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Batshuayi war vom FC Chelsea zunächst nach Dortmund ausgeliehen und spielt nun in Valencia.
Batshuayi war vom FC Chelsea zunächst nach Dortmund ausgeliehen und spielt nun in Valencia.(Foto: imago/ActionPictures)
Donnerstag, 13. September 2018

Irrsinn mit den Leihgeschäften: Wenn Fußballprofis zur Bestellware werden

Von Judith Günther

Eigentlich dienen Leihgeschäfte dazu, jungen Fußballprofis zu Spielpraxis zu verhelfen. Inzwischen ist der Handel mit Talenten eine lukrative Geschäftsstrategie. Das Problem will der Weltverband Fifa offenbar angehen.

Leasinggeschäfte hat es im Fußball immer gegeben. Borussia Dortmund beispielsweise suchte jüngst einen Stürmer und wurde beim FC Barcelona fündig. Mit Paco Alcácer lieh sich der Bundesligist kurz vor Transferschluss einen Spieler aus, der bei den Katalanen bestenfalls dritte Wahl war. Beim BVB kann sich Alcácer bewähren, vorerst fällt lediglich die Leihgebühr von zwei Millionen Euro an. Dagegen ist nichts einzuwenden, der Spieler profitiert genauso wie der Klub. Was aber, wenn junge Fußballer zum Spekulationsobjekt werden?

Das Geschäft mit der Leihe hat europaweit exzessive Ausmaße angenommen. Und der Sport hat ein Problem, ein ziemlich großes sogar. Das hat laut "Sportbild" auch der Weltverband erkannt. Die Task Force der Fifa will offenbar durchsetzen, dass Vereine nur noch eine begrenzte Anzahl von Spielern pro Saison ausleihen dürfen, konkret soll die Beschränkung bei maximal acht Profis liegen. Die einzige Ausnahme sollen Talente unter 21 Jahren bilden, die von ihrem Stammklub ausgebildet wurden und dort längerfristig unter Vertrag stehen. Nur dann soll es weiterhin möglich sein, Spieler unbegrenzt zu verleihen, um ihre Entwicklung zu fördern. Denn darum geht es inzwischen längst nicht mehr: Das Modell, eigentlich gedacht zugunsten von Nachwuchsspielern, ist zur Geschäftsstrategie geworden.

Immer neue Talente werden auf Tauglichkeit geprüft

Zahlreiche Topklubs statten Dutzende Talente mit mehrjährigen Verträgen aus, um sie einer eingehenden Tauglichkeitsprüfung zu unterziehen. Reicht es nicht für die eigene A-Mannschaft, gibt es immer einen Konkurrenten, der gerade Bedarf hat. Im Optimalfall ist das eine Win-win-Situation, wie der Fall Serge Gnabry zeigt. Der damalige U21-Nationalspieler kam im Sommer 2017 ablösefrei zum FC Bayern, hatte dort aber keine Chance auf einen Stammplatz. Gnabry ging zur TSG Hoffenheim, wurde unter Julian Nagelsmann zum Leistungsträger und kehrt nun mit viel Spielpraxis zurück. Natürlich ist unklar, ob Gnabry es in den kommenden Monaten schafft, sich in München zu etablieren. Doch bis hierher sieht alles erstmal vernünftig aus.

Was aber, wenn Fälle wie Gnabry die Ausnahme darstellen?

