Fußball-WM 2018

"So kann man keine WM spielen" Beckenbauer wettert gegen Nationalspieler

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Franz Beckenbauer hat einen Rat für Joachim Löw (l.): "Er muss bei der Nominierung hart sein, Dankbarkeit bringt ihn nicht weiter."

picture alliance / dpa

Die historische WM-Pleite der deutsche Fußball-Nationalmannschaft beschäftigt Franz Beckenbauer. Die Einstellung der Spieler macht den "Kaiser" wütend. Für den Bundestrainer hat er einen Rat. Derweil beginnt die Aufarbeitung des Debakels überraschend früh.

Jetzt spricht der Fußball-Kaiser: In einem Interview mit der "Bild" führt Franz Beckenbauer das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft "auf die Einstellung der Spieler" zurück. "So kann man keine WM spielen", sagt der 72-Jährige. Fußball sei in erster Linie ein Lauf-Spiel. "Es bestand aber null Bereitschaft dazu. Die Mannschaft hat eher das Gegenteil gemacht, was ihr aufgetragen wurde." Dass Bundestrainer Joachim Löw trotz des historisch frühen WM-Ausscheidens weitermacht, bezeichnet der ehemalige DFB-Coach als "vernünftige Entscheidung". Es sei allerdings kein Neuanfang, urteilt Beckenbauer, der neben Frankreich-Coach Didier Deschamps und dem Brasilianer Mario Zagallo einer von drei Fußballern ist, die als Spieler und Trainer Weltmeister geworden sind.

"Jogi wird einiges verändern müssen, nachdem ihm erfahrene Spieler den Einsatz verweigerten. Er muss bei der Nominierung hart sein, Dankbarkeit bringt ihn nicht weiter", so Beckenbauer. Er selbst sei nie in einer solchen Situation gewesen. "1986 haben wir immerhin das Endspiel erreicht. Vor Beginn der WM musste ich mich von älteren Spielern trennen oder sie in die zweite Reihe stellen", erinnert sich der Weltmeister-Trainer von 1990. "Der Einzige, der das nicht verstehen wollte, war Uli Stein. Deshalb musste er nach Hause fahren."

Löw intensiviert seine WM-Analyse

Derweil hat Löw die gründliche Analyse des WM-Desasters früher als erwartet intensiviert. Am 24. August müssen er und Teammanager Oliver Bierhoff die Ergebnisse der Aufarbeitung vorlegen. Am Mittwoch kam Löw überraschend in der DFB-Zentrale mit Bierhoff und seinen Assistenten Thomas Schneider sowie Marcus Sorg zusammen, um die Aufarbeitung der historischen Vorrunden-Pleite voranzutreiben. "Die sportliche Leitung hat sich getroffen, um ihre Abstimmung und Besprechungen mit Schwerpunkt WM-Analyse fortzusetzen", bestätigte Nationalmannschaftssprecher Jens Grittner auf Anfrage: "Das ist nicht das erste Treffen, und es wird auch nicht das letzte sein."

Wie der Sportinformationsdienst erfahren haben will, ist Löw in seiner Analyse drei Wochen nach der Katastrophe von Kasan gegen Südkorea (0:2) inhaltlich schon sehr weit gekommen. Eigene Fehler, der Neuaufbau der Mannschaft, die Veränderung des Spielsystems - bei all diesen Themen liegen wichtige Erkenntnisse vor. Auch erste personelle Konsequenzen sollen bei dem Treffen bis  Donnerstag diskutiert, aber noch nicht beschlossen werden.

Quelle: n-tv.de, tno/dpa/sid

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