Fußball

Konaté patzt und beeindruckt Mit diesem Spieler kann Klopp nicht verlieren

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Ibrahima Konaté jubelt über sein erstes Tor für den FC Liverpool.

(Foto: IMAGO/Sports Press Photo)

Erst schießt Ibrahima Konaté sein erstes Tor für den FC Liverpool, dann verursacht er mit einem Aussetzer ein Gegentor von Benfica Lissabon. Das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League aber unterstreicht das große Potenzial des Ex-Leipzigers. Das hat sogar ein ganz Großer anerkannt.

Ibrahima Konaté und der FC Liverpool - eine labile Beziehung. Diese Meinung ließe sich anhand einer Szene aus dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Benfica Lissabon wunderbar verstärken. Es war der Patzer des Spiels: Innenverteidiger Konaté wollte kurz nach der Halbzeitpause einen Ball von Benfica-Rechtsaußen Rafa Silva wegschlagen, stocherte aber am Ball vorbei. Er drehte sich noch erschrocken um und sah, wie Stürmer Darwin Nunes ins Liverpooler Tor traf. Ernüchtert legte Konaté die Hände vors Gesicht und sank in sich zusammen. Anschlusstreffer zum 1:2 (49.). "Ich bin mit vielen Dingen zufrieden, aber wir haben sie ins Spiel zurückgelassen", sagte Trainer Jürgen Klopp bei Prime Video über die Szene und die danach zeitweise fehlende Souveränität.

Benfica Lissabon - FC Liverpool 1:3 (0:2)

Benfica Lissabon: Odisseas Vlachodimos - Gilberto, Otamendi, Vertonghen, Grimaldo - Weigl, Taarabt (70. Meite) - Rafa, Everton (82. Jaremtschuk) - Ramos (86. Joao Mario), Darwin. - Trainer: Verissimo

Liverpool: Alisson - Alexander-Arnold (89. Gomez), Konaté, van Dijk, Robertson - Fabinho - Keita (89. Milner), Thiago (61. Henderson) - Salah (61. Diogo Jota), Mané (61. Roberto Firmino), Diaz. - Trainer: Klopp

Schiedsrichter: Jesus Gil Manzano (Spanien)

Tore: 0:1 Konaté (17.), 0:2 Mané (34.), 1:2 Nunez (49.), 1:3 Luis Diaz (87.)

Eine Szene, die sinnbildlich passen würde in das Narrativ des bislang eher komplizierten Verhältnisses von Klub und Spieler. Im Sommer war der 22-Jährige für 40 Millionen Euro von RB Leipzig gekommen. Der Franzose wollte sich schnell in die Stammelf spielen, im Juli sagte Trainer Jürgen Klopp: "Alles fein, er ist fit und er hat sich toll integriert. So weit ein sehr, sehr guter Eindruck." Doch spielen durfte Konaté nicht. Erst am fünften Spieltag gab er gegen Crystal Palace sein Debüt in der Premier League. Seine Einsatzstatistik bleibt so löchrig. Erst 8 von 30 Liga-Partien durfte er absolvieren, wenn, dann aber über 90 Minuten.

Zufrieden ist der französische U21-Nationalspieler damit nicht. Im Gegenteil. Anfang März erklärte er: "Natürlich bist du wütend und traurig. Aber zwei Tage später musst du spielen und wenn du dann nicht bereit im Kopf bist, machst du ein schlechtes Spiel." Auch in der Champions League durfte er inklusive des Spiels gegen Benfica erst viermal ran. Im Turnier um den EFL-Cup spielte er immerhin in vier von sechs Partien, so auch im Finale, das Liverpool im Elfmeterschießen mit 11:10 gewann und in dem Konaté seinen Schuss verwandelte. Einzig im FA-Cup spielte der 22-Jährige bislang jedes Spiel über die volle Zeit. Zu Buche stehen damit 20 Einsätze in 49 möglichen Partien. Konaté hatte sich mehr erhofft.

Wuchtiges Premierentor

Und doch wäre ein Fazit, dass er nicht recht zu Liverpool passt, ein falsches. Denn es gibt ja auch noch die erste Halbzeit des Spiels - und eine Premiere: Konatés erstes Tor für seinen neuen Klub. Seinen Kopfball nach Eckstoßflanke von Andrew Robertson nickte er wuchtig aus etwa sieben Metern Entfernung in die rechte Ecke ein. Es war das 1:0 zum später trotz seines Aussetzers souveränen 3:1-Siegs in Portugal. Klopp ist damit der erste Liverpool-Coach, der acht Auswärtsspiele in Serie gewann.

