Fußball

Wird Paris wirklich zum Debakel? Wenn Nigeria sich um den FC Bayern sorgt

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Die Menschen in Nigeria haben Angst um die Zukunft von Carlo Ancelotti. Der Bayern-Trainer beschwichtigt.

imago/Eibner

Eine Packung? Eine Trainerentlassung? Der FC Bayern wird vor der quasi finalen Schlacht um den Machtanspruch in Fußball-Europa bei Paris St. Germain von großer Sorge begleitet. Coach Carlo lächelt das locker weg - und hat trotzdem ein Problem.

Dieses Fußballspiel ändert alles. Nein, dieses Fußballspiel hat bereits alles geändert. Denn wenn der FC Bayern München heute in der Fußball-Champions-League bei den torgierigen Millionen-Yuppies von Paris Saint-Germain antritt (ab 20.45 Uhr im ZDF und im Liveticker bei n-tv.de), dann hat die internationale Öffentlichkeit in großen Teilen ihre Ehrfurcht vor der Wucht, der Gier, der maximalen Qualität und dem perfekten Erfolgstiming des Rekordmeisters abgelegt. Wohl selten zuvor haben sich die Münchener vor einem Spiel präventiv mit Fragen zum bevorstehenden Debakel und dessen Aufarbeitung beschäftigen müssen, wie vor dem Gruppenspiel-Showdown mit der französischen Scheich-Kombo.

Paris - München, 20.45 Uhr

Paris Saint-Germain: Areola - Dani Alvis, Marquinhos, Thiago Silva, Kurzawa - Verratti, Thiago Motta, Rabiot - Mbappé, Cavani, Neymar. - Trainer: Emery
FC Bayern München: Ulreich - Kimmich, Süle, Hummels, Rafinha - Tolisso, Vidal - Robben, James, Coman - Lewandowski. - Trainer: Ancelotti.
Schiedsrichter: Antonio Mateu Lahoz (Spanien)

So wirkte der eigentlich unerschütterliche "Mia-san-san"-Dribbler Arjen Robben ziemlich erschrocken, als er vor der zur finalen Schlacht zwischen der altreichen Elite (FC Bayern) und dem neureichen Adel (PSG) ausgerufenen Partie mit dem drohenden Untergang seines Klubs konfrontiert wurde. "Eine Packung?", fragte er höflich, aber bestimmt nach. Fast so, als hätte er sich verhört. Hatte er aber nicht. Und so antwortete er verständnislos, aber erneut höflich bestimmt. "Davon gehen wir natürlich nicht aus. Warum eine Packung? Wir werden uns gut präsentieren, davon bin ich überzeugt."

Nun, diese Zweifel haben ihren Ursprung im spielerischen und taktischen Wankelmut des FC Bayern. Weshalb sie sich auch in Afrika große Sorgen um die Zukunft machen, vor allem um die von Coach Carlo Ancelotti. "Haben Sie Angst, gefeuert zu werden, falls Paris gewinnt", fragt ein nigerianischer Journalist am Tag vor dem Showdown. Coach Carlo zieht seine legendäre linke Augenbraue fast bis zum Haaransatz: "Oha, harte Frage!" Und dann: "Ich bin sehr glücklich, dass sich die Nigerianer solche Gedanken um mich machen." Und dann noch: "Das PSG-Spiel ist sehr wichtig."

Ein Spiel für den Seelenfrieden

Bilanz PSG - FC Bayern

  • Erstmals seit 17 Jahren treffen beide Vereine wieder in der Königsklasse aufeinander.
  • An die drei Partien im Parc des Princes haben die Bayern ausnahmslos schlechten Erinnerungen.
  • 1994 gab es bei der Premiere ein 0:2.
  • Es folgten - ebenfalls in der Gruppenphase - zwei weitere Niederlagen beim 1:3 im Jahre 1997 und zuletzt beim 0:2 im Oktober 2000.
  • Das war immerhin die Saison, an deren Ende die Bayern den Champions-League-Pokal in Händen halten konnten.

