Fußball

Euphorie und Angst in Liga drei Magdeburg will endlich hoch, Erfurt leidet

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Magdeburgs Spieler sind heiß und wollen den großen Wurf landen.

(Foto: imago/Christian Schroedter)

Am Wochenende rollt auch in der 3. Liga wieder der Fußball. Das enteilte Topduo 1. FC Magdeburg und SC Paderborn will sich mit dem Aufstieg belohnen. Doch die Liga ist immer für Überraschungen gut. Erfurt braucht gar ein Wunder.

Jens Härtel drückt auf die Bremse und will zu viel Euphorie gar nicht zulassen: "Na klar ist es eine großartige Hinrunde gewesen. Aber wir haben noch nichts erreicht. Wir müssen weiter konzentriert arbeiten", hatte der Trainer des 1. FC Magdeburg nach dem Ende der ersten Halbserie in der 3. Liga gesagt. Aber der 48-Jährige weiß auch, dass für die Fans der Blauweißen ein Nichtaufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga eine riesengroße Enttäuschung wäre. 46 Punkte nach 20 Spielen - die Magdeburger Kicker haben ihre Anhänger hungrig gemacht. Und es sollen nach dem Ende der Winterpause am 20. Januar noch viel mehr Zähler dazukommen. In der kommenden Saison wieder auf Augenhöhe mit den früheren Dauerkonkurrenten Union Berlin, Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue: Der Traum scheint wahr zu werden. Zuschauerkrösus mit durchschnittlich mehr als 16.000 Besuchern pro Heimspiel ist der 1. FCM in der 3. Liga allemal.

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Joachim Streich hat wieder Freude am 1. FC Magdeburg.

(Foto: picture alliance / Jens Wolf/dpa)

Das wäre eine Wiedergutmachung für ein Vierteljahrhundert fußballerische Tristesse in der Elbestadt. Der einzige Europapokalsieger der DDR hat es bislang nach Auflösung des zweiten deutschen Staates als einstiger Spitzenklub nie in die zweithöchste Spielklasse geschafft. Dafür gab es viele Enttäuschungen und Abstürze. Nun gehen sogar ehemalige Altvordere wie Joachim Streich wieder gerne in die immer gut gefüllte MDCC-Arena. Der 66-jährige ehemalige Torjäger outete sich kürzlich in der "Berliner Zeitung" als Fan des zu Saisonbeginn vom Chemnitzer FC gekommenen Philipp Türpitz. Mit dem 26-jährigen Mittelfeldakteur hat "die Mannschaft für mich sogar den besten Spieler der Liga in der ersten Halbserie in ihren Reihen". Und überhaupt: Härtel habe es geschafft, die Lücke zwischen Abwehr und defensivem Mittelfeld zu schließen.

Schafft Baumgart sein Meisterstück?

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Steffen Baumgart und der SC Paderborn: Bislang passt das.

(Foto: picture alliance / Friso Gentsch)

Magdeburg ist zwar derzeitiger Tabellenführer, die Herbstmeisterschaft ist aber an den SC Paderborn gegangen. Ein schwaches Heim-0:0 gegen den Halleschen FC am ersten Spieltag der Rückrunde ließ das Team von Steffen Baumgart vor der Winterpause auf den zweiten Tabellenplatz (44 Punkte) abrutschen. Der 46-Jährige, der mit Hansa Rostock, dem VfL Wolfsburg und Energie Cottbus in der Bundesliga kickte, tut den Ostwestfalen gut. Ende der vergangenen Saison nur durch den Durchmarsch des TSV 1860 München von der zweiten in die Regionalliga in der dritten Spielklasse verblieben, wittern die Paderborner wieder Morgenluft. Und der in der vergangenen Saison beim Regionalligisten Berliner AK entlassene Baumgart hat einen großen Anteil daran, er stabilisierte den zuletzt arg gebeutelten SCP und nimmt nun wie die Magdeburger Anlauf auf Liga zwei.

Mit bislang 47 erzielten Treffern stellen die Paderborner die stärkste Offensive der Liga. Dennoch verpflichteten sie mit Philipp Tietz von Eintracht Braunschweig einen weiteren Stürmer. Geschäftsführer Markus Krösche ist wegen Tietz' technischer Fähigkeiten angetan vom 20-Jährigen: "Bei uns kann er den nächsten Schritt in seiner Karriere machen." Die Euphorie in Paderborn ist groß, ist der Sportclub doch im Viertelfinale des DFB-Pokals vertreten und erwartet Anfang Februar den großen FC Bayern München.

