Fußball-WM 2018

"Weiß nicht, wie man verliert" Wehe, Ronaldo ist mal nicht der Beste

Gegen Spanien liefert Cristiano Ronaldo die erste große WM-Show. Die Welt staunt einmal mehr über den Wahnsinn des fünfmaligen Weltfußballers. Der Portugiese ist besessen davon, der Beste zu sein - und das nicht nur auf dem grünen Rasen.

Wer wissen möchte, wie Cristiano Ronaldo zu Cristiano Ronaldo wurde, sollte auf jeden Fall mit Patrice Evra sprechen. Der Franzose, vor Jahren mit dem portugiesischen Superstar bei Manchester United aktiv, plaudert nämlich gerne. Und so, wie er von seiner Zeit mit dem Berufsexzentriker erzählt, wird deutlich, wie es Ronaldo an die Spitze der fußballerischen Nahrungskette schaffte - und weshalb der 33-Jährige bereits jetzt die WM in Russland überstrahlt.

"Cristiano weiß nicht, wie man verliert", sagte Evra dem englischen TV-Sender ITV. So weit ist das bekannt. Doch eine Anekdote von einem Tischtennis-Spiel zwischen Ronaldo und Englands Abwehrlegende Rio Ferdinand bringt das Ganze noch etwas plastischer rüber. "Einmal haben sie Tischtennis gespielt, und Ferdinand hat Ronaldo zerstört", berichtet Evra. Sofort habe Ronaldo mit seinem Cousin eine Platte gekauft und zwei Wochen unablässig trainiert. "Er wollte Rio Ferdinand vor allen besiegen - und er hat es geschafft. So eine Art Mensch ist er", sagte Evra.

So ein Mensch muss ein Fußballer wahrscheinlich sein, um fünfmal die Champions League zu gewinnen und zum WM-Auftakt gegen Spanien (3:3) einen Dreierpack zu erzielen. Hart hat CR7 sich die Ehrfurcht erarbeitet, die ihm nach solchen Leistungen ereilt. Sogar jene leicht verunglückte Ronaldo-Büste, die am Flughafen von Madeira steht und im Vorjahr zweifelhafte Berühmtheit erlangte, wurde gegen ein schöneres Exemplar ausgetauscht. Was wohl im Fall einer erneuten Ronaldo-Show am Mittwoch (14 Uhr in der ARD und im Liveticker bei n-tv.de) im zweiten Gruppenspiel in Moskau gegen Marokko geschieht?

Auf geht's in GOAT-Rennen

Dass er in seinem 15. WM-Spiel in der russischen Hauptstadt wieder auftrumpft, ist für viele Experten sehr wahrscheinlich. Seinen sechs WM-Toren sollen weitere folgen. Und das von ihm selbst gestartete Rennen um den Titel GOAT ("Größter aller Zeiten") gegen Argentiniens Lionel Messi will ja auch noch entschieden werden. Nach der schwachen Vorstellung beim 0:1 gegen den Iran dürften die Marokkaner jedenfalls vor Ronaldo zittern.

Er ist eben der Unschlagbare, der Übermenschliche und zeitgleich die einzige wirkliche Waffe im Kampf um den WM-Titel. Ohne ihn wären sie nicht Europameister und sie dürften nicht im Entferntesten von einem WM-Halbfinale träumen. Portugal kann also nur beten, dass Ronaldo nach der WM nicht seine Nationalmannschaftskarriere beendet. "Es wäre schwieriger ohne hin, aber er ist bei uns, und ich hoffe, das wird so bleiben. Warum also über so etwas spekulieren?", sagte Adrien Silva. Der Gedanke wird verdrängt, stattdessen gibt es Lobpreisung vom Rudel für den Leitwolf. Er soll sich schließlich wohlfühlen.

"Wann immer unser Kapitän Cristiano Ronaldo mich braucht, bin ich da. Und wenn ich ihn brauche, ist er immer an meiner Seite", sagte Stürmer Andre Silva vom AC Mailand. Den 22-Jährigen hatte der Chef persönlich als seinen potenziellen Nachfolger ins Gespräch gebracht. Später natürlich, in einer anderen Welt. Ohne Cristiano Ronaldo.

Quelle: ntv.de, tno/sid