Fußball

Leipziger Topteam für Nagelsmann Rangnick hat sein RB-Denkmal fast vollendet

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Ralf Rangnick hat die Rasenballsportler aus Leipzig zu einem Erfolgsteam geformt.

(Foto: imago images / Laci Perenyi)

Zu Saisonbeginn übernimmt Ralf Rangnick beim Fußball-Bundesligisten RB Leipzig das Traineramt. Übergangsweise. Denn eigentlich ist er Sportdirektor des Klubs. Nun führt er das Team ins Pokalfinale und wohl erneut in die Champions League. Sein Nachfolger darf sich freuen.

Ralf Rangnick ist Sportdirektor beim Fußball-Bundesligisten Rasenballsport Leipzig. Seit 2012 arbeitet er bei den Sachsen, hat den Klub mit aufgebaut, aus dem Amateurfußball bis in die Champions League geführt. Und dank des 3:1-Sieges beim Zweitligisten Hamburger SV jetzt auch noch in das DFB-Pokalfinale. Das nicht nur als Manager, sondern auch und vor allem als Trainer.

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Haben sich gern: RB-Geschäftsführer Mintzlaff und Trainer Rangnick.

(Foto: imago images / Hübner)

Das war nicht so geplant. Der Klub hätte gern mit Ralph Hasenhüttl weitergearbeitet, sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff nach dem Sieg im Volksparkstadion. Rangnick ist zur Stelle gewesen, als Hasenhüttl - so die offizielle Version - um die Vertragsauflösung gebeten hatte: "Er hat die Verantwortung übernommen und spielt mit der Mannschaft eine fantastische Saison", erklärte Mintzlaff. "Dass wir nicht mehr so viel Werbung für unseren Verein machen müssen, auch wenn wir so jung sind, konnte in dieser Saison jeder sehen", resümierte der Klubboss.

Hamburger SV - RB Leipzig 1:3 (1:1)

Tore: 0:1 Poulsen (12.), 1:1 Jatta (24.), 1:2 Janjicic (53., Eigentor), 1:3 Forsberg (72.)
Hamburg:
Pollersbeck - Jung, Lacroix, van Drongelen, Santos - Vagnoman (69. Hwang), Janjicic (73. Hunt) -  Narey, Mangala, Jatta - Lasogga; Trainer: Wolf.
Leipzig: Gulacsi - Konate, Orban, Klostermann - Laimer, Kampl (90.+2 Demme), Halstenberg - Sabitzer (90. Haidara), Forsberg (73. Mukiele) - Poulsen, Werner; Trainer: Rangnick
Zuschauer: 52.365
Schiedsrichter:
Brych (München)

Nach dem Einzug ins Pokalfinale erklärte sein Trainer Rangnick mit Blick auf die sich nun bietende Titelchance, dass dies alles über die Entwicklung sage, die der Klub genommen hat. Der 60-Jährige war schon dabei, als die Leipziger am Ende der Saison 2012/13 in die 3. Liga aufgestiegen sind. In seiner Funktion als Sportdirektor wird er auch bei der erneuten Teilnahme an der Champions League dabei sein. Die ist den Sachsen kaum noch zu nehmen, schon am Samstag beim Spiel gegen den SC Freiburg (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) können sie das Ticket buchen. Als Trainer steht Rangnick dann nicht mehr an der Seitenlinie.

"Ralf und mir war klar, was auch immer passiert, er macht das Jahr und danach ist er Sportdirektor", sagte Mintzlaff. "Das war für uns die sicherste Lösung." Mit dieser Personalentscheidung habe er gewusst, "ich habe keine 'Lame Duck', sondern ich habe Ralf Rangnick, der danach Sportdirektor ist", erklärte der Geschäftsführer. Zudem konnte RB Leipzig mit Julian Nagelsmann einen der "begehrtesten deutschen Trainer" für sich gewinnen, ist Mintzlaff überzeugt.

"Attraktivster Fußball, den wir je gespielt haben"

Nagelsmann, noch in Diensten des Liga-Konkurrenten TSG Hoffenheim, wird ein funktionierendes, zusammengewachsenes Team übernehmen. Eines, das Rangnick in seinem Übergangsjahr als Coach geformt hat. "Das Mannschaftsgefüge, das wir jetzt haben, das hatten wir so noch nie", lobte Mintzlaff. "Deswegen spielen wir momentan den attraktivsten und erfolgreichsten Fußball, den wir je gespielt haben."

Mit nur 23 Gegentreffern stellt RB Leipzig die beste Defensive der Bundesliga. Auf dem Weg ins Finale des DFB-Pokals schaltete der Klub mit der TSG Hoffenheim, dem VfL Wolfsburg und dem FC Augsburg drei Bundesligisten aus. Seit 14 Ligaspielen sind die Leipziger ungeschlagen. Einzig international lief es in dieser Saison nicht so rund: In der Champions-League-Gruppenphase reichte es nur zu Platz drei, danach scheiterte Rangnicks Team in der Europa League an Olympique Marseille. Letztlich sei es ein "himmelweiter Unterschied" zum Fußball-Alltag, wenn man in drei Wettbewerben spiele, so Rangnick. Vielleicht wäre also einiges ganz anders gelaufen, hätte RB die Franzosen besiegt.

"Nagelsmann hat seine Qualitäten"

Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte ist trotz dieses Makels möglich. Mit dem Gewinn des DFB-Pokals gäbe es den ersten Titel zu feiern und das ausgerechnet zum zehnten Jubiläum des sächsischen Vereins. Beim Sieg im Pokal-Halbfinale gegen den HSV kam besonders der von Mintzlaff angesprochene Zusammenhalt zum Tragen. Das bestätigte Stürmer Yussuf Poulsen: "Dass wir vorne wie hinten alle mitmachen und alle für das gleiche Ziel kämpfen", sei die Waffe gewesen.

Diese Waffe wird Nagelsmann zu schätzen wissen. Bei RB Leipzig jedenfalls sind die Verantwortlichen nach wie vor überzeugt von den Fähigkeiten des 31-Jährigen. Mintzlaff bezeichnete ihn als "jungen, hochtalentierten Trainer", der den Klub gemeinsam mit dem "erfahrenen Sportdirektor" Rangnick "noch erfolgreicher machen" wird. Kapitän Willi Orban sagte: "Julian Nagelsmann hat seine Qualitäten. Er bringt mit Sicherheit einige Zutaten mit, um unseren RB-Fußball noch besser zu machen. Da freue ich mich jetzt schon drauf."

Zeit, sich große Gedanken über Nagelsmann und die Zukunft zu machen, habe das Team laut Orban allerdings gerade nicht: "Heute ist der Moment, dass wir uns freuen können und einen schönen Abend haben." Sein aktueller Trainer hat trotz des Erfolgs einiges zu kritisieren - die Chancenverwertung beispielsweise. "Normalerweise muss das Spiel nach 20 Minuten entschieden sein. Da hätte sich der HSV nicht beklagen können", so Rangnick. In der zweiten Halbzeit aber fand sein Team zurück in die Spur, auf die "schwere Tour", sagte er. "So mussten die Jungs noch einmal richtig Mentalität zeigen." Mentalität - diese hat Rangnick seinen Spielern offenbar nachhaltig eingeimpft. Es spricht vieles dafür, dass seine Leipzig-Ära deshalb so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird. Selbst, wenn sein hochtalentierter Nachfolger Nagelsmann an der Leipziger Seitenlinie steht.

Quelle: n-tv.de

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