Collinas Erben

"Collinas Erben" zollen Respekt Wie der VAR zwei komplizierte Fälle löste

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In Mönchengladbach greift der VAR zweimal bei Handspielen ein, die der Schiedsrichter übersehen hat. Beide Fälle sind kompliziert und komplex, werden jedoch richtig gelöst. In Freiburg und Leverkusen dagegen hält sich der VAR zurück, was zumindest diskutabel ist.

Die Erleichterung war den Gastgebern im Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und der TSG 1899 Hoffenheim (1:1) anzumerken, als Marcus Thuram und Alassane Pléa nach 83 Minuten beim Stand von 1:0 einen Konter technisch sauber ausspielten und den Ball schließlich zum zweiten Mal im Tor der Gäste unterbrachten. Nachdem Pléa acht Minuten zuvor einen Strafstoß verschossen hatte, machte er es nun besser und überwand den Hoffenheimer Torhüter Oliver Baumann. Schiedsrichter Felix Brych gab den Treffer zunächst. Doch dann meldete sich Video-Assistent Bastian Dankert und hatte einen Einwand.

Denn im Vorfeld der Torerzielung – genauer gesagt: bei der Balleroberung wenige Meter vor dem eigenen Strafraum – hatte Oscar Wendt, von Brych unbemerkt, ein Handspiel begangen. Danach war der Ball zu Jonas Hofmann gelangt und von diesem über Lars Stindl, Pléa und Thuram wiederum zu Pléa. Seit dieser Saison gilt bekanntlich, dass jedes Tor zu annullieren ist, bei dem der Torschütze oder der Vorlagengeber zuvor mit der Hand am Ball war – und sei dieses Handspiel noch so unvermeidlich und unbeabsichtigt gewesen. Aberkannt wird der Treffer allerdings nur dann, wenn das Handspiel in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Torerzielung stand.

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Die Zusammenarbeit zwischen Felix Brych und Video-Assistent Bastian Dankert funktionierte in Mönchengladbach sehr gut.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Diese Unmittelbarkeit ist nicht gegeben, wenn zwischen dem Handspiel und dem Treffer viel Zeit vergangen ist, mehrere Spieler am Ball gewesen sind oder der Ball eine große Distanz zurückgelegt hat. In Mönchengladbach war all dies der Fall: Nach Wendts Handspiel dauerte es rund zwölf Sekunden bis zu Pléas Torschuss, der Ball passierte in dieser Zeit vier Stationen und bewegte sich fast über das gesamte Spielfeld. Mit anderen Worten: Es gab keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Handspiel und dem Tor, und das war natürlich auch dem VAR klar.

Warum Wendts Handspiel ein Tor verhinderte

Dass er dennoch ein On-Field-Review empfahl, hatte einen anderen Grund. Die Regularien für den Video-Assistenten besagen, dass nach jedem Tor die gesamte Angriffsphase überprüft wird, die dem Treffer vorausgegangen ist. Stellt der VAR dabei fest, dass der Schiedsrichter ein Vergehen des angreifenden Teams – also etwa ein Foul, ein Handspiel oder ein Abseits – nicht geahndet oder nicht wahrgenommen hat, greift er ein. So wie in diesem Fall Bastian Dankert aufgrund des Handspiels von Wendt bei der Balleroberung, die den Beginn der Angriffsphase markierte, an deren Ende Pléa ins Hoffenheimer Tor traf.

Das heißt: Obwohl Wendts Handspiel nicht im direkten Zusammenhang mit dem folgenden Gladbacher Treffer stand, konnte es dennoch ein Grund sein, das Tor zu annullieren – dann nämlich, wenn Felix Brych es als solches für strafbar hielt. Das tat er nach dem Betrachten der Bilder in der Review Area. Er befand also die Art und Weise des Ballgewinns der Hausherren für irregulär, und weil die Borussen danach schnurstracks den Weg zum Tor antraten, handelte es sich um ein Vergehen am Beginn der Angriffsphase. Deshalb versagte der Referee dem Treffer schließlich in dieser regeltechnisch höchst komplexen Situation die Anerkennung.

