer Joachim Löw will in seinem Rekordspiel gegen Peru eine schöne Partie von seinem Team sehen.

(Foto: dpa)

Nach der respektablen Nullnummer gegen Frankreich soll die DFB-Elf nun gegen Peru auch noch Tore schießen, damit Teil zwei der Wiedergutmachungstour ebenfalls ein Erfolg wird. Nur: Für viele Fans kommt das Spiel viel zu spät.

Worum geht's?

Gegen den Weltmeister aus Frankreich ging es für die deutschen Fußballer darum, nach der nicht so erfolgreichen WM im ersten Spiel gut Wetter zu machen, das Publikum zu versöhnen und auf keinen Fall zu verlieren. Das hatte am Donnerstag im ausverkauften Münchner Stadion alles ganz gut geklappt, auch wenn die Angst vor der Niederlage dazu führte, dass Bundestrainer Joachim Löw ein Abwehrbollwerk mit vier Innenverteidigern aufbauen ließ und auch sonst seinen Spielern dringend empfahl, sich in erster Linie um die Defensive zu kümmern. Dass die Partie gleichzeitig auch das erste Spiel in der neuen Nations League war, interessierte eher weniger.

Die Begegnung mit Peru (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im mit seinen 25.494 Plätzen ausverkauften Stadion in Sinsheim ist ein Testspiel gegen eine Mannschaft, die nicht ganz so stark einzuschätzen ist wie Frankreich. Ein Indiz dafür ist, dass das Team aus Südamerika bei der WM in Russland wie die DFB-Elf bereits in der Vorrunde ausgeschieden ist. So gesehen handelt es sich um ein Duell auf Augenhöhe, auch wenn die Peruaner in ihrer Gruppe anders als Deutschland immerhin den vorletzten Platz erreicht hatten. Grundsätzlich wäre es für den Bundestrainer und seine Auswahl aber ganz gut, wenn sie dieses Spiel gewinnen würden. Einige Tore wären der Stimmung nicht abträglich. Und so sagte Löw am Tag vor dem Test: "Wer mich kennt, der weiß, dass deutsche Tugenden für mich nicht nur kämpfen und grätschen bedeutet, sondern auch fußballerische Elemente."

Wie ist die Ausgangslage?

Mats Hummels hatte nach der Nullnummer gegen Frankreich geahnt, worum es in Sinsheim geht: "Gegen Peru wird die Erwartungshaltung sein, dass wir deutlich dominanter sind, dass wir mehr Chancen herausspielen und treffen." Da hat der Innenverteidiger wohl Recht. Weil er aber Probleme mit der Achillessehne hat, ist er bei der zweiten Station der Wiedergutmachungstour nicht dabei. Schlauerweise hat sich der DFB für ein nicht ganz so großes Stadion entschieden, so dass die Arena wie erwähnt ausverkauft ist. Da die Uefa am 27. September darüber entscheidet, ob die Europameisterschaft 2024 in der Türkei oder Deutschland stattfindet, hatte sich der Verband gedacht, dass sich ein halbleeres Stadion nicht so gut mache. Angeblich sollte die Partie eigentlich in Frankfurt am Main stattfinden. Der "Spiegel" berichtete aber nun, dass DFB-Präsident Reinhard Grindel aus Angst vor den Frankfurter Ultras das Spiel hatte verlegen lassen, um einem eventuellen Imageschaden vorzubeugen. Der DFB sagt dazu: Stimmt alles nicht. Was aber auf jeden Fall stimmt: Die Partie gegen Peru beginnt um 20.45 Uhr. An letzten Feriensonntag, bevor die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg am Montag wieder in die Schule müssen. Was soll das? Warum, lieber DFB, kann das Spiel nicht einfach schon um 18 Uhr beginnen? Oder am besten gleich am Nachmittag. Das fragte sich sogar der Bundestrainer. Hatte nicht irgendjemand nach dem WM-Debakel etwas von mehr Nähe zu den Fans gesagt?

Wie ist das deutsche Team drauf?