Auch ansonsten war die erste Halbzeit des Franzosen sehr sehenswert, seine Mischung aus Kraft und Tempo beeindruckend. Auch für die Benfica-Angreifer, die nicht an ihm vorbeikamen. Ging doch mal ein Ball in Richtung Liverpooler Tor, holte der Verteidiger ihn sich zurück. Bis zu seinem schlimmen Patzer war er einer der besten Spieler auf dem Feld.

Und nicht nur sein Einsatz und sein erstes Tor, auch weitere Fakten sprechen für den Neuzugang. Denn in seinen 20 Spielen zeigte er nicht nur sein Können, sondern sorgte auch für eine bemerkenswerte Statistik: Mit ihm auf dem Platz verlor der FC Liverpool noch nicht ein Spiel. 15 Siege und 5 Unentschieden gingen bislang in die Bücher ein.

Klopp empfiehlt ihm Liverpool

Außerdem läuft sein Vertrag bis 2026, genügend Zeit also, den noch jungen Verteidiger aufzubauen. Auch der FC Chelsea, Manchester United und Real Madrid waren daran interessiert, seine im Leipzig-Vertrag festgeschriebene Ausstiegsklausel zu nutzen. Der 22-Jährige entschied sich für Liverpool. Trotz seiner sporadischen Einsätze bereut er den Wechsel nicht: "Ich habe meine beste Entscheidung getroffen und bin sehr glücklich."

Zuvor aber sei sein Kopf beinahe explodiert, ob der Tragweite seiner Entscheidung. Also habe er Klopp bei einem Gespräch gefragt: "Okay, wenn ich Ihr Sohn wäre und Ihr Sohn wäre in meiner Position, was würden Sie ihm raten zu tun?" Als der Coach ihm zu seinem Klub riet, habe er genau in dessen Augen geschaut, berichtete er der "Times". "Und ich sah Aufrichtigkeit in seinem Gesicht. Ich sagte: 'Diese Entscheidung wird gut für mich sein.' Und wenn man dann an die anderen Spieler in Liverpool denkt ... welche Spieler wollen nicht hierherkommen?"

Ibrahimovic will Trikottausch

Liverpool plant mit ihm für die Zukunft, er soll den Platz neben Abwehrchef Virgil van Dijk übernehmen. Eben jenen Platz, der bislang dem Ex-Schalker Joel Matip gehört, der am Dienstagabend aber auf der Bank sitzen blieb. Er könne nicht nur von den beiden lernen, betonte Konaté gegenüber der "Times". "Auch Joe Gomez ist ein fantastischer Spieler. Von ihnen lerne ich alles, aber nicht nur die Verteidiger, ich kann von Thiago, [Alcântara] von Sadio [Mané] und Mo [Salah] lernen."

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Und er erklärte selbstbewusst: "Ich bin noch nicht auf meinem maximalen Niveau, aber die Leistungen, die ich in meinem Alter erbringe, sind ein guter Indikator." Was folgt, klingt wie ein Angriff auf die etablierten Spieler: "Das Ziel, das ich mir gesetzt habe, ist, dass es keinen Grund gibt, warum ich nicht einer der besten Spieler der Welt werden kann." Noch ist es nicht so weit, aber das Potenzial, eines Tages Stammspieler zu werden, hat Konaté nun in Lissabon unter Beweis gestellt.

Lob gab es bereits von einem, der nicht gerade dazu neigt, seine Konkurrenten beeindruckend zu finden: Zlatan Ibrahimovic. Nach den Aufeinandertreffen mit dem AC Mailand in der Gruppenphase der Champions League sagte der exzentrische Schwede, der sich einst in einem Interview selbst als "Gott" bezeichnete: "Ich habe darum gebeten, mit Liverpools Verteidiger Konaté das Trikot zu tauschen. Er hat alle Zweikämpfe mit mir am Boden und in der Luft gewonnen. Ich habe ihm gesagt, dass er in Zukunft ein großer Verteidiger sein wird und dass er sich meine Worte gut merken sollte." Ein größeres Lob kann es ja eigentlich nicht geben.

Quelle: ntv.de

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