Fußball

Lucas Hernández zurück beim FCB Was macht Flick mit dem 80-Millionen-Mann?

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Gegen Leipzig stand Hernández erstmals seit dem 22. Oktober wieder auf dem Feld.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildagentur)

Nach viermonatiger Leidenszeit gibt Lucas Hernández beim FC Bayern sein Comeback. Zuletzt muss Trainer Hansi Flick immer wieder auf eine Notbesetzung in der Abwehr setzen - jedoch überzeugt diese. Wohin also mit dem Mann, der im Sommer für 80 Millionen Euro gekommen ist?

Nachdem sich erst Abwehrchef Niklas Süle und dann Neuzugang Lucas Hernández im vergangenen Oktober verletzt hatten, stellte sich die Defensivreihe des Rekordmeisters in den zurückliegenden Monaten oftmals von alleine auf. Der personelle Engpass, der zuletzt durch den Ausfall von Allrounder Javi Martínez noch verstärkt wurde, führte zu einigen unkonventionellen Schritten an der Isar. Doch die defensive Zweckgemeinschaft wuchs unter Coach Hansi Flick in beachtlicher Manier zusammen. Seit der Entlassung von Ex-Trainer Niko Kovac Anfang November haben die Bayern in elf Ligaspielen lediglich sieben Gegentreffer kassiert. Das ist in diesem Zeitraum mit Abstand Liga-Bestwert.

Gerade David Alaba und Alphonso Davies stachen Woche für Woche hervor. Der Österreicher hat sich in der Innenverteidigung zum absoluten Leistungsträger entwickelt und kann sich augenscheinlich gut vorstellen, vorerst auf dieser Position zu bleiben. "Ich habe sie jetzt ein paar Mal gespielt. In der Mannschaft funktioniert es sehr gut, weil wir sehr viel den Ball haben und hoch stehen. Das liegt mir gut", so der 27-Jährige gegenüber dem "Kicker".

Wird Lucas Hernández überhaupt gebraucht?

Ähnliches gilt auch für den seit November 19 Jahre alten Davies, der sich mit seinem beherzten Einsatz und jeder Menge Offensiv-Drang auf der linken Außenbahn in den letzten Monaten in die Herzen der Fans gespielt hat. An beiden führt in der aktuellen Form (fast) kein Weg vorbei. Der schon mehrfach fast vom Hof gejagte Jérôme Boateng war zuletzt als Stammspieler ebenfalls nicht mehr wegzudenken. Und selbst nach der Januar-Leihe von Real Madrids Álvaro Odriozola ist Benjamin Pavard auf der rechten Seite aktuell weiterhin praktisch konkurrenzlos.

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Im Sommer so gut wie weg, jetzt plötzlich Stammspieler: Jérôme Boateng.

(Foto: imago images/MIS)

Bleibt für Hernández also vorerst nur die Rolle als Edeljoker? Allzu viel Handlungsbedarf scheint für Flick auf den ersten Blick nicht zu bestehen. Doch der Schein der dominanten Wochen zum Rückrunden-Start trügt ein Stück weit. Gerade das Spiel im DFB-Pokal gegen die TSG 1899 Hoffenheim (4:3) hat gezeigt, dass die Münchner in der Defensive aktuell durchaus verwundbar sind. Die Eindrücke aus der zweiten Halbzeit des torlosen Topspiels gegen RB Leipzig haben dieses Bild noch verfestigt.

Alte Sorgen bleiben bestehen

Nach wie vor scheint die Mannschaft, die Anfälligkeit bei gegnerischen Kontern nicht in den Griff zu bekommen. Gegen Hoffenheim kassierte der amtierende Pokalsieger in der Schlussphase zwei Treffer nach schnellen Gegenstößen. Auch die Gegentore in Freiburg und gegen Bremen zum Ende der Hinrunde fielen nach mehr oder weniger schnell vorgetragenen Kontern. Nicht selten haben die Tempo-Defizite von Boateng diese Gegentreffer zumindest begünstigt. Gerade ein schneller Akteur wie Hernández, der das Spiel lesen kann und über ein gutes Stellungsspiel verfügt, stünde der Bayern-Abwehr in diesen Situationen gut zu Gesicht.

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Dem möglichen Duo Hernández/Alaba fehlt es an Körpergröße.

(Foto: imago images / MIS)

Die logische Konsequenz wäre also, Boateng wieder auf die Bank zu setzen und dafür Hernández die Rückkehr in die erste Elf zu ermöglichen. Vieles spricht dafür, dass dies in den kommenden Wochen gängiges Bild werden dürfte. Schon gegen Leipzig nahm Flick diese Veränderung Mitte der zweiten Halbzeit vor und zeigte sich im Anschluss von dem Resultat durchaus angetan: "Lucas war gut. Ich bin froh, dass er wieder mitmachen kann. Er muss fit werden und braucht Spielpraxis", so der Coach nach der Partie gegenüber "Sky".

Doch als dauerhafte Lösung taugt diese Variante eher nicht. Mit Alaba und Hernández stünden dann nämlich zwei Linksfüße im Abwehrzentrum. Gerade im Spielaufbau ist eine solche Aufteilung eher unelegant und kann auf höchstem Niveau durch geschicktes Pressing entblößt werden. Auch Boatengs (1,92 Meter) Präsenz im Kopfballspiel müssten andere Mitspieler erst einmal kompensieren. Ein Duo aus Alaba (1,80 Meter) und Hernández (1,82 Meter) könnte gegen physische Mannschaft ein neuerliches Gefahrenpotenzial bedeuten.

Frischer Wind im Sommer?

Sport.de

Dieser Text ist zunächst bei den Kollegen von sport.de erschienen.

Spätestens im Sommer dürfte sich die Situation ohnehin vollständig ändern. Dann wird Niklas Süle nach verheiltem Kreuzbandriss wieder angreifen. Womöglich stößt auch noch ein weiterer Rechtsverteidiger zur Mannschaft hinzu. Zuletzt galt beispielsweise Sergino Dest von Ajax Amsterdam als potenzieller Neuzugang. Bald schon könnte die Großwetterlage in München also von Personalnot in Überangebot umschlagen - mit ganz neuen Herausforderungen für Flick.

Gerade in der jetzigen Situation wäre es deshalb durchaus geboten, Hernández nach seiner Verletzung die nötige Sicherheit zurückzugeben - selbst wenn Flick dabei seine Defensive grundlegender umbauen muss. Ansonsten könnte der Franzose in einem harten Konkurrenzkampf in der neuen Saison unter die Räder kommen. In diesem Fall droht, dass sich der Rekordeinkauf womöglich bald in ein 80-Millionen-Euro-Missverständnis verwandelt.

Quelle: ntv.de