Fußball

Max widerlegt Löws Urteil Viel zu gut, um wieder ignoriert zu werden

Jahrelang spielt Philipp Max ordentlich Fußball - nur der Bundestrainer sieht das anders. Doch nun hat Joachim Löw ein Einsehen, nominiert den Niederlande-Legionär und wird belohnt. Der 27-Jährige sammelt dabei fleißig Minuten und überflügelt seinen erfolgreichen Vater.

"Sehr, sehr gut." Nun, das sind zwar nicht viele Worte, aber bedeutende. Sie kommen von Bundestrainer Joachim Löw, und das allein kann über die weitere Zukunft eines Fußball-Nationalspielers entscheiden. Gerade bei einem Debütanten. Und vor allem, wenn dann noch etwas hinterherkommt: "Das war natürlich eine super Aktion von ihm." Aber von wem denn nun? Na, von dem Spieler, der während des Testländerspiels gegen Tschechien noch Zeit hat, die Anzeigetafel im Blick zu behalten. Denn: "Nach zehn Minuten habe ich kurz auf die Uhr geguckt, da habe ich ihn überholt und war sehr zufrieden."

Debütant, sehr gut gespielt, der Blick auf die Uhr - sind das genug Indizien? Es geht um Philipp Max. Den Linksverteidiger, den einige Experten dem Bundestrainer schon lange wärmstens empfohlen hatten. Mit 27 Jahren war es nun so weit. 68 Minuten durfte er spielen, hatte mit seiner Vorlage auf Luca Waldschmidt direkt entscheidenden Anteil am 1:0-Sieg, was Löw eben "eine super Aktion" fand. Max hatte eine Abwehr von Tschechiens Torwart Jiri Pavlenka abgefangen, den Ball von links scharf nach innen zu Luca Waldschmidt gepasst und der netzte sicher ein (13.). Da hatte Max eben jene zehn Minuten gerade absolviert - und damit seinen Vater überholt. Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Martin Max spielte genau einmal im Nationaltrikot, am 17. April 2002 beim 0:1 gegen Argentinien. Er wurde sieben Minuten vor Schluss für Torsten Frings eingesetzt.

Löw hat die Qual der Wahl - nur nicht jetzt

Für seinen Sohn dürfte es sehr wahrscheinlich eine Wiederholung im DFB-Dress geben. Womöglich schon in einer der Nations-League-Partien gegen die Ukraine (Samstag) oder Spanien (Dienstag, beide 20.45 Uhr im ntv.de-Liveticker). Denn der Linksverteidiger überzeugte mit Agilität, tiefen Pässen und seinen scharfen Hereingaben - geadelt als "strammer Max". Auf einer Position, die jahrelang durch Jonas Hector besetzt war und dessen stiller Rücktritt im Nachhinein für Aufregung gesorgt hatte. Von 2014 bis Ende 2019 war der Kölner gesetzt. Und nun?

Nun hat Löw plötzlich ein Luxusproblem. Neben Max gibt es noch weitere Spieler, die auf links überzeugen und die aus den Vereinen genug Erfahrung auch für wichtige Spiele mitbringen, die alle auch vom Alter her gestandene Profis sind: Zuletzt gönnte der Coach Robin Gosens von Atalanta Bergamo Spielzeit, auch Leipzigs Marcel Halstenberg ist eine mehr als solide Alternative. Mit 26, 27 und 29 Jahren konnten die drei bereits viele Erfahrungen sammeln, trotzdem kommen sie zusammen auf gerade einmal 13 DFB-Spiele.

Auf Umwegen ins Team

Sein erstes also absolvierte Max nun gegen Tschechien. Dafür musste er Geduld aufbringen - und womöglich half es auch, Deutschland zu verlassen. Fünf Jahre lang spielte er für den FC Augsburg, Löw konnte ihn also ohne großen Aufwand live im Stadion beobachten. Und es war nicht so, dass Max nicht überzeugte. Im Gegenteil: Noch im vergangenen Dezember sagte Augsburgs Kapitän Daniel Baier: "Wir alle in der Mannschaft sind fest davon ausgegangen, dass Philipp nominiert wird." Doch es kam - mal wieder - anders. Vor der WM-Blamage in Russland 2018 war das Löw-Urteil einigermaßen vernichtend gewesen: "Wir haben ihn einige Male gesehen. Er ist sicherlich ein guter Spieler auf der linken Seite, aber bisher hat er in unseren Überlegungen keine Rolle gespielt."

Nun, dieses Urteil relativierte Löw nach und nach, lobte den Defensivmann - berücksichtigte ihn aber trotzdem nicht. Es scheint, als musste Max erst Augsburg verlassen, erst nach seinem Wechsel zur PSV Eindhoven im Sommer folgte nun die sehnlich erwartete Nominierung. Nach sieben Spielen in der niederländischen Eredivisie mit fünf Torvorlagen und zwei Toren kam Löw wohl einfach nicht mehr an ihm vorbei.

Und damit war die elende Warterei endlich beendet. Gleich das Debüt, gleich überzeugt, gleich am einzigen Treffer des Abends beteiligt, gleich den Papa überflügelt. Und noch dazu vermutlich das Trainerteam überzeugt, dass er im Kader bleiben darf. Denn der soll zur Nations League hin noch verkleinert werden. Nur 20 Feldspieler und drei Torhüter dürfen bleiben. Da aber - abseits von Max' Leistung - Halstenberg verletzt gar nicht erst zur Nationalmannschaft stoßen konnte und Gosens an einer Wadenblessur laboriert, dürfte die Position des Linksverteidigers für Max reserviert sein. Der für ihn eingewechselte Nico Schulz ist außer Form, kommt bei Borussia Dortmund derzeit nicht zum Zug und überzeugte auch in seinen gut 20 Minuten Spielzeit nicht. Folglich wird es am Samstag gegen die Ukraine heißen: Max steht erneut in der Startelf - und kann seinem Vater weiter enteilen. Ganz entspannt, ohne auf die Uhr schauen zu müssen.

Quelle: ntv.de