Fußball

30. Saison der Frauen-Bundesliga Raus aus der Abwärtsspirale

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Almuth Schult gewann mit dem VfL Wolfsburg zuletzt dreimal in Folge das Double aus Meisterschaft und Pokal.

(Foto: imago images / Hartenfelser)

Seit Jahren gehen die Zuschauerzahlen in der Fußball-Bundesliga der Frauen zurück. Auch das frühe WM-Aus des DFB-Teams trübt vor der 30. Spielzeit im deutschen Oberhaus die Stimmung. Um den Trend zu stoppen, geht die Liga neue Wege: Livespiele und ein neues Gremium sollen die Wende bringen.

Sieben Wochen nach dem frühen WM-Aus der Nationalmannschaft in Frankreich startet die Frauenfußball-Bundesliga mit großen Ambitionen und neuer TV-Präsenz in die Saison. Die Freitagabend-Spiele werden künftig bei Eurosport zu sehen sein. Zudem verhandelt der DFB mit der ARD, damit in der Samstag-Sportschau nicht nur Spiele der Männer von Liga 1 bis Liga 3 gezeigt werden. Trotz der geballten Investitionen, die in Frankreich, England, Spanien und Italien getätigt werden, ist Siegfried Dietrich (1. FFC Frankfurt) als erfahrenster Manager überzeugt: "Wir haben sicherlich die stärkste Liga in Europa, auch wenn überall viel Geld ins Spiel gebracht wird."

Gleichzeitig räumte Dietrich mit Blick auf die WM-Enttäuschung ein: "Wir sind momentan vielleicht in einer Senke drin, aus der wir ganz sicherlich mit dem Engagement, das wir zeigen, herauskommen." Der 62-Jährige soll Vorsitzender des neuen DFB-Ausschusses für die Frauen-Bundesliga werden, wenn dieser beim Bundestag des Verbandes am 27. September eingeführt wird. Die Liga steht unter Zugzwang, zumal Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bessere Bedingungen für die Nationalspielerinnen gefordert hatte.

Nationalspielerinnen gehen ins Ausland

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Die Liga sei vor sich hingeplätschert, sagt Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt.

(Foto: imago images / Hartenfelser)

Selbst Dietrich räumte ein, dass sie "teilweise vor sich hingeplätschert ist". Gleichzeitig droht die Abwanderung weiterer Nationalspielerinnen, die - wie Spielmacherin Dzsenifer Marozsan beim Champions-League-Sieger Olympique Lyon - von ausländischen Clubs gelockt werden. In diesem Sommer gingen auch die Nationalspielerinnen Sara Däbritz (Paris Saint-Germain) und Leonie Maier (Arsenal WFC), die vorher beim FC Bayern spielten. Die Bundesliga hat selbst nach Turniererfolgen wie den WM-Triumphen 2003 und 2007 sowie nach dem Olympiasieg 2016 nie den Schwung mitnehmen können.

Seit 2013/2014 sind die Zuschauerzahlen rückläufig, zuletzt kamen im Durchschnitt nur 833 Besucher. "Wir wollen die Wahrnehmung der Liga stärken und können da neue Schritte gehen", sagte DFB-Direktorin Heike Ullrich bei einer Pressekonferenz am Montag in Frankfurt/Main. Die Eröffnungspartie zur 30. Spielzeit bestreiten die Ex-Meister 1. FFC Frankfurt - Turbine Potsdam am Freitag (18.30 Uhr) im ersten Eurosport-Livespiel. Man wolle "massiv aufschlagen" mit der Liga, so Dietrich, dessen Club von der Saison 2020/2021 an unter dem Dach von Eintracht Frankfurt spielt: "Die Professionalisierung schreitet voran."

Wolfsburg nimmt das Triple ins Visier

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Der VfL Wolfsburg geht als Double-Gewinner der vergangenen drei Jahre in die Saison, der FC Bayern München gilt wieder als größter Konkurrent. "Wir wollen am besten alle drei Titel gewinnen. Wäre schön, wenn wir das mal wieder in der Champions League schaffen würden", sagte Nationaltorhüterin Almuth Schult, die wegen ihrer Schulterverletzung zum Auftakt noch fehlt. Vor der neuen Runde sorgte der deutsche Frauenfußball allerdings erstmal mit einer PR-Panne für Schlagzeilen.

Die DFB-Frauen hatten ein Mannschaftsfoto, das vor dem WM-Spiel gegen Schweden am 29. Juni aufgenommen worden war, veröffentlicht mit den Zeilen: "Seit dem 29. Juni nicht mehr gesehen. Bitte teilen". In Aufmachung und Wortwahl erinnerte das Bild an eine Vermisstenanzeige. Am 29. Juni war die DFB-Auswahl Schweden ausgeschieden. An dem Tag war auch die Schweizer Nationalspielerin Florijana Ismaili bei einem Badeunfall am Comer See verunglückt und für vermisst erklärt worden. Drei Tage später war sie tot gefunden worden. Der DFB hatte sich entschuldigt, musste sich aber am Montag auch nochmal rechtfertigen. "Es ist sehr, sehr schade, dass ein gutes Gemeinschaftswerk so wahrgenommen wurde", sagte Ullrich.

Quelle: n-tv.de, Ulrike John, dpa

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