Fußball

"Das ist unverzeihbar" Wütender Hummels schimpft auf Kollegen

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Mats Hummels war nach der BVB-Pleite in Berlin mächtig sauer.

(Foto: imago images/Bernd König)

Sollten sie bei Borussia Dortmund auf einen schnellen Effekt des Abschieds von Lucien Favre gehofft haben, so sind sie inzwischen reichlich desillusioniert. Unter dem neuen Trainer Edin Terzic setzt es schon im zweiten Spiel den ersten Dämpfer. Und der produziert eine Menge Ärger.

Am Ende eines historischen Abends stand für Borussia Dortmund nach dem 1:2 (0:1) bei Union Berlin mal wieder ein Frusterlebnis: Natürlich, das Tor, das das Sturm-Übertalent Youssoufa Mukoko zum jüngsten Torschützen der Bundesliga-Geschichte machte, war eine schöne, eine großartige Sache. Der Treffer landet in den Geschichtsbüchern, in Erinnerung wird dem BVB aber mindestens vorerst der nächste Rückschlag im Meisterrennen bleiben. Vor allem über das Zustandekommen schieben sie Frust in Schwarz-Gelb.

"Über alle Kanäle" habe er seine Mannschaft auf die Stärke Union Berlins bei Standardsituationen hingewiesen, versicherte Trainer Edin Terzic nach dem Spiel, das seine Mannschaft durch zwei Gegentore nach Eckbällen verloren hatte. "Wir wussten von der Standardstärke und haben es explizit angesprochen." Die Botschaft allerdings ist offenbar nicht bei jedem angekommen - und das trieb den sichtbar geladenen Innenverteidiger Mats Hummels in eine regelrechte Tirade in Richtung seiner Kollegen. "Wenn man erneut ein Spiel über Standards hergibt, hat das auch etwas damit zu tun, wie sehr man unbedingt einen Sieg will", schimpfte er am DAZN-Mikrofon. "Das ist eine Katastrophe. Wir können es dem Gegner nicht so einfach machen."

"Unbegreiflich, wie das passieren kann"

Seine erste Wut hatte Hummels kurz zuvor bei einem heftigen Schlag gegen eine Werbetafel versucht abzubauen, doch das war offenbar nur sehr bedingt gelungen. Denn er schimpfte weiter: "Diese verlängerten Ecken sind am ersten Pfosten manchmal nicht zu verteidigen, dann muss man halt am zweiten Pfosten mitgehen", sagte Hummels "Das ist eben auch: zeigen, dass man unbedingt gewinnen will." Unausgesprochener Adressat der Kritik: Giovanni Reyna, der den Torschützen Taiwo Awoniyi hatte ziehen lassen.

Noch fuchsiger machten Hummels aber die Ereignisse unmittelbar vor dem Siegtreffer durch Marvin Friedrich, dem "besten Kopfballspieler des Gegners": Friedrich durfte eine Ecke von Cedric Teuchert völlig freistehend zu seinem vierten Saisontreffer einköpfen. Ein Gegenspieler war weit und breit nicht zu sehen. Für Hummels "unbegreiflich, wie das passieren kann, ehrlich gesagt. Wir hauen uns einfach selber in die Pfanne. Wir sind selber verantwortlich für unsere Niederlagen."

Emre Can, bis dahin Friedrichs Gegenspieler bei ruhenden Bällen, verfolgte in jener 78. Minute auf einmal Robin Knoche, den anderen aufgerückten Innenverteidiger. "Wir haben eine ganz genaue Zuteilung, die auch jeder Spieler kennt", schimpfte BVB-Keeper Roman Bürki im ZDF: "Das hat auch mit Selbstdisziplin zu tun." Hummels schickte den unaufmerksamen Kollegen einen bösen Gruß in die Kabine hinterher: "Das ist unverzeihbar!"

Der neue Trainer Edin Terzic steht nun mit drei Punkten aus zwei Spielen da, dabei sollte er nach den teilweise wie gelähmt wirkenden Auftritten des Dortmunder Edel-Ensembles unter Vorgänger Lucien Favre schnell für frische Euphorie sorgen. Stattdessen geht es wohl mit Frust in die kurze Weihnachtspause. Und der Erkenntnis: beim BVB liegt mehr im Argen als die Stimmung. Die immerhin hat Terzic offenbar schon gedreht, wie Bürki berichtete: "Die ganze Stimmung ist anders. Es ist enorm viel Stimmung drin, auch in der Kabine, das ist etwas Neues."

Jemand muss "Feuer unterm Hintern" machen

Aber dem Spiel der Gäste fehlten mal wieder Tempo am Ball und in der eigenen Bewegung, Präzision und Mut. "Wir wollten viel häufiger das Spiel beschleunigen, es ist uns nicht gelungen, weil unsere Bewegungen nicht gut waren. Es fällt uns gerade nicht leicht, wir sind nicht in diese richtigen Positionen gekommen und waren zu hektisch", weiß auch Terzic. "Es war deutlich zu leicht für Union, es zu verteidigen. Das müssen wir verbessern."

Hummels sprach, vergleichsweise gnädig, von "Kinderkrankheiten" im Spiel nach vorne, "nur mit ein paar Trainingseinheiten kann man das alles nicht rauskriegen" - und genau deshalb dürfe es eben "nicht passieren, dass wir gegen eine Mannschaft, die alles gibt, unsere Verantwortlichkeiten nicht übernehmen", so Hummels. Und Bürki sekundiert dem 2018 zum Angriff auf die Meisterschaft geholten Hummels: "Einige Spieler brauchen das, dass ihnen jemand Feuer unter dem Hintern macht in manchen Situationen."

Vom Ziel Meisterschaft, das dürfte ihnen beim an sich selbst zürnenden BVB längst klar sein, muss man sich auch in der laufenden Runde schon frühzeitig verabschieden. Der sich geschafft vom Terminstress keineswegs souverän durch die Hinrunde schleppende FC Bayern ist mit einem Spiel weniger schon fünf Punkte weg, Bayer Leverkusen sogar schon sechs. "Die Tabelle ist jetzt nicht unser Thema, darum können wir uns erst im Jahr 2021 kümmern", bilanzierte auch Terzic. Bis dahin muss man dann aber auch den Ärger hinter sich gelassen haben.

Quelle: ntv.de

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