Fußball

Countdown im Wechseltheater Welcher Bundesligist schlägt nochmal zu?

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Geht da noch was? Das Tauziehen um Julian Draxler läuft seit Wochen.

(Foto: imago/foto2press)

Kaufen, verkaufen oder pokern: In wenigen Stunden schließt der Sommerschlussverkauf in der Bundesliga. Für die Klubs ist es die letzte Chance auf dem überhitzen Transfermarkt mitzumischen.

Um 18.00 Uhr ist Schluss. Dann hat der Wahnsinn ein Ende - zumindest vorerst. Kevin De Bruyne, Deutschlands Fußballer des Jahres, spielt für eine Ablöse von 75 oder 80 Millionen Euro und ein Jahresgehalt von 15 oder 16 oder vielleicht noch mehr Millionen Euro künftig für Manchester City. Der VfL Wolfsburg gibt außerdem für angeblich 20 Millionen Euro Ablöse Ivan Perisic an Inter Mailand ab, der Wechsel wurde am Sonntagabend bestätigt.

Bis Montag, 18.00 Uhr, wollte Klaus Allofs dann aber doch nicht warten, um die fast 100 Millionen Euro unters Volk zu bringen. "Wir reden mit Schalke über Draxler", bestätigte Allofs dem kicker - um die 35 Millionen Euro Ablöse könnte Weltmeister Julian Draxler den Schalkern bringen. Beide Seiten dementierten aber am Sonntagnachmittag eine Einigung. Plan B der Wolfsburger wäre Dennis Praet vom RSC Anderlecht. Bereits abgeschlossen ist der Deal für Dante vom FC Bayern für vier Millionen.

Allofs ist nicht der einzige Manager, mit einem finanziell großem Spielraum: 1899 Hoffenheim bekam vom FC Liverpool 41 Millionen Euro für Roberto Firmino. Bayer Leverkusen erhält 30 Millionen Euro von Tottenham Hotspur für Heung-Min Son - und der FC Augsburg bis zu 30 Millionen Euro vom FC Chelsea für Abdul Rahman Baba. Käufe in dieser Größenordnung tätigte in der Bundesliga bislang nur der FC Bayern, diesmal für Douglas Costa (30 Millionen) oder Arturo Vidal (37).

220 Millionen Euro für 13 Spieler

Die letzten Tage waren auch eine Finanzklasse tiefer sehr hektisch. Kevin Kampl etwa wechselte für rund zehn Millionen von Borussia Dortmund zu Bayer Leverkusen. Schalke 04 wollte noch Filip Kostic vom VfB Stuttgart loseisen - um halbwegs guten Gewissens Draxler verkaufen zu können? Am Sonntag vermeldete der VfB, der für den Verkauf von Antonio Rüdiger zu AS Rom 13 Millionen Euro in Raten erhält, erst mal den Transfer des ausgemusterten Vedad Ibisevic zu Hertha BSC.

Einige lassen diese aberwitzig erscheinenden Zahlen kalt - behaupten sie in der Öffentlichkeit. "Das ist eben so", sagte Leverkusens Sportchef Rudi Völler, "dass die Ablösesummen aus England angeschoben werden." Und manchmal leide man darunter, aber manchmal profitiere man. Inklusive De Bruyne oder auch Bastian Schweinsteiger haben 13 Spieler die Bundesliga nach England verlassen - für den Gesamtpreis von rund 220 Millionen Euro.

Das Geld, das aus England nach Deutschland fließt, entspricht zwei Dritteln jener Summe, die die Bundesliga bislang in neues Personal investiert hat (340 Millionen). Die Frage sei, sagt Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer, was man "strategisch" daraus mache: "Wir müssen konstruktiv nach vorne gucken und nicht kapitulieren", man müsse vielmehr sehen, "was das für Chancen beinhaltet".

Das sagt sich leicht für einen Klub, der es sich momentan noch leisten kann, auf 85 Millionen Ablöse von Manchester United für Thomas Müller zu verzichten und selbst nochmal aktiv geworden ist: Der FC Bayern leiht mal eben noch für zwei Jahre Kingsley Coman von Juventus Turin für sieben Millionen Euro aus - mit einer Kaufoption über 20 Millionen Euro im Jahr 2017.

Dennoch: Mit den 20 englischen Premier-League-Klubs, die ab 2016 pro Jahr 3,2 Milliarden Euro an TV-Geldern unter sich aufteilen, wird in absehbarer Zukunft wohl nur noch das Scheich-subventionierte Paris St. Germain mithalten können. Die Bundesliga-Klubs können ab 18.00 Uhr erst mal durchatmen. Vermutlich aber nur bis zum 1. Januar. Dann beginnt die Wechselperiode II. Und mit ihr vielleicht 31 Tage Wahnsinn.

Quelle: ntv.de, Thomas Häberle, sid