Fußball

Aber wie stimmt der DFB ab? Widerstand gegen CL-Reform macht sich Luft

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Die Königsklasse entwickelt sich mehr und mehr zur geschlossenen Gesellschaft.

(Foto: imago images/motivio)

Wie sieht die Champions League der Zukunft aus? Vor allem die großen Klubs drängen auf eine tiefgreifende Reform. Aus Deutschland meldet sich immer mehr Widerstand - denn selbst Zweitligisten würden die Änderungen wohl nachhaltig treffen. Der DFB hat sich noch nicht abschließend entschieden.

Den großen Unmut über die geplante Reform der Champions League kann Rainer Koch an einem eindeutigen Stimmungsbarometer ablesen. Schließlich vergeht kaum ein Tag, ohne dass ein weiterer Appell beim deutschen Mitglied des Exekutivkomitees der Europäischen Fußball-Union (UEFA) eingeht, sich doch bitte gegen die höchst umstrittenen Neuerungen ab der Saison 2024/25 auszusprechen. Kurz vor der Entscheidung am Montag bäumt sich der Widerstand nochmals auf.

So richtete sich das Präsidium des Zweitligisten FC St. Pauli in einem offenen Brief an den Vize-Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Ein positiver Beschluss über die geplanten Veränderungen ist ein Schlag ins Gesicht aller, die den Fußball, den Wettbewerb und die Sportler*innen im Fokus ihres Handelns verstehen", hieß es. Der FC St. Pauli erwarte von Koch, "im Sinne des deutschen und europäischen Fußballs" gegen die Reform zu stimmen.

Die Furcht ist groß, dass durch die Neuerungen die ohnehin schon viel zu weit geöffnete Schere zwischen Arm und Reich noch mehr auseinandergeht. Deshalb schloss sich Darmstadt 98 dem Hamburger Appell an. Die geplante Reform gehe "in die völlig falsche Richtung", sagte Präsident Rüdiger Fritsch, wie St. Paulis Boss Oke Göttlich Präsidiumsmitglied der Deutschen Fußball Liga (DFL). Als Folge werde sich "eine Elite noch erheblicher von der Basis absetzen", Koch solle daher für die Integrität des Fußballs und gegen die Interessen eines kleinen Kreises stimmen.

Drohkulisse Super League

Doch dieser kleine Kreis, die Klubvereinigung ECA als Vertretung der europäischen Topvereine, ist überaus mächtig. Eigentlich wollte das UEFA-Exko die Pläne schon auf seiner Sitzung Ende März absegnen - doch die ECA forderte ein größeres Mitspracherecht beim Verkauf und der Vermarktung der kommerziellen Rechte. Die Drohkulisse, dass sich die Topklubs abspalten und eine eigene Super League gründen könnten, ist wirkungsvoll im Kampf ums Geld.

Doch Kritik an der Aufstockung der Champions League von 32 auf 36 Teams gibt es zuhauf - vor allem an der Idee, dass bis zu vier Startplätze über eine Zehn-Jahres-Rangliste der Klubs vergeben werden. So könnten Traditionsvereine, die sich über die Liga nicht qualifizieren, dank Erfolgen vergangener Tage dennoch in die Königsklasse rutschen. Zudem soll die Zahl der Spiele im sogenannten "Schweizer Modell" nochmals ansteigen. Bereits Anfang April hatte Bayer Leverkusens Sport-Geschäftsführer Rudi Völler Koch aufgefordert, mit seiner Stimme im UEFA-Exko "ein Zeichen" zu setzen.

Aber auch unter den Fans ist der Widerstand groß. In einer repräsentativen Umfrage der Voting-App FanQ im Auftrag des Sportinformationsdienstes lehnten 76,55 Prozent der Teilnehmer das Modell der "neuen" Königsklasse kategorisch ab. Das Fanbündnis "Unsere Kurve" fürchtete die Verstärkung "bestehender Missverhältnisse" und forderte, dass die Reform "nicht auf Kosten der nationalen Ligen gehen" dürfe.

Ins gleiche Horn stieß DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Angesichts der widerstrebenden Interessen sei es "umso wichtiger, dass die UEFA bei der Verteilung der Erlöse einen guten Weg findet, die Balance mit Blick auf den Wettbewerb in allen nationalen Ligen zu halten", schrieb er in einem "Kicker"-Gastbeitrag. Ob all diese Appelle gehört werden, ist jedoch mehr als fraglich.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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