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Die drei von der Trainerbank: Peter Hermann, Jupp Heynckes und Hermann Gerland.
Die drei von der Trainerbank: Peter Hermann, Jupp Heynckes und Hermann Gerland.(Foto: imago/Eibner)
Dienstag, 10. Oktober 2017

Redelings über ein Erfolgsteam: Drei grau-goldene Musketiere für die Bayern

Von Ben Redelings

Das Traum-Trainerteam der Säbener Straße mischt die Liga auf. Heynckes, Hermann und Gerland sind zurück. Ruhe, Lockerheit und taktische Disziplin stehen im Vordergrund. Doch im Hintergrund spielen Hunde und Pferde entscheidende Rollen.

Da sind sie also wieder: die drei Musketiere Jupp Heynckes, Peter Hermann und Hermann Gerland. Getreu dem alten Motto "Einer für alle, alle für einen" wollen sie die festgefahrene Bayern-Kutsche aus dem Morast ziehen. Und egal, wie die Sache am Ende ausgeht, eins steht jetzt schon fest: Die Bundesliga beweist auch in ihrer 55. Saison, dass sie für Überraschungen gut ist.

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Seit dem gestrigen Nachmittag hat das außergewöhnliche Erfolgstrio die Regentschaft an der Säbener Straße in München wieder übernommen. Die drei grauen Herren jenseits der Sechziger-Altersgrenze haben viel vor und ergänzen sich in ihrer Unterschiedlichkeit perfekt. Peter Hermann steht für die taktische Ausrichtung und die Trainingslehre, Hermann Gerland für die gelebte Lockerheit und den Teamgeist und Jupp Heynckes bringt die beruhigende Ausstrahlung eines ehemaligen Meisterspielers und Toptrainers mit. Oder wie er selbst es sagte: Er möchte in diesen sehr schnelllebigen Zeiten den Verein und die Mannschaft entschleunigen, entkrampfen und beruhigen, denn nur aus der "Ruhe könne man Kraft" schöpfen.

"Mein alter Kumpel Jupp Heynckes"

Als Jupp Heynckes und Hermann Gerland 2009 zum ersten Mal das Kommando beim FC Bayern übernahmen, war Peter Hermann noch nicht dabei. Damals holten die Bayern ähnlich unerwartet wie in diesen Tagen Heynckes für den unglücklich agierenden Jürgen Klinsmann aus seiner Trainer-Rente zurück. Hoeneß eröffnete die mittlerweile legendäre Pressekonferenz damals mit diesen Worten: "Ich begrüße meinen alten Kumpel Jupp Heynckes, mit dem wir viele Schlachten geschlagen haben. Ich freue mich sehr, dass er unserer Bitte, für die fünf Spiele einzuspringen, nachgekommen ist." Und Heynckes hatte nichts verlernt. Wie auf Knopfdruck spulte er die Floskeln eines geübten Trainers auf seiner ersten Pressekonferenz ab: "Es ist meine Aufgabe, dass die Spieler frei werden, Spielfreude haben. Dass sie befreit werden von den Fesseln, die sie haben."

Unser Kolumnist: Ben Redelings
Unser Kolumnist: Ben Redelings(Foto: Sascha Kreklau)

Taktisch klug hatte die Bayern-Führung damals entschieden, Jupp Heynckes einen Assistenten an die Seite zu stellen, der die etwas knöchrige Ernsthaftigkeit des Chefcoaches mit seiner entspannten und direkten Ruhrgebiets-Mentalität aufzulockern verstand. Und so saß Hermann Gerland an diesem denkwürdigen Tag des Jahres 2009 bei der ersten Pressekonferenz neben Heynckes und ergriff, nachdem sein Chef auf die Frage der Journalisten, was denn seine Frau zu seinem Engagement sagen würde, ungefragt das Wort und sagte mit einem verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel: "Ich musste meine Frau nicht vorher fragen. Ich müsste sie wohl nur fragen, wenn ich den FC Bayern verlassen wollte. Aber da würde sie wohl kein Okay geben." Der Plan der Münchner Führungsriege ging bekanntlich auf.

Peter Hermann kam erst in Heynckes' dritter Amtszeit 2011 zum FC Bayern München. Nun ist der Mann, der bis zur letzten Woche unter Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf als Co-Trainer aktiv war, nicht zuletzt aufgrund der atemberaubenden Ablösesumme von 1,75 Millionen Euro in den Fokus des Dreigestirns gerückt. Völlig zu Recht und verdientermaßen. Denn Hermann wird, wie schon in der Triple-Saison, nicht nur das Training leiten, sondern auch die taktische Ausrichtung der Bayern maßgeblich bestimmen.

Heynckes offenbart emotionale Seite

Auf dem Reißbrett ist dieses Team der drei grauen Gentlemen eine absolute Idealbesetzung. Doch nicht nur vordergründig passt es. Es ist wohl einmalig in der Geschichte der Fußball-Bundesliga, dass die Verpflichtung des neuen Trainers nicht etwa an zu wenig gebotenem Geld oder an sonstigen, nicht zu erfüllenden Forderungen beinahe gescheitert wäre, sondern an der unendlichen Tierliebe des gewünschten Coaches. Auf der Pressekonferenz war ein Jupp Heynckes zu beobachten, der mit zittriger Stimme vom Ableben seiner geliebten Katze erzählte. Außerdem betonte er, wie schwer es ihm falle, seinen zwölf Jahre alten Hund Cando zurückzulassen. Mit dem gehe er jeden Tag zweimal ausgiebig Gassi, weil seine Frau wegen eines Knorpelschadens ausfalle. Wer all das gesehen hat, ahnt, welch emotionale Seite die Bayern-Spieler in den nächsten Wochen und Monaten erleben werden dürfen.

Die Liebe zu Tieren verbindet Gerland und Heynckes. Vom passionierten Pferdezüchter Gerland stammt das schöne Zitat: "Die Pferde, die sich anfangs sträuben und wehren, sind am Ende die besten. So ist es auch im Fußball. Die, die eckig und kantig sind, kannst du am besten gebrauchen."

Über Peter Hermanns Beziehung zu Tieren ist leider nichts bekannt. Aber das ist auch nicht so wichtig. Dafür hat er ja seine zwei anderen Musketiere an der Seite. Denn wie sagte Kalle Rummenigge gestern so treffend: "Wie ich gerade lernen durfte, ist es Jupp gelungen, Hund und Katze zu befrieden. Wer Hund und Katze befriedet, das weiß ich aus eigener Erfahrung, der ist auch in der Lage, den FC Bayern zu trainieren." Besser kann man das berühmte Motto der Musketiere, "Einer für alle, alle für einen", im Alltag nicht leben. Und deshalb wird sich nicht nur Heynckes' Hund Cando fragen: Was soll jetzt eigentlich noch schiefgehen?

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Quelle: n-tv.de

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