Fußball

Mega-Deal mit Kane oder Haaland? Warum Bayern Lewandowski verkaufen sollte

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Harry Kane statt Robert Lewandowski im Bayern-Trikot? Warum eigentlich nicht.

(Foto: Action Images via Reuters)

Robert Lewandowski gewinnt dem FC Bayern mit zwei Toren den Supercup, aber trotzdem: Die Münchner sollten Harry Kane an Land ziehen. Der Tottenham-Star ist eine jüngere und bessere Version des Polen - und würde wohl eher nach München wechseln als Erling Haaland.

Es gibt da diese Geschichte von einem jungem Harry Kane in einem Pub in East London. Als Zehn- und Zwölfjähriger verfolgt er mit seinen Eltern und vielen Freunden die Spiele der englischen Nationalmannschaft während der EM 2004 und der WM 2006 im The Sirloin - und träumt davon, einer der Spieler zu werden, mit denen er auf der großen Leinwand mitfiebert. Der Heranwachsende malt sich aus, einmal einen Pokal in den Nachthimmel zu recken. Der Traum wird wahr, aber bisher nur zum Teil.

Mit den Three Lions erreicht Kane als Kapitän den größten Erfolg seit 1966, nur an Italien scheitern die Engländer im Sommer im EM-Finale im heimischen Wembley-Stadion. Mit seinem Kindheitsklub, Tottenham Hotspur, schafft es der Stürmer 2019 ins Champions-League-Finale, unterliegt aber Jürgen Klopps FC Liverpool. Und so kommt es, dass Kane und die Spurs (letzter Triumph: Ligapokalsieger 2008) trotz sehr erfolgreicher Jahre keinen einzigen Titel erringen. Kane hätte "seinen" Verein, für den er seit jeher auf Torejagd geht, so gerne mit einer Trophäe beschenkt. Mittlerweile aber glaubt der 28-Jährige nicht mehr daran, seinen Titeltraum mit Tottenham real werden lassen zu können.

Kane, der bei Tottenham einen Vertrag bis 2024 besitzt, ist nun das Ziel europäischer Topklubs, weil er offen seinen Wechselwunsch ausspricht. Der Topstürmer will weg - und genau das könnte die Chance für den FC Bayern sein. Natürlich ist diese Überlegung hypothetisch und sie würde den bitteren Abgang von Toptorjäger Robert Lewandowski bedeuten, der am Dienstagabend erst wieder Borussia Dortmund mit zwei Toren abschoss und dem Rekordmeister den Supercup sicherte. Wahrscheinlich wird es wegen der kursierenden Unsummen ohnehin nicht dazu kommen. Aber: Tottenham will Kane zwar nur ungern ziehen lassen, doch vor allem nicht in Richtung eines Ligarivalen. Das bedeutete nämlich einen doppelten Verlust, den die Spurs unbedingt vermeiden wollen. In die Bundesliga würden die Engländer ihren Angreifer schon eher wechseln lassen.

Wenn Lewandowski zu Real wechselt ...

Stellten sich die Münchner nun clever an, könnte es ihnen gelingen, ihren Weltfußballer Lewandowski gegen ein jüngeres und ebenbürtiges, vielleicht sogar besseres Modell einzutauschen. Lewandowski, der am Samstag seinen 33. Geburtstag feiert, steht beim FC Bayern noch bis Sommer 2023 unter Vertrag. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Pole zum Abschluss seiner Karriere gerne noch eine neue Herausforderung in einer anderen Topliga angehen würde. Besonders für Spanien und vor allem Real Madrid hatte er stets eine Faszination. Immer mal wieder war ein Wechsel Thema.

Würde der FC Bayern diesen nun forcieren, könnten die Verantwortlichen noch eine ordentliche Summe einstreichen und hätten zumindest den Großteil des Geldes für einen Mega-Deal mit Tottenham und Kane zusammen. Auch das zahlungskräftige Manchester City soll schon im Sommer Interesse an Lewandowski bekundet haben. Transfermarkt.de schätzt den Marktwert des Polen auf 60 Millionen Euro, den des Spurs-Stürmers auf 120 Millionen Euro; Tottenham soll derzeit noch die horrende Summe von etwa 170 Millionen Euro fordern.

Natürlich, Kane möchte eher zum äußerst interessierten englischen Meister Manchester City (soll bis zu 140 Millionen Euro bieten) wechseln und in der Heimat und in der prestigeträchtigsten Liga der Welt bleiben. Allerdings dürfte er seine Chancen auf einen Champions-League-Sieg bei den Bayern weitaus höher einschätzen als bei Tottenham (von den Möglichkeiten, eine Meisterschaft zu gewinnen, braucht hier gar nicht geschrieben zu werden). Auch hat Kane sicherlich genau beobachtet, wie Lewandowski bei den Münchnern Weltfußballer und dass das System komplett auf dem Mittelstürmer zugeschnitten wurde.

