Collinas Erben

"Collinas Erben" unterscheiden Dayot Upamecano kommt mit Glück davon

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Erfüllt dieser Kontakt den Tatbestand "Foulspiel"?

(Foto: imago images/Passion2Press)

Wann ist ein Kontakt irregulär, sodass ein Foul vorliegt? Worauf achten die Schiedsrichter bei der Bewertung? Und wann ist der VAR dabei gefragt? Zwei Szenen in München und Fürth machen es deutlich.

Nachdem der SC Freiburg im November 2020 mit 0:3 bei RB Leipzig verloren hatte, formulierte Christian Streich - angesprochen auf den Strafstoß, der zum 2:0 für die Leipziger geführt hatte und den er für eine unangemessene Entscheidung hielt - zwei Sätze, die seitdem immer wieder zitiert werden: "Heutzutage heißt es, es gab einen Kontakt. Ich habe immer gedacht, es muss ein Foul geben, damit es auch ein Foul ist." Was der Freiburger Trainer damit meinte, liegt auf der Hand: Fußball ist ein Kontaktsport, und deshalb stellt nicht jeder Kontakt ein Vergehen dar. Es kommt vielmehr darauf an, ob er wirklich den Tatbestand etwa des Tretens, Beinstellens, Stoßens oder Schlagens - also eines Foulspiels - erfüllt.

Um das zu entscheiden, bewerten die Unparteiischen einen möglicherweise strafbaren Kontakt zum einen danach, ob er ursächlich oder ausschlaggebend dafür ist, dass der gegnerische Spieler zu Fall kommt, den Ball verliert oder ihn nicht erreicht. Zum anderen beurteilen sie, ob der Impuls und die Wirkung des Kontakts zusammenpassen, was nicht der Fall ist, wenn ein Spieler beispielsweise nach einer geringfügigen Berührung fällt, als wäre er gerade das Opfer einer Blutgrätsche geworden. Und schließlich spielt es auch eine Rolle, wer in einem Zweikampf einen womöglich ahndungswürdigen Kontakt initiiert: der Verteidiger etwa durch ein Beinstellen oder der Angreifer durch einen bewussten Ausfallschritt?

Upamecano gegen Lee: Halb traf er ihn, halb sank er hin

Das alles ist längst nicht immer leicht zu erkennen und zu entscheiden, und natürlich gibt es einen Graubereich und allerlei Grenzfälle. Ein Beispiel trug sich in der Partie zwischen dem FC Bayern München und dem 1. FSV Mainz 05 (2:1) in der 19. Minute zu. Da setzte der Münchner Verteidiger Dayot Upamecano nach einem Ballverlust im eigenen Strafraum gegen Jae-Sung Lee nach, er traf jedoch nicht den Ball, sondern mit seinem linken Fuß den rechten des Mainzers. Lee ging zu Boden, doch Schiedsrichter Benjamin Cortus, der ideal postiert war, breitete sofort die Arme aus, um zu signalisieren, dass nach seinem Dafürhalten kein Vergehen vorlag. Auch Video-Assistent Benjamin Brand griff nicht ein, was sowohl beim Mainzer Trainer Bo Svensson als auch bei Sportdirektor Martin Schmidt auf Unverständnis stieß.

Dabei hatte der Referee keineswegs klar und offensichtlich falsch entschieden. Zwar hatte Upamecano nicht den Ball gespielt, sondern nur den Fuß von Lee getroffen - doch stellt eben nicht jeder Kontakt zwangsläufig ein Foulspiel dar. War der Kontakt ursächlich dafür, dass Lee fiel? Er konnte seinen rechten Fuß noch sicher auf dem Boden abstellen und kippte dann mit dem gesamten Körper vornüber. Das sah zumindest nicht wie eine unmittelbare Folge des Kontakts am Fuß aus, Impuls und Wirkung passten hier nicht recht zusammen. Hinzu kam, dass der Mainzer mit dem rechten Bein zuvor einen deutlichen Ausfallschritt in Richtung Upamecano unternommen hatte. Um den Ball abzuschirmen oder um einen Kontakt zu initiieren? Für Letzteres spricht mehr.