Wehen, Fortuna Köln und Rostock hoffen

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Uwe Koschinat will mit Fortuna Köln zurück in die Erfolgsspur.

(Foto: imago/Herbert Bucco)

Aufstiegshoffnungen, wenn auch gedämpft, hegen der SV Wehen Wiesbaden, Hansa Rostock, die SpVgg Unterhaching und Fortuna Köln. Wehen Wiesbaden - derzeit mit 36 Punkten auf dem Relegationsplatz liegend - hat mit den vom MSV Duisburg kommenden Simon Brandstetter Verstärkung für den Sturm geholt. Die Fortunen lagen mit ihrem bereits seit 2011 amtierenden Coach Uwe Koschinat lange auf Aufstiegskurs, bevor den Männern aus dem Kölner Süden zum Schluss der Hinrunde die Puste ausging. Den bislang letzten Sieg landeten sie am 14. Spieltag Ende Oktober (2:1 gegen Würzburg). Danach gingen wichtige Spiele gegen Mitkonkurrenten verloren - 1:2 zuhause gegen Magdeburg, 3:5 in Rostock und 1:3 in Paderborn. Nun empfangen die Kölner in ihrem Südstadion Aufsteiger Carl Zeiss Jena, der sich nach anfänglichen Problemen in der 3. Liga angekommen ist.

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Ist noch mehr drin für Pawel Dotschew und das Hansa-Team?

(Foto: imago/Oliver Ruhnke)

Beim FC Hansa Rostock scheint die Saison diesmal ruhiger zu verlaufen. Trainer Pawel Dotschew, der in der vergangenen Saison beim Zweitligisten Erzgebirge Aue Domenico Tedesco Platz machen musste, hat die Mannschaft stabiler gemacht, sodass sie sich seit geraumer Zeit im oberen Teil der Tabelle befindet. Allerdings haben die Ostseestädter ihren Fans mit einer 0:3-Heimpleite gegen die Sportfreunde Lotte das Weihnachtsfest verhagelt. Nun geht es zu Sonnenhof Großaspach, das kürzlich bei einem Test ein beachtliches 3:5 beim Rekordmeister Bayern München erzielte und derzeit mit 31 Zählern einen ansehnlichen siebten Platz belegt. Verstärkt hat sich Hansa mit dem vom VfB Stuttgart II kommenden 25 Jahre alten Angreifer Pascal Breier, der bei den ersten Testspielen gegen den Siebtligisten Dynamo Schwerin (6:0) und den polnischen Drittligisten Blekitni Stargard (4:0) insgesamt drei Tore erzielte.

Bislang nichts mit dem Aufstieg zu tun hat der zu Saisonbeginn als Favorit gehandelte Karlsruher SC. Zwar haben sich die Nordbadener nach dem Trainerwechsel von Marc-Patrick Meister zu Alois Schwartz im Verlauf der Hinrunde etwas stabilisiert, sind mit 30 Punkten aber weit unter Plan. Ein Lichtblick ist die Wiederkehr von Mittelfeldspieler Andreas Hofmann nach einer viermonatigen Zwangspause wegen einer schweren Knieverletzung.

Leere Kassen in Erfurt

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Schlechte Zeiten in Erfurt: Präsident Frank Nowag (rechts) und Coach Stefan Emmerling.

(Foto: imago/Karina Hessland)

Tiefe Sorgenfalten gibt es dieser Saison im Nordosten, der mit sieben Teams ein Drittel der Drittligisten stellt. Der FC Rot-Weiß Erfurt und der Chemnitzer FC sind akut abstiegsgefährdet. Beim FSV Zwickau, dem Halleschen FC und dem FC Carl Zeiss Jena gehen ebenfalls bange Blicke nach unten. Ganz finster sieht es in Erfurt aus. Mit gerade einmal zwölf Punkten und zehn erzielten Toren sind die Thüringer Tabellenletzter. Nach Stefan Krämer und David Bergner arbeitet in dieser Saison mit Stefan Emmerling bereits der dritte Trainer in der Blumenstadt. Ob der 51-Jährige, der bereits zum zweiten Mal in Erfurt trainiert, mit seinem Team die Kurve kriegt, ist mehr als fraglich.