Weltstürmer in seinen besten Jahren

Zwar ist ein Wechsel Lewandowskis noch in diesem Sommer äußerst unwahrscheinlich, doch dem FC Bayern dürfte bewusst sein, dass adäquater Ersatz in den nächsten Jahren nur schwer zu finden sein wird. Real Madrid baggert derzeit an Weltmeisterstürmer Kylian Mbappé von Paris Saint-Germain. Aber der spanische Rekordtitelträger muss sich wohl in diesem Fall mindestens bis zum nächsten Sommer gedulden - und könnte deshalb wieder verstärkt an Lewandowski interessiert sein.

Dass Harry Kane ein würdiger Nachfolger Lewandowskis wäre, daran dürfte niemand zweifeln. 38 Tore in 61 Länderspielen, 166 für Tottenham in 245 Ligapartien (dazu 38 Vorlagen) und 20 Treffer in 24 Champions-League-Spielen sprechen für sich. Beide Stürmer sind körperlich enorm stark, gut im Kopfballspiel und mit dem Fuß, sind schnell und besitzen die Gabe, aus so ziemlich jeder Position mit nur einer Ballberührung treffen zu können. Beide zählen seit Jahren zu den Allerbesten auf der Mittelstürmerposition. Kane ist sogar noch etwas variabler, ist stärker im Dribbling und kann auch das Spiel aus dem Mittelfeld heraus mit klugen Pässen anleiten. Er ist das etwas bessere Gesamtpaket und dazu fünf Jahre jünger. Rio-Weltmeister Sami Khedira betitelte den Tottenham-Torjäger einst nicht umsonst als "komplettesten Stürmer" - vor Robert Lewandowski.

Mit Kane hätten die Münchner auf Jahre wieder einen der Weltbesten in seiner Blütezeit in ihrer Angriffsreihe. Auch wenn sie für den Stürmer selbst im Fall eines Lewandowski-Verkaufs noch ordentlich draufzahlen müssten, könnte sich der Transfer langfristig lohnen. Denn mit dem Engländer im Sturm scheint ein Triumph in der Champions League wahrscheinlicher als mit dem langsam alternden Lewandowski, der in den wichtigsten Spielen nicht mehr so verlässlich trifft wie in der Bundesliga oder im Supercup, wo der Gegner aus Dortmund nicht gerade mit einer Weltklasse-Abwehr auftrumpfte. Der Pole fiel verletzt aus im Viertelfinale gegen PSG im vergangenen Königsklassen-Turnier, die Bayern scheiterten. Auch im Triple-Jahr 2020 erzielte Lewandowski im Halbfinale gegen Lyon nur das unwichtige 3:0 in der 88. Spielminute und im Viertelfinale gegen Barcelona das 6:2, als bereits alles entschieden war. Im Finale blieb er blass, den Siegtreffer markierte Kingsley Coman.

Klappt es nicht mit Kane, würde ein Verkauf Lewandowskis für den FC Bayern auch Sinn ergeben, um sich die Dienste Erling Haalands sichern zu können. Dann allerdings erst im kommenden Jahr. Laut "Sport Bild" soll es sogar bereits einen Geheimplan des Rekordmeisters geben. Der Dortmunder Stürmer ist auf dem besten Weg, einer der Allergrößten in Europa zu werden und zeigte bereits am ersten Bundesligaspieltag wieder, welche Sensation er schon im Alter von 21 Jahren ist. Der Vertrag des Norwegers beim BVB läuft zwar noch bis Sommer 2024, aber mittlerweile ist klar, dass er den Klub im nächsten Sommer für eine Ausstiegsklauseln von etwa 80 Millionen Euro verlassen kann und wird.

Warum nicht Bayern statt City?

Jedoch präferieren Haaland und sein Team einen Wechsel ins Ausland. Besonders gute Chancen darf sich Real Madrid ausrechnen (abhängig natürlich davon, was mit Lewandowski passiert), denn der BVB-Torjäger gilt als Fan des spanischen Hauptstadtklubs. Aber auch ein Wechsel in die Premier League erscheint realistisch, manche Medien munkeln schon von einem bereitliegenden Vertrag des FC Chelsea. Bayern München dürfte deshalb nur Außenseiterchancen im Rennen um den zukünftigen Weltstar haben.

Bleibt also Harry Kane. Der stand nun nicht im Kader (offiziell wegen mangelnder Fitness), als sein Verein am ersten Spieltag der Premier League ausgerechnet gegen Manchester City mit 1:0 siegte. "Kein Kane, kein Problem", titelte die englische Regenbogenpresse direkt. Seriöse Zeitungen wie "The Telegraph" und die "Times" berichten dafür, dass Tottenham-Klubboss Daniel Levy einen Kane-Transfer zu City endgültig verboten habe. Für das Europa-Conference-League-Duell gegen Pacos de Ferreira in Portugal am Donnerstag steht der Stürmer zumindest wieder im Kader der Londoner.

Aber was passiert, wenn auf einmal der FC Bayern um die Ecke kommt und statt der Conference doch die Champions League winkt? Natürlich nur rein hypothetisch. All das ist ziemlich unwahrscheinlich. Dabei würden sogar wohl die Menschen in den Pubs in East London den Deutschen Meister oder Champions-League-Sieger Harry Kane im Bayern-Trikot beklatschen.

Quelle: ntv.de

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