Fußball

"Maß und Form verloren" Trainerverband knöpft sich Scholl vor

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Mehmet Scholl hatte zuletzt von 2012 bis 2013 die zweite Mannschaft von Bayern München trainiert.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Mehmet Scholl erntet mit seinen Aussagen zu jungen Trainern weiter heftige Kritik. Der Verband der Fußball-Lehrer stellt die Umgangsformen des Ex-Profis infrage. Gleichzeitig spricht Scholl mit dem von ihm attackierten VfB-Coach Wolf - ohne Entschuldigung.

Der Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) hat sich der deutlichen Kritik an Mehmet Scholls Äußerungen zu jungen "Systemtrainern" angeschlossen. "Zur Ausstattung eines Trainers gehören immer auch soziale Kompetenz und Umgangsformen - die aber lässt der Ex-Spieler, Ex-Trainer und Ex-Kommentator Scholl ein weiteres Mal vermissen, wenn er Trainerkollegen und Trainerausbildung pauschal attackiert", sagte Verbandsvizepräsident Manfred Schaub. "Wer nachlassendes Interesse an seiner Mitwirkung im Fußball durch lautstarkes Auftreten wecken will, soll dies nicht auf dem Rücken anderer tun." Scholl habe "offenbar Maß und Form verloren."

In der vergangenen Woche hatte Scholl die Trainerausbildung in Deutschland als "elfmonatige Gehirnwäsche" bezeichnet. Die Arbeit von "Systemtrainern" wie Domenico Tedesco von Schalke 04 oder Hannes Wolf vom VfB Stuttgart kritisierte er mit polemischen Worten als fehlgeleitete Entwicklung, die die Kreativität einzelner Spieler nicht mehr fördere.

Die BDFL bestätigte, dass es in der Trainingslehre wieder stärker auch um individuelle Fähigkeiten der Spieler gehen müsse. Das sei in Aus- und Fortbildung schon seit Monaten ein Thema. Das dürfe aber nicht dazu führen, die akribische Arbeit der vergangenen Jahre oder gar das hohe Niveau der jungen Trainer wie Julian Nagelsmann (1899 Hoffenheim), Hannes Wolf (VfB Stuttgart) oder Domenico Tedesco (Schalke 04) "unflätig anzugehen".

Scholl schreibt Wolf

DFB-Chefausbilder Frank Wormuth hatte Scholls Vorstoß zuvor bereits zu einem "Hilferuf eines Enttäuschten" erklärt. "Inhaltlich entbehren diese Aussagen jeglicher Grundlage", sagte Wormuth. Auch Wolf, Bayern-Coach Jupp Heynckes und Schalke-Manager Christian Heidel hatten mit Unverständnis auf Scholls Worte reagiert.

Womöglich um die Wogen zu glätten, hat sich Scholl inzwischen bei VfB-Coach Wolf gemeldet. "Er hat kurz geschrieben", sagte Stuttgarts Trainer. Um Entschuldigung bat der Ex-Münchner aber nicht: "Das wäre nicht seine Art", fügte Wolf auf eine entsprechende Nachfrage mit einem Grinsen an.

Quelle: n-tv.de, chr/sid/dpa

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