Collinas Erben

"Collinas Erben" sind zufrieden Die Schiris machen diesmal nur einen Fehler

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Am vorletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga haben die Schiedsrichter weitgehend ihre Ruhe und lösen auch heikle Aufgaben wie die Abstiegsduelle in Mainz und Düsseldorf mit viel Umsicht. Beim Spitzenspiel in Leipzig wäre eine andere Entscheidung allerdings angemessen gewesen.

Wenn es auf der Zielgeraden einer Saison um alles geht, rücken bisweilen auch die Schiedsrichter in den Mittelpunkt. Logisch deshalb, dass die sportliche Leitung der Unparteiischen zu den entscheidenden Partien ihr Spitzenpersonal entsendet. Gleich drei wichtige Begegnungen in dieser Vorschlussrunde wurden dabei von Berliner Referees geleitet: Manuel Gräfe und Daniel Siebert kümmerten sich um die Kellerduelle in Mainz und Düsseldorf, Felix Zwayer beaufsichtigte das Spiel um die Vizemeisterschaft in Leipzig. Keiner von ihnen war am Ende ein Gesprächsthema.

Gräfe brachte die Partie zwischen dem 1. FSV Mainz 05 und dem SV Werder Bremen (3:1) einmal mehr so souverän wie gelassen über die Bühne und ließ bei der Zweikampfbewertung wie gewohnt Großzügigkeit walten, was beide Teams auch annahmen. Zu dieser Linie passte es, weder nach zwölf Minuten noch in der Schlussphase auf Strafstoß für die Bremer zu erkennen, als Yuya Osako respektive Niclas Füllkrug nach grenzwertigen Körpereinsätzen ihrer Gegenspieler zu Boden gingen. Gar die Gelbe Karte sah der Mainzer Jean-Paul Boetius in der 57. Minute für seine Schwalbe im Strafraum der Gäste, auch dies zu Recht.

Gräfes Kollege Siebert war derweil in der Begegnung zwischen Fortuna Düsseldorf und dem FC Augsburg (1:1) schon nach sechs Minuten mit einer kniffligen Situation konfrontiert: Rouwen Hennings hatte nach einer Freistoßflanke ein Tor für die Fortuna erzielt, doch sein Mitspieler Kaan Ayhan war zuvor im Sprung mit den Fingerspitzen seiner weit erhobenen rechten Hand am Ball gewesen und zuvor auch nicht regelwidrig angegangen worden. Weil Siebert dieses Handspiel auf dem Feld nicht wahrgenommen hatte - was in der Realgeschwindigkeit auch kaum möglich war, zumal der Ball seine Flugbahn nicht veränderte -, schaltete sich der VAR ein und empfahl ein On-Field-Review. Anschließend nahm der Unparteiische den Treffer richtigerweise zurück.

Ilsankers Hand macht Hinteregger unglücklich

Auch im Spiel RB Leipzig gegen Borussia Dortmund (0:2) stand der Referee nicht im Mittelpunkt, wenngleich sich über eine Entscheidung von Felix Zwayer streiten ließ: Als Patrik Schick nach 20 Minuten dem Dortmunder Axel Witsel im Mittelfeld von hinten mit der offenen Sohle auf die Wade stieg, nestelte der Schiedsrichter bereits an seiner Gesäßtasche, wo sich die Rote Karte befindet. Nach kurzer Funkkommunikation mit seinen Assistenten entschied er jedoch anders und beließ es bei einer Verwarnung. Das war gnädig: Zwar war die Intensität des Treffers nicht sehr hoch und Schicks Bein nicht durchgestreckt. Doch dem Gegner die Stollen in die Wade zu bohren, war auch so gesundheitsgefährdend. Ein Feldverweis wäre daher angemessen gewesen.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Bereich des DFB und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

In der Partie des 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt (1:1) setzte sich derweil die kleine Serie von Toren fort, die zuletzt wegen eines vorausgegangenen Handspiels annulliert wurden. Diesmal war es der Frankfurter Stefan Ilsanker, der der Ball nach 64 Minuten im Gewühl kurz mit dem Oberarm spielte und ihn dann zu Martin Hinteregger weiterleitete, der ins Kölner Tor traf. Der Treffer durfte schon deshalb nicht zählen, weil das Handspiel unmittelbar vor der Torerzielung geschah und deshalb in jedem Fall strafbar war. Doch selbst wenn diese Unmittelbarkeit gefehlt hätte, wäre das Tor nicht gültig gewesen. Denn Ilsanker hatte seinen rechten Arm weit ausgestreckt und damit seine Körperfläche verbreitert, als es zum Handspiel kam. Schiedsrichter Christian Dingert verweigerte dem Treffer jedenfalls zu Recht die Anerkennung und benötigte dafür nicht einmal die Hilfe des VAR, obwohl die Situation recht unübersichtlich war.

Warum Hünemeier für seine Notbremse "nur" Gelb-Rot bekam

Eine regeltechnisch interessante Szene ereignete sich unterdessen in der 65. Minute der Begegnung zwischen dem SC Paderborn 07 und Borussia Mönchengladbach (1:3). Nach einem Steilpass sprintete der Gladbacher Breel Embolo an seinem Gegenspieler Uwe Hünemeier vorbei und hatte freie Bahn zum Tor, woraufhin der Kapitän der Gastgeber sich nicht anders zu helfen wusste, als den Angreifer der Gäste etwa 28 Meter vor dem Gehäuse in zentraler Position zu Boden zu reißen. Eigentlich eine klare "Notbremse" und damit eine Rote Karte, weil kein Paderborner Feldspieler eine realistische Chance hatte, Embolo aufzuhalten. Dieser hatte nur noch Torwart Leopold Zingerle vor sich.

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Welz schickte Paderborns Hünemeier mit Gelb-Rot vom Platz.

(Foto: picture alliance/dpa)

Doch Schiedsrichter Tobias Welz pfiff nicht, denn er sah, dass sich Embolo sofort wieder aufrappelte und den direkten Weg zum Tor suchte. Bei feldverweiswürdigen Vergehen soll zwar grundsätzlich nicht auf Vorteil entschieden werden; davon ausgenommen sind aber Situationen, in denen sich eine klare Torchance ergibt. Danach sah es hier zunächst aus, weshalb der Referee weiterspielen ließ. Doch am Ende blieb Embolo erfolglos, weil der Paderborner Jamilu Collins ihn abdrängte und Zingerle seinen Torschuss schließlich abwehrte. Da war der Vorteil bereits eingetreten, weshalb Welz nicht mehr auf Freistoß erkennen konnte. Hünemeier sollte allerdings nicht ungeschoren davonkommen.

Denn in der Regel 12 (Fouls und unsportliches Betragen) ist festgelegt, dass ein Spieler verwarnt wird, wenn er versucht, eine offensichtliche Torchance zu verhindern, der Schiedsrichter jedoch die Vorteilsbestimmung anwendet. Eine glatt Rote Karte ist nur für eine vollendete "Notbremse" vorgesehen und nicht schon für den Versuch, sie zu ziehen. Sobald in dieser Situation auf Vorteil entschieden wird, gibt es am Ende lediglich die Gelbe Karte, auch dann, wenn die Tormöglichkeit nicht genutzt wird. Dennoch musste Uwe Hünemeier das Feld vorzeitig verlassen, denn er war zehn Minuten zuvor für ein Foul im eigenen Strafraum an Lars Stindl verwarnt worden. Das bedeutete nun in der Summe die zweite Gelbe Karte - und damit Gelb-Rot.

Quelle: ntv.de