Fußball

Malanda im Herzen, Bayern im Kopf Wolfsburg verarbeitet die Tragödie fröhlich

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Als Spieler und Mensch: Junior Malanda hinterlässt beim VfL Wolfsburg eine große Lücke.

(Foto: dpa)

Junior Malanda ist tot, aber es muss weitergehen beim VfL Wolfsburg. Vor dem Rückrundenstart will der Verein auf besondere Weise an ihn erinnern. Und dann am liebsten den FC Bayern schlagen. Für Junior Malanda.

Natürlich geht es heute um Junior Malanda. Wie sollte es das nicht an diesem Freitag, an dem der FC Bayern zu Gast in Wolfsburg ist? Es ist nicht nur das erste Spiel in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga. Es ist auch das erste Spiel nach seinem Tod. Am 10. Januar saß Junior Malanda auf der Rückbank seines Geländewagens, er war auf dem Weg zum Flughafen in Braunschweig. Von dort aus sollte es mit der Mannschaft ins Trainingslager nach Südafrika gehen. Es regnete, es war windig. Das Auto geriet ins Schleudern, es prallte gegen einen Baum, überschlug sich und blieb neben der Autobahn auf dem Dach liegen. Junior Malanda war nicht angeschnallt, er wurde aus dem Wagen katapultiert. Jede Hilfe kam zu spät. Junior Malanda wurde 20 Jahre alt.

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Der Belgier wurde 20 Jahre alt.

(Foto: dpa)

Seitdem versuchen sie in Wolfsburg mit dem tragischen Verlust umzugehen. Luiz Gustavo, Mittelfeldspieler wie Junior Malanda, hatte am Tag nach dem Unfall gesagt: "Das Leben prüft uns in Dingen, auf die wir nicht vorbereitet sind und heute erlebe ich eins davon. Ich habe einen Freund, ein Talent, einen Riesenspieler mit einem Riesentalent und einer Lebensfreunde, wie nur er sie haben konnte, verloren. Es war mir eine Ehre, an seiner Seite zu sein. Ruhe in Frieden, mein Freund!" Nun, keine drei Wochen später, spielen sie wieder.

Wolfsburg - München, 20.30 Uhr

VfL Wolfsburg: Benaglio - Jung, Naldo, Knoche, Rodriguez - Luiz Gustavo, Arnold - Vieirinha, de Bruyne, Perisic - Dost (Olic). - Trainer: Hecking
FC Bayern München: Neuer - Rode, Boateng, Dante, Bernat - Alonso - Robben, Müller, Schweinsteiger, Götze - Lewandowski. - Trainer: Guardiola
Schiedsrichter: Tobias Welz

Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" versucht Innenverteidiger Naldo, einen Weg zurück in die Normalität zu finden: "Es geht jetzt schon etwas besser als in der letzten und der vorletzten Woche. Juniors Tod war ein schwerer Schlag. Aber ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft nach dieser Tragödie enger zusammengerückt ist." Und dann spricht er von Fußball: "Wir haben jetzt schon auch im Kopf, dass wir gegen die Bayern trotzdem einen oder sogar drei Punkte holen können." Er sei froh, dass es wieder losgeht.

"Es wird eine Minute geklatscht"

Vor der Partie heute denken sie in Wolfsburg noch einmal an Junior Malanda, alle zusammen. Sie machen es auf ihre Art, jeder darf um einen Freund trauern, wie er es will. Die in vielen Stadien übliche Schweigeminute wird es nicht geben. "Wir haben uns viele Gedanken gemacht und mit den Fans ausführlich gesprochen. Gemeinsam ist man dann zur Entscheidung gekommen, nicht eine Minute ruhig zu sein. Es soll an den Stil der Trauerfeier in Belgien angeknüpft werden: Es wird eine Minute geklatscht", sagt Klaus Allofs, der Sportdirektor. Die Fans von den "Supporters Wolfsburg" haben alle Zuschauer aufgerufen, "ein grünes oder weißes Herz zu basteln und mit ins Stadion zu bringen". In ihrer Nordkurve, also dort, wo die sind, die immer kommen, planen sie eine Choreographie, "die nicht die Trauer in den Vordergrund stellt, sondern in besonderer Weise Juniors Wesen gerecht wird und zugleich seine Unvergänglichkeit symbolisieren soll". Das Motto des Abends lautet: "Für immer in unserem Herzen".

Beide Mannschaften werden mit Trauerflor auflaufen, und auch in München haben sie sich mit dem Tod Junior Malandas beschäftigt. "Das ist für unsere Spieler eine außergewöhnliche Konstellation. Wir werden dem Rechnung tragen, genauso wie die Wolfsburger Mannschaft. Die werden sich sagen: Ab der ersten Minute fighten wir für Junior Malanda, aber wir machen das auch", sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Torhüter Manuel Neuer erwartet "eine komische Stimmung im Stadion", Jérôme Boateng sagt: "Es wird vor dem Spiel noch mal Thema sein. Dann geht es zum Fußball über, was gerade für die Wolfsburger Mannschaft nicht einfach sein wird."

Pechvogel im Hinspiel

Natürlich geht es auch um Sport, was direkt zurück zu Junior Malanda führt. Er war es, der beim ersten Spiel der Saison vor dem leeren Tor des FC Bayern eine sehr große Chance zum Ausgleich vergab. Am Ende verloren die Wolfsburger mit 1:2. Er trug es mit Fassung und einem Lächeln. Was nicht hieß, dass er nicht ehrgeizig war und sich beim nächsten Mal nicht noch ein bisschen mehr anstrengte. "Es hat überragend Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten", sagt Dieter Hecking, der Trainer der Wolfsburger. Mit seiner unbekümmerten, herzlichen Art war Junior Malanda bei seinen Mitspielern sehr beliebt.

Hecking hat in den vergangenen Wochen versucht, beides miteinander zu verbinden - den Tod Junior Malandas und das Ziel, seine Mannschaft so guten Fußball spielen zu lassen wie in der Vorrunde. Oder gar besseren, weshalb Weltmeister Andre Schürrle für rund 30 Millionen Euro vom FC Chelsea verpflichtet werden soll. Schließlich wollen sie in die Champions League, als Tabellenzweiter sind sie auf einem guten Weg.

Ein Sieg gegen den FC Bayern würde den Titelkampf nicht wesentlich spannender machen, dazu sind die Münchner als Spitzenreiter nicht nur gemessen an den Punkten zu weit entrückt. Aber es wäre zumindest ein Zeichen, dass auch den bisher ungeschlagenen Bayern beizukommen ist. Oder wie Hecking es ausdrückt: "Junior wird immer einen Platz bei uns haben, das wird auch zu spüren sein. Junior würde sich wünschen, dass wir die Bayern schlagen, und das würde ihm am gerechtesten werden." Aber Heckings Job ist es auch, dafür zu sorgen, dass es weitergeht. "Wir wollen mit einem tollen Spiel einen Punkt hinter dieses Thema setzen."

Quelle: n-tv.de

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