Omerou hat in sechs Jahren für sechs Vereine gespielt, aber keinmal für Chelsea.
Omerou hat in sechs Jahren für sechs Vereine gespielt, aber keinmal für Chelsea.(Foto: imago/Pro Shots)

Beim FC Chelsea hat der Bestand an Leihspielern seinen eigenen Begriff: "Loan Army". Die Londoner "Leih-Armee" umfasst aktuell 40 Spieler, die offiziell beim Premier-League-Klub unter Vertrag stehen, oftmals jedoch kein einziges Spiel für die Blues absolviert haben. Fairerweise muss man sagen, dass der Verein auch Spieler aus dem Nachwuchszentrum listet. Unter die verbleibenden 19 "regulären" Profis fällt zum Beispiel Michy Batshuayi, der immerhin rund ein Dutzend Startelfeinsätze absolviert hat. Der Belgier war in der vergangenen Saison an Borussia Dortmund ausgeliehen, doch der Bundesligist hat auf die Kaufoption verzichtet. Batshuayi spielt nun beim FC Valencia - als Leihe. Unter den Status "on loan" fallen aber auch Profis wie Kenneth Omeruo. Seit der nigerianische Nationalspieler 2012 zu Chelsea kam, hat er kein einziges Mal an der Stamford Bridge gespielt. Es ging zunächst zu ADO Den Haag, dann zum FC Middlesbrough, dann zu Kasimpas Istanbul, wohin er nach einem einjährigen Gastspiel bei Alanyasopor zurückkehrte. Seit dieser Saison spielt er nun in Spanien bei CD Leganés. Das macht sechs Vereine in sechs Spielzeiten. Jeweils vermerkt mit dem Zusatz: Leihe.

Noch absurder geht es in der italienischen Serie A zu, wo die Klubs meist Aktiengesellschaften sind und von Investoren geführt werden. Dort ist in jedem Jahr kurz vor Schluss des Transferfensters immer dasselbe Phänomen zu beobachten: Von einem Tag auf den anderen Tag bläht sich der Kader auf, weil die zuvor verliehenen Spieler zurückkehren. Juventus Turin beispielsweise verzeichnet in diesem Sommer laut "Sport Bild" 43 Zu- und 48 Abgänge. Wie es dort weiter heißt, haben die Juve-Bosse bei Transfergesprächen immer eine Mappe im DIN-A4-Format dabei. Eine Art Anlageportfolio, bei dem Jungprofis als Bestellware dienen.

Die Bundesliga dürfte profitieren

Den Verantwortlichen geht es nicht darum, eigene Nachwuchsspieler zu fördern. Leihgeschäfte sind aus Klubsicht risikoarm, versprechen gleichzeitig hohe Gewinne. Talente werden oftmals für wenig Geld eingekauft, um dann gegen Gebühr verliehen zu werden. Das spart deren Gehalt und der Klub macht mit hoher Wahrscheinlichkeit ein gewinnbringendes Geschäft. Im Idealfall ist der Spieler entweder so gut geworden, dass er dem eigenen Team helfen kann, oder er wird mit Gewinn weiterverkauft. Reicht es nicht, steht die nächste Leihe an.

Es entsteht der Eindruck, als habe der Klub alles und der Spieler kaum etwas mitzuentscheiden. Zwar gibt es kein Direktionsrecht, das Klubs befähigen würde, Spieler ohne ihre Zustimmung irgendwo hinzuschicken. Das wäre schließlich Menschenhandel. Doch gerade Topklubs wissen, dass Nachwuchsspieler selten Nein sagen, wenn etwa ein FC Chelsea anruft.

In der Bundesliga scheint der Plan des Weltverbandes gut anzukommen. "Wir kennen das Vorhaben der Fifa und unterstützen es mit unseren Möglichkeiten", sagte DFL-Spielbetriebsdirektor Ansgar Schwenken der "Sportbild". Was wohl damit zusammenhängt, dass das Geschäftsmodell hierzulande eher kritisch gesehen wird. Sieht man mal von der Partnerschaft zwischen RB Leipzig und dem Ausbildungsverein in Salzburg ab. Am Ende könnte die Liga sogar profitieren: Wird die europäische Konkurrenz gezwungen ihre aufgeblähten Kader auszudünnen, dürften die Preise auf dem Transfermarkt insgesamt fallen. Davon haben sowohl die Klubs was, als auch die Spieler.

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Quelle: n-tv.de