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Stresstest beim FC Bayern "Unverkäuflicher" Müller kämpft um Hoheit

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Thomas Müller durfte gegen den FC Arsenal als Kapitän ran.

(Foto: imago/Imaginechina)

Nur Edeljoker, lediglich fünf Saison-Tore - das war Thomas Müller 2016/17. Es hagelt Kritik, aber der Rekordmeister nimmt ihn in Schutz. Müller soll unbedingt in München bleiben. Pünktlich zum Duell mit Neuzugang James spielt er erstarkt auf.

Der FC Bayern musste beim International Champions Cup gegen den FC Arsenal ins Elfmeterschießen. Einer schritt nicht zum Punkt: Thomas Müller. "Ich denke, vieles passiert im Leben in Perioden. Ich hatte eine Phase, da war ich wirklich ein exzellenter Elfmeterschütze. Jetzt wurde mein System so ein bisschen geknackt." Mit diesen Worten hatte der Offensivmann nach seinem verschossenen Elfmeter beim Telekom Cup angekündigt, künftig keine Elfmeter mehr schießen zu wollen. Gegen Arsenal hielt er Wort. Und die Bayern verloren 2:3.

An Müller lag das nicht. Der hatte den FC Bayern wie schon beim Telekom Cup als Kapitän auf den Platz geführt. Und spielte Seite an Seite mit dem neuen kolumbianischen Konkurrenten James Rodríguez, den viele als Ersatz für Müller sehen. Mehrere Torschüsse und eine Vorlage zum nicht gegebenen 2:0 stehen für Müller in der Statistik. Er machte ein ordentliches Spiel, bis er zur Halbzeit ausgewechselt wurde.

Gegen Arsenal bewies Müller seinen Kritikern, dass er noch kicken kann. Noch wichtiger: Er bewies es auch seinem Trainer Carlo Ancelotti. Denn Müller hat eine schwache Saison hinter sich. Nur fünf Tore in der Liga und drei in der Champions League stehen für ihn zu Buche. Der 27-Jährige saß häufig auf der Ersatzbank, vor allem in den entscheidenden Spielen: Im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund wurde er erst in der 79. Minute eingewechselt; beim Champions-League-Aus bei Real Madrid durfte er erst ab Minute 75 ran.

"Müller ist für Bayern wie Messi für Barcelona"

Schon Ex-Trainer Josep Guardiola ließ ihn im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals 2016 gegen Atlético Madrid bis zur 70. Minute auf der Bank schmoren - und verzockte sich damit bei der 0:1-Niederlage. Da sagte Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld bei Sky noch: "Müller ist für Bayern wie Messi für Barcelona. In ganz wichtigen Spielen sind die fast nicht zu ersetzen." In der abgelaufenen Saison war er ganz offensichtlich aber doch zu ersetzen. Weil der Star-Kader jede Menge Alternativen in der Offensive bietet, vor allem aber auch, weil Müller eben nicht mit Leistung überzeugte.

Und jetzt ist auch noch James beim FC Bayern gelandet, der absolute Wunschspieler von Trainer Carlo Ancelotti - auf der gleichen Position wie Müller. Zumal der 27-jährige Bayer nicht total flexibel eingesetzt werden kann: Im Sturm kommt er nicht an Robert Lewandowski vorbei, rechts außen ist - wenn fit - Arjen Robben gesetzt. Bleibt also nur die Position hinter der Spitze, auf der schon letzte Saison meist Thiago spielte. Und jetzt auch noch James - die Aussicht auf Spielzeit für Müller schrumpft weiter. Doch während Ancelotti der Konkurrenzkampf freut, beschwichtigt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der "Sport Bild": "Thomas hat absolut die Qualität, sich gegen jeden und alles durchzusetzen und Stammspieler zu sein. Das ist sein Ziel, und das ist auch unser Wunsch."

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Ist das ein Schwelgen in alten Zeiten? Hält man Müller nur bei den Bayern, weil er die Fans anzieht? Schließlich legen die Münchner Verantwortlichen viel Wert auf bayerische Buben aus der eigenen Jugend. Nach den Abgängen von Holger Badstuber und Bastian Schweinsteiger sowie dem Karriereende von Philipp Lahm ist Müller der letzte seiner Art.

Interesse aus England

Natürlich will Müller mehr und besser spielen als in der vergangenen Saison. Doch er bleibt fair: "Ich schaue nicht, dass ich mehr glänze als meine Mitspieler", so Müller auf eine Frage zum Konkurrenzkampf. Eine nach dem Duell mit James beantwortete er mit: "Hochinteressante Frage, die für Schlagzeilen nur gemacht ist." Ist der Kampf um die Stammplätze wirklich nur aufgebauscht? Müller fühlt sich offenbar dennoch angestachelt. Beim Telekom Cup überraschte er mit seiner guten Leistung. Im Finale gegen Werder Bremen schoss er das 1:0, legte Juan Bernat das 2:0 auf. Der besagte verschossene Elfmeter - eine Randnotiz. Beim ICC nun das zweite gute Spiel in Folge.

Aber was ist mit seinem Spielsystem, was mit seinem Platz bei den Bayern? Müller will nicht in den Tests spielen dürfen und dann in der Saison auf der Bank schmoren. Und so gibt es diverse Angebote für den 27-Jährigen. "Wenn du Bundesliga spielen willst, bist du bei uns herzlich willkommen", schrieb bereits der Trainer des VfL Wolfsburg, Andries Jonker, als SMS an Müller. Ernst gemeinte Angebote sollen von Jürgen Klopps FC Liverpool, dem FC Chelsea, dem FC Arsenal oder Juventus Turin vorliegen. Diese dürfte sich der Offensivmann vermutlich genauer angucken als es noch vor ein paar Jahren der Fall gewesen wäre.

Die Bayern schieben aber allen Wechselgedanken einen Riegel vor. "Thomas ist immer noch unverkäuflich, da er perfekt zum FC Bayern passt", betonte Rummenigge. Gleichzeitig erwartet er künftig aber mehr vom Nationalspieler: "Thomas als auch wir sind uns in der Bewertung der letzten Saison einig: Es war keine gute. Aber das ist auch kein Problem. Thomas weiß auch, dass er da ein Stück mehr bringen muss."

"Thomas Müller ist einzigartig auf der Welt"

Der mittlerweile außenstehende Matthias Sammer hat sogar ein flammendes Plädoyer für Müller gehalten. "Für mich ist Thomas Müller - mit dem ein oder anderen Spieler auch - die Seele und die Zukunft des FC Bayern. Und das sollte auch der Klub verstehen. So ein Spielertypus wie Thomas Müller ist einzigartig auf der Welt", sagte der frühere Sportchef der Münchner im Eurosport-Interview.

Der 49-Jährige forderte deshalb Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß auf, "immer darauf einzuwirken, wie wichtig so ein Typus in der Geschichte für Bayern München war." Doch Müller müsse in der Gegenwart auch das Vertrauen spüren, um die Zukunft stabil zu gestalten. "Das ist eine wichtige Aufgabe der beiden Führungspersönlichkeiten des Klubs."

Lob gibt es mittlerweile auch von einem, von dem Müller bislang nicht allzu viel Rückendeckung erwarten konnte: Trainer Ancelotti. "Er war einfach der Beste", sagte er nach dem Telekom Cup. Worte, die Müller lange nicht vernommen hat und vom Italiener in dieser Saison gerne häufiger hören möchte.

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Quelle: n-tv.de

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