Denn die finanzielle Lage des Drittliga-Dinos ist dramatisch. Der neue RWE-Präsident Frank Nowag, der seinen Vorgänger Rolf Rombach nach einem Machtkampf beerbte, bezifferte den Schuldenberg auf 6,5 Millionen Euro. Er bat die Stadt Erfurt um finanzielle Hilfe, doch der Stadtrat verweigerte diese. Laut MDR geht es um 600.000 Euro. Bis Ende Januar muss der FC Rot-Weiß Erfurt 1,5 Millionen Euro nachweisen, damit er die DFB-Lizenzauflagen erfüllen kann. Geschieht das nicht, droht der Absturz ins Amateurlager. Viele Fans haben wohl keine Hoffnung mehr. Nur noch 3000 bis 4000 Zuschauer finden den Weg zu Punktspielen ins neue Steigerwaldstadion. Es mache derzeit keinen Spaß, Spiele von Rot-Weiß zu sehen, sagte RWE-Ikone Rüdiger Schnuphase kürzlich. Der ehemalige DDR-Nationalspieler, der auch beim FC Carl Zeiss Jena spielte, sieht beim aktuellen Team zu wenig Substanz, um die 3. Liga zu halten. Das Trainingslager in der Türkei fiel jedenfalls flach, die Spieler um Stürmer Carsten Kammlott bereiten sich daheim vor.

Pannewitz ist bereit, Bergners zweites Himmelfahrtkommando

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Deutlich leichter geworden: Kevin Pannewitz.

(Foto: imago/Christoph Worsch)

Etwas weniger Sorgen hat man im ostthüringischen Jena. Der frühere Europapokalfinalist FC Carl Zeiss hat sich etwas Luft zu den Abstiegsplätzen verschafft, muss aber nun bei Fortuna Köln antreten. Bereit für das Spiel ist Kevin Pannewitz. Der 26-Jährige, der früher bei Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg unter Vertrag stand, hat nach eigenen Angaben seinen Heißhunger im Griff und kräftig abgespeckt. "Ich bin so fit wie wohl noch nie, bin austrainiert. Ich bin gewappnet für die 3. Liga, kann die Vorbereitung voll mitmachen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Ein körperlich fitter Pannewitz ist zweifellos eine Verstärkung für den FCC.

Die Alarmglocken schrillen beim Chemnitzer FC. Dort hat David Bergner nach dem Rauswurf von Horst Steffen den Cheftrainerposten übernommen und steht nach einem kurzen Engagement in Erfurt bereits zum zweiten Mal in der laufenden Saison einem Himmelfahrtskommando vor. Die Sachsen, die nach der Winterpause auf eigenem Platz Mitfavorit Paderborn empfangen, kassierten zuletzt sechs Niederlagen in Folge und stehen derzeit auf dem 19. und damit vorletzten Tabellenplatz. Besonders schmerzlich war kurz vor Weihnachten die 2:3-Niederlage beim Erzrivalen FSV Zwickau - nach einer 2:0-Führung. Und finanziell auf Rosen gebettet ist der CFC auch nicht, die Stadt Chemnitz half dem Verein im vergangenen Mai mit einer eine Finanzspitze von 1,26 Millionen Euro.

Tiefe Sorgenfalten in Münster und Osnabrück

In arger Bedrängnis sind auch zwei weitere Traditionsklubs. So durchlebt der SC Preußen Münster eine schwierige Saison und ist mit 18 Punkten nur ein Zähler vor einem Abstiegsplatz. Die Westdeutschen zogen bereits die Reißleine und schickten Trainer Benno Möhlmann in die Wüste. Nun soll Marco Antwerpen, der von Viktoria Köln kommt, für bessere Stimmung bei der Anhängerschaft im Preußenstadion sorgen. Sein Einstieg verlief vielversprechend, beim Test in Leverkusen gab es ein 2:2. Tobias Warschewski und Cyrill Akono erzielten die Treffer für Münster.

Auch Münsters Erzrivalen VfL Osnabrück, eigentlich eine Fahrstuhlmannschaft zwischen den Ligen zwei und drei, geht es sportlich nicht besonders. Nach dem fulminanten 3:1-Erfolg in Unterzahl gegen den Bundesligisten Hamburger SV im DFB-Pokal ging für die Männer in Lila-Weiß nicht mehr allzu viel. Trainer Daniel Thioune, der Anfang Oktober 2017 Klublegende Joe Enochs ablöste, wünscht sich Verstärkungen, um dem Abstiegskampf zu entrinnen.

Aufstieg, Abstieg, Relegation: Freunde der 3. Liga können sich auf ereignisreiche Wochen und Monate freuen. Diese Spielklasse hat sich bislang immer als besonders dynamisch und voller Überraschungen erwiesen.

Quelle: n-tv.de

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