Fußball-WM 2018

Die DFB-Elf übt für die WM Löw singt und lacht, Vogts schnüffelt

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Alles gut, alles im Griff: Joachim Löw blickt optimistisch in Richtung WM.

(Foto: imago/Eibner)

Der zehnte und letzte Tag im DFB-Trainingslager in Südtirol beginnt mit einem Schock: Kapitän Philipp Lahm bricht das Training ab. Doch der Bundestrainer beruhigt: Alles in Ordnung. Wie Joachim Löw ohnehin nur Gutes berichtet. War in den letzten Tagen was?

Was sagt der Bundestrainer?

Also sprach Joachim Löw ... Besser noch. Er sang sogar! "Applaus, Applaus" von den Sportfreunden Stiller stimmte der Bundestrainer vor der Pressekonferenz kurz an. Es passte zur Message, die Löw zum Abschluss des Trainingslagers mit bester Laune verbreiten wollte: "Was den Teamgeist betrifft, kann ich nur eines sagen: Der ist hervorragend. Die Mannschaft ist in diesen Tagen mehr und mehr zu einer Einheit geworden." Der Unfall, die Nachrichten um Löws Punktekonto in Flensburg, alles nur "Beiwerk", sagte Löw: "Das hat nicht ansatzweise eine Rolle gespielt." Die Mannschaft habe "intensiv" trainiert. Nur als eine Frage nach der gesunkenen Erwartungshaltung kommt, fehlen Löw plötzlich die Worte. Stumm reißt er die Arme in die Höhe. "Das spielt für mich keine Rolle, das ändert sich eh innerhalb von wenigen Wochen." Seine eigene Erwartung habe sich nicht geändert: "Wir haben eine wettbewerbsfähige Mannschaft. Wir reisen als Mitfavorit an." Applaus Applaus, für seine Worte.

Wie ist der Krankenstand?

Und so geht’s weiter

bis 31. Mai: WM-Trainingslager in Südtirol

1. Juni: Deutschland - Kamerun, 20.30 Uhr

2. Juni: Meldung des endgültigen 23er WM-Kaders bei der Fifa

6. Juni: Deutschland - Armenien, 20.45 Uhr

7. Juni: Abreise ins WM-Quartier "Campo Bahia" in Santo André

16. Juni, WM-Vorrunde:
Deutschland - Portugal, 18 Uhr
21. Juni, WM-Vorrunde:
Deutschland - Ghana, 21 Uhr
26. Juni, WM-Vorrunde:
Deutschland - USA, 18 Uhr

Was uns in helle Aufregung versetzte, ließ Joachim Löw kalt: Philipp Lahm musste das Training abbrechen, hielt sich sein angeschlagenes Sprunggelenk. "Das war eine Vorsichtsmaßnahme", sagte der Bundestrainer. Schon morgen werde Lahm wieder trainieren. Im Spiel gegen Kamerun am Sonntag wird er auf jeden Fall auf seinen Kapitän verzichten, genau wie auf Torwart Manuel Neuer. Statt dem Münchner wird Roman Weidenfeller das Tor hüten. Aber schon im letzten Testspiel gegen Armenien in einer Woche rechnet Löw damit, dass Neuer wieder einsatzfähig ist.

Wobei das Löwsche "einsatzfähig" noch einer genauen Definition harrt. Auch Marcel Schmelzer und Bastian Schweinsteiger bezeichnete der Bundestrainer für das Spiel gegen Kamerun als "einsatzfähig" - fügte aber gleichzeitig an, Schweinsteiger habe im Training noch keine Zweikämpfe bestritten. Gute Nachrichten gibt es von Sami Khedira: Sein Knie hält auch einem schmerzhaften Zusammenprall wie im Testspiel gegen die U20 stand. Khedira blieb zwar liegen, konnte aber weiterspielen und deutete den kurzen Schockmoment positiv: "Solche Aktionen bringen mehr Vertrauen."

Wer ist der Mitarbeiter des Tages?

Frank Wormuth. Der Trainer der U20-Nationalmannschaft hat seine beiden letzten Spiele mit 0:8 und 1:7 verloren, und heimste trotzdem ein Sonderlob von Bundestrainer Joachim Löw ein. Na gut, verständlich, schließlich ging es auch jeweils gegen die A-Nationalmannschaft. In den Aufeinandertreffen agierte der Nachwuchs artig so, wie es Löw verlangte. "Das hat der Frank Wormuth klass gemacht." Die Kollegen von der dpa haben bei den Spielen übrigens "verräterische Trikotnummern" ausgemacht: Die Nummern über 23 trugen Erik Durm (24), Christoph Kramer (25), Matthias Ginter (26) und Kevin Volland (27). Hm. Dabei muss Joachim Löw doch nur noch drei Spieler aus dem Kader schmeißen.

Was machen die anderen?

*Datenschutz

Lassen spionieren. Zumindest die USA. Ausnahmsweise nicht von der NSA, sondern von Berti Vogts. Der hat einen Sonderauftrag von Jürgen Klinsmann, und auf einmal einen Haufen coole Beinamen. Den "Special Advisor" nennen die US-Medien "Detective Vogts" oder auch, unser Favorit, "US Soccers International Man of Mystery". Vor allem soll Vogts in den nächsten Tagen eine Menge Spiele schauen, und die Vorrundengegner der USA analysieren: darunter auch Deutschland. Im Testspiel gegen Kamerun sitzt Vogts also auf der Tribüne und macht sich eifrig Notizen. Und wenn er dem US-Team zum Erfolg verhilft, bekommt er vielleicht eine Möhre extra.

War sonst noch was?

Die ersten deutschen WM-Teilnehmer reisen schon am Samstag nach Brasilien: Schiedsrichter Felix Brych und seine Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp. Auch die Referees absolvieren vor dem Turnier noch ein Trainingslager, in zehn Tagen Lehrgang will die Fifa den 25 Teams eine einheitliche Linie vermitteln. Der deutsche Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel ist sich sicher, dass Brych seine Zunft ehrenhaft vertreten wird. "Felix Brych hat sich die Nominierung durch seine außergewöhnlichen Leistungen im internationalen Fußball verdient. Er gehört für mich zweifellos zu den besten Schiedsrichtern der Welt", sagte Fandel. Aber, mit Verlaub, war da nicht was? Stichwort Phantomtor? "Eine solche Situation hat mit der Qualität eines Schiedsrichters überhaupt nichts zu tun", äußerte Brychs Boss: "Wenn ein Stürmer einmal am leeren Tor vorbeischießt, wird er ja auch nicht gleich von einem Turnier ausgeladen." Naja, Stefan Kießling hat ja eigentlich am Tor vorbei ... aber lassen wir das.

Wer ist der Klassenclown des Tages?

Diese Auszeichnung vergeben wir heute einmal extern - an das Parteiorgan der "Partei". Die "Titanic" hilft über die schlechten Nachrichten aus dem Passeiertal hinweg. Achtung: schwarzer Humor.

Quelle: ntv.de, mit dpa/sid