Trotzdem ist es ein gewichtiges Argument, dass Upamecano nach dem Ballverlust in der schlechteren Position war, zu ungestüm vorging und den Ball eben nicht erreichte; einen Kontakt gab es nur mit dem gegnerischen Fuß. Für den VAR war es dann auch "eher ein Strafstoß", wie Lutz Michael Fröhlich, der sportliche Leiter der Unparteiischen, in der Sendung "Doppelpass" verriet. Das Wort "eher" bedeute "aber nicht, dass es eine klare Fehlentscheidung ist". Es gab Gründe für Cortus, der beste Sicht auf den Zweikampf hatte, nicht auf Elfmeter zu erkennen; er hatte den Kontakt wahrgenommen, aber nicht als ausschlaggebend für den Sturz von Lee bewertet. Das war gewiss keine abwegige Einschätzung, und deshalb bedurfte es auch keiner Intervention durch den Video-Assistenten in Köln.

Fürths Tor zum ersten Heimsieg ist regulär

Ähnlich verhielt es sich in der Begegnung der SpVgg Fürth gegen den 1. FC Union Berlin (1:0) beim Tor des Tages, das den Gastgebern den ersten Heimsieg in ihrer Bundesliga-Geschichte bescherte. Vor seinem Treffer drückte Havard Nielsen an der Berliner Torraumgrenze ein wenig mit seinem rechten Arm gegen den Rücken von Kevin Behrens, als der Ball heranflog. Es war kein klares Stoßen, sondern mehr ein sachtes Schieben, und wie Behrens dann absprang, die Beine nach hinten warf und ins Hohlkreuz ging, hatte wenig mit dem von Nielsen verursachten Impuls zu tun. Vielmehr wirkte es, als wollte er auf diese Weise Schiedsrichter Sven Jablonski signalisieren: Sieh her, ich bin weggeschubst worden und konnte deshalb den Ball nicht erreichen.

Auch hier gab es einen Ermessensspielraum für den Referee, der entschied, den Armeinsatz nicht zu ahnden, und damit vertretbar handelte. Ebenso hätte es Argumente für die Annullierung des Treffers gegeben, denn Nielsen verschaffte sich durch sein Vorgehen einen Vorteil. Nur war der Impuls nicht so stark, dass Behrens den Zweikampf zwangsläufig verlieren musste. Selbst bei Union war man sich uneins: Während Trainer Urs Fischer von einer "eindeutigen Fehlentscheidung" sprach, fanden seine Spieler Grischa Prömel und Timo Baumgartl nicht unbedingt, dass Jablonski hätte pfeifen müssen. Die Bewertung lag in der Grauzone, was für VAR Pascal Müller bedeutete, dass eine Review-Empfehlung bei einer Wahrnehmung der Szene durch den Unparteiischen so oder so nicht erforderlich war. Dass er sich heraushielt, war somit völlig korrekt.

Bellingham macht Wolfs Treffer zunichte

Im Spiel VfL Bochum - Borussia Dortmund (1:1) dagegen schaltete sich Video-Assistent Timo Gerach nach dem vermeintlichen Ausgleichstreffer des BVB in der 54. Minute ein - und auch das war richtig. Denn beim Torschuss von Marius Wolf hatte sich Jude Bellingham in der Sichtlinie des Bochumer Torwarts Manuel Riemann zum Ball und dabei in einer Abseitsposition befunden. Auf diese Weise hatte er, regeltechnisch betrachtet, die Möglichkeit des Keepers beeinflusst, den Ball zu spielen. Ob Riemann den Ball ansonsten gehalten und den Torerfolg verhindert hätte, ist dabei unerheblich; es kommt nur darauf an, ob er in seiner Möglichkeit beeinträchtigt wurde, überhaupt an den Ball zu kommen.

Dass mit Erhan Mašović auch ein Mitspieler die Sicht des Schlussmanns der Gastgeber auf den Ball störte, spielte ebenso keine Rolle bei der Bewertung der Abseitsstellung von Bellingham. Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck hatte keine Sichtbehinderung festgestellt und das Tor deshalb zunächst anerkannt. VAR Gerach empfahl ihm nach einem zweiminütigem Check jedoch ein On-Field-Review, und nach einer weiteren Minute der Überprüfung am Monitor annullierte der Schiedsrichter das Tor. Man mag einwenden, dass das angesichts des relativ klaren Sachverhalts doch arg lange gedauert hat. Andererseits war es nach der Verärgerung des BVB über den Unparteiischen und den VAR im Spiel gegen den FC Bayern München vor Wochenfrist auch nachvollziehbar, dass die Unparteiischen bei diesem neuerlichen Eingriff ganz besondere Sorgfalt walten lassen wollten. Nach dem Motto: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.

Quelle: ntv.de

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