Bleibt die Frage zu klären, ob das Handspiel als solches tatsächlich strafbar war. Wendt schirmte auf allen vieren den Ball gegen Florian Grillitsch ab, der seinerseits mit dem Fuß nach der Kugel stocherte. Als der Hoffenheimer sie schließlich wegspitzelte, versuchte Wendt, sie mit der Hand aufzuhalten, doch er verfehlte den Ball, der allerdings prompt vom Fuß seines Mitspielers Denis Zakaria zu ihm zurücksprang und schließlich seinen Unterarm touchierte. Dass Felix Brych hier nicht von einer natürlichen Armhaltung und -bewegung ausging und auch nicht das Bemühen erkannte, ein Handspiel zu vermeiden, ist nachvollziehbar.

Die Abseitstechnik gewinnbringend zweckentfremdet

Bereits vorher hatte er sehr gut mit Bastian Dankert kooperiert, diesmal zum Vorteil der Gladbacher: In der 72. Minute hatte der Hoffenheimer Benjamin Hübner den Ball an der Grenze des eigenen Strafraums mit dem zur Seite ausgestreckten Arm abgelenkt, was der Unparteiische jedoch nicht wahrgenommen hatte. An der Strafbarkeit des Handspiels konnte kein Zweifel bestehen, denn hier war der Tatbestand der Vergrößerung der Körperfläche klar erfüllt. Die Frage war jedoch, ob sich die Berührung des Balles innerhalb oder außerhalb des Strafraums ereignet hatte. Das zeigten die Bilder keineswegs eindeutig.

Dankert behalf sich deshalb mit jener Technik, die sonst verwendet wird, um eine Abseitsstellung festzustellen: Er legte die kalibrierten Linien an und fällte das Lot, um die genaue Position der Hand zu ermitteln. Danach stand fest, dass Hübners Handspiel innerhalb des Strafraums stattgefunden hatte, folgerichtig entschied Felix Brych nach dem On-Field-Review auf Elfmeter. In Mönchengladbach gab es also gleich zwei Beispiele für einen berechtigten und gelungenen Einsatz des Video-Assistenten beim vieldiskutierten Thema Handspiel.

Was sonst noch wichtig war:

  • In der Partie des SC Freiburg gegen Fortuna Düsseldorf (0:2) jubelten die Gäste aus dem Rheinland schon nach sechs Minuten, allerdings nur kurz. Denn Schiedsrichter Frank Willenborg annullierte das Eigentor des Freiburgers Christian Günter, weil sein Assistent ein Abseits von Matthias Zimmermann angezeigt hatte. Der Düsseldorfer befand sich bei der Hereingabe seines Mitspielers Erik Thommys knapp hinter Günter, man kann allerdings darüber streiten, ob er den Kapitän der Hausherren wirklich beeinträchtigte. Die reine Anwesenheit in der Nähe genügt dafür noch nicht. Eine Beeinflussung liegt laut Regelwerk vielmehr erst dann vor, wenn der Spieler im Abseits einem Gegner die Sicht versperrt, mit ihm einen Zweikampf um den Ball führt, den Ball in seiner Nähe zu spielen versucht oder eindeutig aktiv wird und so die Möglichkeit des Gegners beeinflusst, den Ball zu spielen. Zimmermann tat davon eigentlich nichts so recht, andererseits mag man seine Tuchfühlung zumindest für ausreichend halten, um die Abseitsentscheidung nicht klar falsch zu finden. So wird es auch der VAR bewertet haben, der sich deshalb begreiflicherweise heraushielt. 
     
  • Ohnehin wurde die Eingriffsschwelle für die Video-Assistenten mit Beginn der Rückrunde auf Geheiß der sportlichen Leitung der Schiedsrichter erhöht, was in der Begegnung Bayer 04 Leverkusen – FC Augsburg (2:0) besonders auffiel. Dem Leverkusener Verteidiger Edmond Tapsoba misslang nach 20 Minuten die Ballannahme rund 30 Meter in zentraler Position vor dem eigenen Tor gründlich, weshalb er nur durch ein Festhalten des Balles mit der Hand verhindern konnte, dass Florian Niederlechner sich der Kugel bemächtigte und auf das Tor der Gastgeber zulief. Dass Jonathan Tah noch hätte eingreifen können, ist stark zu bezweifeln, doch Referee Sven Jablonski hielt es offenbar für möglich: Er zeigte Tapsoba statt der Roten lediglich die Gelbe Karte, sah in dessen Handspiel also nicht die Verhinderung einer offensichtlichen Torchance. Auch der VAR wollte diese Möglichkeit anscheinend nicht ausschließen und verzichtete deshalb auf einen Eingriff. Ein zumindest grenzwertiger Entschluss.

Quelle: ntv.de