Aber selbst wenn der FC Bayern die erste echte Machtprobe der Saison verlieren sollte, ist in der Champions League eigentlich nichts passiert. Denn nach dem (mauen) 3:0-Auftaktsieg gegen den RSC Anderlecht - die Pariser gewannen am 1. Spieltag mit 5:0 beim schottischen Meister Celtic Glasgow - können sich die Münchener eine Niederlage sportlich erlauben. Ganz anders verhält es sich da mit der atmosphärischen Ebene: Sah es nach zwei Dritteln der vergangenen englischen Woche in der Bundesliga (4:0 gegen den FSV Mainz und 3:0 beim FC Schalke) wieder nach der spektakulären Rückkehr zur chronischen Dominanz aus, veränderte die zweite Halbzeit gegen Wolfsburg am 6. Spieltag so schlagartig die Stimmung, wie sonst nur ein Tweet von US-Präsident Donald Trump.

Und so ist das Spiel gegen Paris ganz besonders für den Trainer tatsächlich mehr als das Untermauern des Anspruchs, in der Gruppe "Erster zu werden". Denn der leidenschaftslose und taktisch verwirrende Auftritt gegen den VfL schreckte selbst den unerschütterlich-immunen Ancelotti auf. "Sehr wichtig" werde deshalb die Defensivarbeit gegen die sich aktuell niedlich-kindlich zoffenden Superstars des PSG. So spricht der Italiener, der die Pariser übrigens 2013 zur Meisterschaft geführt hatte, um dann auf eigenen Wunsch vorzeitig zu Real Madrid überzusiedeln. Und Ancelotti sagt auch noch so etwas wie: "Wir müssen kompakt stehen und dürfen Neymar, Cavani und Mbappe keinen Platz geben." So weit, so langweilig.

Wer spielt, wer nicht?

Spannend ist die Frage, welches Personal er der Millionen-Mannschaft entgegenstellt, die die heimische Ligue 1 nach sieben Spielen mit 19 Punkten und einem Torverhältnis von 21:3 anführt. Die Startelf des FC Bayern wird erste Indizien liefern, wem Ancelotti in dieser Saison in großen Spielen vertraut. Und die Startaufstellung wird wild diskutiert - je nach Ausgang des Spiels zwischen wohlwollend und vernichtend. Weltmeister Thomas Müller droht im Zweikampf mit dem gegen Schalke sehr starken James Rodríguez wieder die Bank, auch Franck Ribéry sollte sich nicht zu sicher sein. In der Innenverteidigung könnte Jérôme Boateng, der sich gegen Wolfsburg nicht unverzichtbar machte, zum prominenten Opfer werden, die genesenen David Alaba und Thiago drängen zudem ins Team.

Gesetzt sind dagegen nur zwei Feldspieler: Stürmer Robert Lewandowski und Rechtsverteidiger Joshua Kimmich. Und an den hat der Trainer die Premium-Aufgabe verkauft, er muss sich um das derzeit zickige PSG-Alphatier Neymar kümmern. Kein Problem, findet Kimmich. Der Brasilianer sei zwar der "beste Eins-gegen-Eins-Spieler, den es auf der Welt gibt", sagt er. Aber "für solche Spiele trainierst du jeden Tag. Dafür bist du Fußballer geworden, dass du in der Champions League gegen die Besten spielen darfst."

Zu denen muss sich am Abend auch Keeper Sven Ulreich parieren. Denn trotz starker Leistungen in dieser Saison gibt's nach seinem bizarren Freistoß-Bock gegen die "Wölfe" am Freitagabend öffentliche Zweifel an der internationalen Klasse des Vertreters vom verletzten Manuel Neuer. Nicht aber in der Mannschaft: "Natürlich war das ein bitterer Moment für ihn", sagt Robben. "Aber Sven ist mental stark genug und wird ein gutes Spiel machen." Zwingend nötig, denn sonst könnte es hinterher doch wieder Fragen nach einer Packung geben.

Quelle: n-tv.de

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