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Zinedine Zidane - ein "Galactico" blickt zu den Sternen. Seine Zukunft ist fast vorbestimmt.
Zinedine Zidane - ein "Galactico" blickt zu den Sternen. Seine Zukunft ist fast vorbestimmt.(Foto: imago/Action Plus)
Mittwoch, 14. Februar 2018

Real-Trainer Zidane vor dem Aus?: Wie eine Ikone die königliche Krise überlebt

Von Michael Bauer

In der Saison zuvor fährt Real Madrid national und international vier Titel ein. Nun droht der titellose Super-GAU. Das könnte Zinedine Zidane den Trainerjob kosten - nicht aber seinen Ruf ruinieren. Denn das Problem bei Real liegt woanders.

Wer den Dokumentarfilm "Zidane - Ein Porträt im 21. Jahrhundert" gesehen hat, wird zum möglichen Ende der Trainerstation des Franzosen bei Real Madrid zahlreiche Parallelen erkennen. In der Doku sind während der Partie zwischen den Königlichen und dem FC Villarreal im April 2005 insgesamt 17 Kameras auf den Fußballspieler Zizou gerichtet, die ihn 90 Minuten lang begleiten. Wortkarg wie genial dirigiert er im Mittelfeld, bereitet den zwischenzeitlichen Ausgleich vor und fliegt nach einer Tätlichkeit in der letzten Minute vom Platz. Von den Rängen gibt es Applaus. Der lange geprägte Eindruck überwiegt dem gruseligen Schlussakt - so wird es auch am Ende seiner Trainerzeit bei Real sein.

Madrid - Paris, 20.45 Uhr

Real Madrid: Navas - Nacho, Ramos, Raphael Varane, Marcelo - Casemiro, Kroos, Modric - Bale, Benzema, Ronaldo. - Trainer: Zidane
Paris Saint-Germain: Areola - Alves, Marquinhos, Thiago Silva, Kurzawa - Rabiot, Motta, Verratti - Mbappé, Cavani, Neymar. - Trainer: Emery
Schiedsrichter: Gianluca Rocchi (Italien)

Und das Aus des Weltmeisters von 1998 ist absehbar. Jedes K.-o.-Spiel wird für Zidane auch gleichzeitig zum Endspiel um seinen Job. Die Duelle mit Paris Saint-Germain an diesem Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) und am Dienstag, 6. März, im Achtelfinale der Champions-League sind nur der Anfang - oder das Ende. Kommt Real weiter, wird der nächste Gegner zum Prüfstein, aber auch nach einem Clasico-Debakel gegen Barcelona könnte Schluss sein. Sollte Real dann doch das Unverhoffte schaffen und am 26. Mai den Henkelpott zum dritten Mal hintereinander in die Höhe stemmen, Zidane müsste wohl selbst die Reißline ziehen, denn besser ginge es mit dieser Mannschaft nicht.

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Dabei liegt das Problem des sportlichen Misserfolgs vor allem bei der Mannschaft. Die Spieler wirken schlichtweg satt nach erfolgreichen Titelverteidigungen in Königklasse und Klub-WM. Historische Meilensteine sind in der Vita jedes einzelnen Spielers bereits verankert. Weiterer Rekorde scheinen viele der gestandenen Kicker nicht zu bedürfen.

Selbst Cristiano Ronaldo, eine Fußball-Ikone in spe, scheint genug Erfolg mit Real gehabt zu haben und sucht offenbar nach Veränderung. Seine Saison steht sinnbildlich für Real Madrid, obgleich es noch weitere Beispiele mit Karim Benzema oder Luka Modric gibt - aber bei keinem Spieler ist die Erwartungshaltung so groß wie bei der Tormaschine. Die stottert in dieser Spielzeit verhältnismäßig kräftig. 11 Treffer in 18 Ligapartien sind es bislang - die hatte er in der Vorsaison bereits nach zwölf Spielen erzielt.

Immerhin scheint sich Ronaldo vor den großen Spielen in der Königsklasse wieder gefangen zu haben. In der Generalprobe gegen Real Sociedad steuerte der Portugiese einen Dreierpack bei - erzielte ein Tor per Kopf und jeweils eins mit links und rechts. Und so hängt Zidanes Job auch von der Form des Weltfußballers ab.

Zukunft gesichert

Als Trainer spricht Zidane noch immer die Sprache der Spieler und weiß als dreifacher Weltfußballer und Champions-League-Sieger, auf was es in den entscheidenden Spielen ankommt. Wie die Real-Trainer vor ihm leidet er allerdings auch darunter, dass die Qualität seines Kaders keiner taktischen Brillanz bedarf, sondern lediglich Feinjustierungen im flügellastigen Spiel der Superstars - und dafür ist seine stoische Art fast ideal.

Die königliche Halbwertszeit für Trainer in Madrid hat Zidane ohnehin bereits überschritten. In den letzten zehn Jahren war nur José Mourinho länger im Amt als der Franzose. Ein Tatsache, die ihm vor der Partie gegen PSG bewusst ist: "Ich schaue auf das Spiel, ohne an die nächste Saison zu denken. Ich schaue auf heute, nicht auf morgen. Ich weiß, dass das hier nicht ewig andauern wird. Wenn der Moment kommt, konzentriere ich mich auf etwas anderes."

Sorgen um seine berufliche Zukunft muss sich der 45-jährige Franzose aber nicht machen. Auch in seinem Heimatland genießt Zidane ebenfalls Heldenstatus und wird als zukünftiger Trainer der Equipe Tricolore gehandelt. Auf Vereinsebene gibt es sicher nichts Größeres als Real Madrid und wenig Vergleichbares. Aber auch eine zweite Amtszeit bei Real ist nicht ausgeschlossen. Das zeigen Vicente Del Bosque, Fabio Capello oder Carlo Ancelotti - eine Riege von Trainern, zu denen Zizou bereits aufgeschlossen hat.

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Quelle: n-tv.de