Technik

Antivirus-Software schnüffelt Avast verkauft Nutzerdaten

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Avast betreibt über eine Tochterfirma mit Nutzerdaten angeblich einen schwunghaften Handel.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Recherchen und geleakte Dokumente belegen, dass Antivirus-Software-Anbieter Browser-Daten seiner Nutzer verkauft. Dazu gehören unter anderem Google-Suchen und Besuche von Porno-Seiten.

Mit nach eigenen Angaben weltweit 435 Millionen aktiven Nutzern gehört Avast Antivirus zu den am häufigsten installierten Schutz-Programmen. In Deutschland ist die Gratis-Version der Software beliebt, die unter anderem vom AV-Test-Institut als "Top-Produkt" ausgezeichnet wurde. Auch bei Stiftung Warentest erhielt Avast schon gute Bewertungen. Doch offenbar hat der Antivirus-Schutz das Lob nicht verdient.

Gemeinsame Recherchen von "Vice" und "PCMag" haben nämlich ergeben, dass der Anbieter mit seiner Software massenhaft Browserdaten seiner Nutzer sammelt und über die Tochterfirma Jumpshot verkauft. Zu den Kunden gehören angeblich Google, Pepsi, McKinsey, Microsoft, Yelp oder Tripadvisor. "PCMag" weist darauf hin, dass möglicherweise auch AVG Antivirus Nutzerdaten abgreift, da es Avast gehört.

Aus geleakten Dokumenten der Firma gehe hervor, dass zu den abgegriffenen Daten unter anderem Google-Suchen, Standortdaten, LinkedIn-Besuche oder angeschaute Youtube-Videos gehören, schreibt "Vice". Aus den Daten könne man auch schließen, wann ein Nutzer Youporn oder PornHub aufrief. Und in einigen Fällen sei es sogar möglich, zu sehen, nach was er gesucht hat und welche Videos er angeschaut hat.

Obwohl keine Namen oder andere persönliche Daten weitergegeben wurden, könne man anhand von Browserdaten und der Geräte-ID trotzdem Nutzer identifizieren, sagte ein Experte "PCMag". Kombinierten Unternehmen wie Google oder Amazon dies mit ihren Datenbänken, könnten sie noch viel genauere Nutzerprofile erstellen, als sie es ohnehin schon tun.

Erst ein Plugin, dann die Gratis-Software

Schon im vergangenen Herbst fand ein Sicherheitsforscher heraus, dass Avast über ein Browser-Plugin Daten sammelte, das eigentlich dazu da sein sollte, Nutzer vor verdächtigen Webseiten zu warnen. Google, Mozilla und Opera warfen daraufhin die Erweiterungen aus ihrem Angebot. Avast beteuert, man sammle seitdem keine Browser-Daten mehr.

Jetzt greift die Gratis-Version der Antivirus-Software Daten für die Verwertung durch Jumpshot ab. Nutzer werden allerdings bei der Installation der Software um Erlaubnis gebeten. Und es gibt die Möglichkeit, die Datensammlung auch später noch in den Einstellungen zu beenden.

Quelle: ntv.de, kwe