Redelings Nachspielzeit

EM-Countdown: Kurioses von 2008 Löw, Merkel und der Ärger über den "Papagei"

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Joachim Löw präsentierte sich 2008 etwas zu vorlaut - zumindest nach Ansicht eines einzelnen Schiedsrichters.

(Foto: imago sportfotodienst)

Selten hatte eine Europameisterschaft so viele skurrile Geschichten zu bieten wie die EURO 2008. Ob verunglückte Hymnen-Einblendungen, komplette Bildausfälle oder saudumme Bombenwarnungen. Alles war dabei. Und ein deutscher Bundestrainer, der zur Weißglut gebracht wurde!

Die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz lebte von ihrem guten Fußball, begeisterten Fans - und ganz besonders von ihren kuriosen Randgeschichten, die das Turnier auf seltsame Art und Weise prägten.

Schon vor der EURO 2008 hatte sich ein Profi der englischen Liga, der Mittelfeldspieler Richard Chaplow von West Bromwich Albion, in den ewigen Schlagzeilen des Fußballs verewigt. Denn in einem Gespräch mit einem Journalisten zeigte sich Chaplow von seiner allerbesten Seite.

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Reporter: "Wer wird die EURO 2008 gewinnen?" Chaplow: "Ähm, natürlich England. Wenn du kein Vertrauen in dein eigenes Land hast, was willst du dann machen?" Reporter: "Tut mir leid, aber wir haben uns doch gar nicht qualifiziert!" Chaplow: "Oh nein, klar. Dann Argentinien. Dann nehme ich die." Das Interview hat nicht nur bei Chaplow tiefe Spuren hinterlassen. 2018 ließ der frühere U21-Nationalspieler seine Karriere übrigens in den USA bei Orange County ausklingen. Vielleicht nicht ganz unpassend, das Land. Denn als Zlatan Ibrahimovic die USA nach seinem MSL-Gastspiel wieder verließ, sagte er nur: "Die Geschichte geht weiter … jetzt schaut wieder Baseball." Bei der EM 2008 schied Schweden allerdings trotz Zlatan schon in der Vorrunde aus. Aber das nur am Rande.

Etwas unglücklich verlief auch der Turnierstart für einen - nicht näher namentlich genannten - deutschen Journalisten. Als dieser bemerkte, dass er zu spät zu seinem Flugzeug kommen würde, rief er bei der Polizei an und warnte vor einer Bombe in der Maschine nach Wien. Der komplette Airport wurde daraufhin geschlossen. Als der Reporter nun schließlich am Flughafen ankam, strahlte er die Dame am Schalter an und sprach von "glücklichen Umständen", da er ja eigentlich den Flug gar nicht bekommen hätte, weil er zu spät gewesen sei. Die Frau wurde ob des komischen Verhaltens des Mannes misstrauisch und informierte die Polizei. Die kontrollierte daraufhin das Handy des Deutschen und landete einen Volltreffer. In der Eile hatte der Journalist doch tatsächlich vergessen, seine Nummer zu unterdrücken.

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem Buch mit den besten Kolumnen ("Zwischen Puff und Barcelona") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Ein peinliches Missgeschick passierte während des Turniers auch der ARD-Sendung "Tagesthemen". Die drei Farben der deutschen Flagge wurden einmal tüchtig durchgemischt. Das sorgte für Aufregung - vor allem im Netz. Und als dann auch noch das Schweizer Fernsehen bei einer Übertragung als Untertitel bei der deutschen Nationalhymne die verpönte erste Strophe wählte, war das Entsetzen groß. Das Malheur konnte aber schnell aufgeklärt werden: Angeblich sei die Bildungslücke zweier Praktikanten im Studio schuld gewesen.

Da aber auch das Auftreten der deutschen Elf nicht frei von Pannen war, passen all diese kuriosen Vorkommnisse in das Bild dieser ganz speziellen Europameisterschaft. Auch Bundestrainer Jogi Löw empfand den Turnierverlauf als ständiges Auf und Ab: "Nach dem 2:0 gegen Polen sind wir EM-Favorit, dann spielen die Niederlande ein bisschen attraktiver, auf einmal sind sie der Topfavorit. Wir spielen gegen Kroatien ganz schlecht, da sind wir praktisch aus dem Turnier ausgeschieden, und dann kommt auch noch Österreich."

Insgesamt lief die EM aus deutscher Sicht am Ende jedoch eigentlich ganz erfreulich - wäre da nur nicht dieser Zwischenfall im letzten Vorrundenspiel gegen Österreich gewesen. Beide Trainer, Josef Hickersberger und Joachim Löw, fanden sich an diesem Tag noch vor der Pause auf der Tribüne wieder. Vorausgegangen waren hitzige Diskussionen mit dem vierten Offiziellen. Löw: "Ich dachte, der hätte einen Papagei dabei. Ständig stand er neben mir und sagte: Go back, go back, go back. Dabei wollte ich in der Coaching Zone nur meine Arbeit machen. Ich habe den vierten Mann aber in keinster Weise beleidigt."

Löw zwischen Staatsakt und Kettenrauchen

Wie dem auch sei: Für die Zuschauer waren die anschließenden Bilder auf jeden Fall mal eine Abwechslung. Denn auf der Ehrentribüne quatschte Löw zuerst mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, um anschließend nach dem 1:0 durch Ballack entspannt mit Boris Becker abzuklatschen. Im folgenden Viertelfinalspiel gegen Portugal saß Löw wegen seiner Sperre dann übrigens hinter einer dicken, dunklen Glasfront - und rauchte nervös eine Zigarette nach der anderen.

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Im Halbfinale gegen die Türkei nahm der Bundestrainer dann wieder wie gewohnt auf der Bank Platz - doch das sahen die Zuschauer der Live-Übertragung im ZDF nicht die ganze Zeit über. Denn ausgerechnet in der entscheidenden Phase wurde die Übertragung aus Wien unterbrochen. Gestöhne beim Public Viewing und Verwirrung beim Sender. Kommentator Béla Réthy jedoch wusste sofort, was die Stunde geschlagen hatte: "Es sind doch immer diese verrückten Momente, die einen über Nacht berühmt machen."

Zuerst wurde ein schweres Unwetter als Ursache genannt, später war dann von einem falsch gezogenen Kabel die Rede. Egal. Als das Bild wieder da war, fielen die Tore - und es wurde endlich, auch abseits der kuriosen Randgeschichten, endlich einmal ein sportlich unvergessener Abend. Das anschließende Finale gegen den neuen Europameister, die Tiki-Taka-Spanier, blenden wir jedoch lieber an dieser Stelle mal aus!

Quelle: ntv.de

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