Im zweiten Spiel nach der völlig missratenen Weltmeisterschaft soll nun also die Offensive wieder mehr zum Zug kommen. Das fängt damit an, dass in der Viererabwehr zumindest auf der linken Seite wieder ein Außenverteidiger spielt. Löw hat dem Hoffenheimer Nico Schulz versprochen, dass er sein erstes Länderspiel bestreiten darf. Den Job am rechten Ende der Viererkette wird wieder Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach übernehmen. Da Hummels fehlt, könnte Niklas Süle neben Jérôme Boateng zum Einsatz kommen, alle drei kennen sich vom FC Bayern und Süle kennt als Ex-Hoffenheimer auch das Stadion in Sinsheim ganz gut. Ins Tor rückt Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona, der Münchner Kapitän Manuel Neuer darf sich ausruhen. Wenn Ginter den rechten Außenverteidiger gibt, was ist mit dem Münchner Joshua Kimmich? Da hat der Trainer eine grundsätzliche Entscheidung getroffen. Dass Kimmich auf der Sechs im defensiven Mittelfeld spielte, war kein einmaliges Experiment gegen Frankreich. "Er wird die Lösung sein für die nahe Zukunft", sagte Löw, "ich war sehr zufrieden damit, wie er diese Rolle interpretiert hat." Davor wird es im 4-1-4-1-System wieder eine Vierermittelfeldreihe geben: rechts wohl mit Julian Brandt von Bayer Leverkusen, dann mit Ilkay Gündogan von Manchester City, Toni Kroos von Real Madrid und auf links mit Marco Reus von Borussia Dortmund. Und vorne dann der Freiburger Nils Petersen? Könnte sein, muss aber nicht. Vielleicht spielt Julian Draxler von Paris Saint-Germain auf der linken Außenbahn, vielleicht bekommt der Münchner Leon Goretzka im zentralen Mittelfeld noch eine Chance, und Timo Werner als Sturmspitze ist auch immer denkbar. Die DFB-Elf ist ja mit erstaunlich vielen guten Fußballern in Russland gescheitert.

Was macht das Team aus Peru?

Der argentinische Trainer Ricardo Gareca hat jüngst trotz des Angebots aus seiner Heimat, dort die Nationalelf zu übernehmen, seinen Vertrag bis zur nächsten WM 2022 in Katar verlängert. Nachdem Gareca dafür gesorgt hatte, dass Peru in Russland zum ersten Mal seit 36 Jahren wieder bei einer Weltmeisterschaft mitspielen durfte, war niemand ernsthaft sauer, dass nach den Niederlagen gegen Frankreich und Dänemark und einem Sieg gegen Australien nach der Vorrunde schon wieder Schluss war. Grundsätzlich setzt Gareca auf eine stabile Defensive, in den jüngsten 18 Partien bekamen die Peruaner zehn Gegentore. 17 Spieler aus dem WM-Kader sind in Sinsheim dabei, Anführer des jungen Teams ist der ehemalige Schalker Jefferson Farfan. Mit 33 Jahren und 87 Länderspielen ist er der Erfahrenste und war beim 1:2 am Donnerstag in Amsterdam gegen die Niederlande der Kapitän. Nicht dabei ist Paolo Guerrero, 34 Jahre alt, der einst für den Hamburger SV und den FC Bayern in der Bundesliga spielte. Das Schweizer Bundesgericht hatte seine Sperre wegen Kokain-Dopings im November 2017 vor der WM zwar ausgesetzt. Nun aber gilt sie wieder und soll bis April 2019 dauern.

War sonst noch was?

Nachdem Löw das Desaster bei der WM überstanden hat, ist der Weg frei zu einem Rekord. Heute gegen Peru sitzt der Bundestrainer zum 167. Mal auf der Bank. Er könnte auch stehen oder liegen. Für die Freunde der Statistik ist daran bemerkenswert, dass er damit nach Länderspielen mit Sepp Herberger gleichzieht. Wer nicht weiß, wer das ist, für den ist das natürlich uninteressant. Allen anderen sei gesagt, dass die Zahl der Länderspiele Herbergers umstritten ist, Historiker streiten sich, wann genau er Otto Nerz als Reichstrainer abgelöst hatte. Manche sagen, Herberger komme nur auf 162 Länderspiele und Löw habe ihn schon lange überholt. Der DFB aber führt ihn, also Herberger, bei 167 Einsätzen.

Quelle: n-tv.de

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