Technik

Ersatz für Riesen-FernseherDieser Beamer geht extrem gut auf Ultrakurzdistanz

19.06.2026, 18:56 Uhr Icke-im-WaldVon Klaus Wedekind
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Dreame X60 Pro Ultra Complete Test (5 von 9)
Der AWOL Vision Aetherion Max kann bis auf wenige Zentimeter an eine Wand herangerückt werden. Für ein perfektes Bild benötigt er aber eine spezielle Leinwand. (Foto: kwe)

Der AWOL Vision Aetherion Max ist ein Ultrakurzdistanz-Beamer, der mit einem brillanten, hellen und scharfen Bild nur wenige Zentimeter von der Projektionsfläche entfernt problemlos herkömmliche Riesen-Fernseher ersetzen kann. Der Preis ist vergleichbar, für ein perfektes Ergebnis benötigt man aber teures Zubehör.

4K-Beamer können ein idealer Ersatz für Fernseher sein. Auch günstigere Geräte produzieren inzwischen scharfe und helle Bilder mit schönen Farben, bei hochwertigen sind auch die Kontraste relativ knackig. Zudem sind 100 Zoll große Projektionen für Beamer Standard, TV-Geräte mit vergleichsweise mächtigen Displays sind oft wesentlich teurer. Sind sie es nicht, bleibt das Problem, dass sie ausgeschaltet eine große schwarze Fläche im Raum bilden. Bei Projektoren ist das nicht so, wenn man die Leinwand einrollt, abbaut oder das Bild einfach nur an die Wand wirft.

Er steht da, wo sonst ein Fernseher steht

Ein großer Nachteil von Beamern ist allerdings, dass sie mitten im Zimmer stehen oder an der Decke installiert werden müssen. Zwar können moderne Geräte in Winkeln von bis zu 45 Grad zur Projektionsfläche platziert werden und ein verzerrtes Trapez automatisch ausgleichen. Doch dann bleibt immer noch das Problem, dass ohne externe Boxen der Ton aus einer falschen Richtung kommt.

Sogenannte Ultrakurzdistanz-Beamer (UST-Beamer) weisen diese Probleme nicht auf. Wie der Name beschreibt, können sie in minimalem Abstand zur Wand aufgestellt werden, also dort, wo gewöhnlich auch Fernseher stehen. Kein Wunder, dass die Nachfrage nach UST-Projektoren und das Angebot entsprechender Geräte stetig wachsen. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis macht diese Beamer zunehmend zu interessanten Alternativen zu Groß-Fernsehern - günstig sind sie aber trotzdem noch nicht. Jüngstes Beispiel ist der AWOL Vision Aetherion Max, der knapp 3700 Euro kostet. ntv.de hat sich ihn genau angesehen.

Außergewöhnliches Design

Bei herkömmlichen Beamern ist ein interessantes Design zwar nett, aber nicht unbedingt nötig. Nach dem Einsatz stellt man sie weg oder sie hängen unauffällig an der Zimmerdecke. Der AWOL Vision Aetherion Max dagegen hat ein außergewöhnliches Design, und das ist bei ihm auch besonders wichtig. Denn der Projektor bleibt nicht nur gewöhnlich an Ort und Stelle, weil er nicht stört, sondern weil man sich so auch viel Arbeit spart. Denn sein einziger echter Nachteil ist, dass man ihn manuell ausrichten muss und selbst kleinste Veränderungen große Auswirkungen haben. Dazu gleich mehr.

Dreame X60 Pro Ultra Complete Test (9 von 9)
Das Design ist sehr speziell, aber gelungen. (Foto: kwe)

Der AWOL Vision Aetherion Max sieht aus wie einem Science-Fiction-Film entnommen. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Tarnkappen-Fliegern kann er mit seinen vielen kantigen, facettierten Flächen auch nicht verleugnen. Dazu kommt ein blauer Leuchtstreifen an der Vorderseite, der den spacigen Look noch verstärkt. Groß ist das rund 8,8 kg schwere Gerät nicht. Es ist nur knapp 56 cm breit, 14 cm hoch und - besonders wichtig - 32 cm tief. Zum Schutz liefert AWOL Vision ein stabiles Cover mit, außerdem hat das Gerät eine automatisch schließende Objektiv-Abdeckung.

Interessant ist, dass seine attraktive Vorderseite im Gegensatz zu herkömmlichen Beamern zum Publikum gerichtet ist. Das ergibt Sinn, denn sonst würde man auf seine Rückseite mit Anschlüssen und Kabeln blicken. Technisch notwendig ist das nicht, denn sein Triple-RGB-Laser strahlt aus einer Vertiefung auf der Oberseite des Projektors.

Viele Anschlussmöglichkeiten, Google TV an Bord

Die Rückseite hat übrigens einiges zu bieten, was bei einem Fernseher-Ersatz auch ein Muss ist. Er hat drei HDMI-2.1-Anschlüsse, wovon einer eARC für die Verbindung einer Soundbar oder eines AV-Receivers bietet. Dazu kommen ein USB-C-Eingang mit DisplayPort-Funktion, ein optischer Audioausgang, ein AV-Klinkenanschluss, eine Kopfhörerbuchse, ein LAN-Anschluss, ein USB-A-Eingang für Updates sowie eine RS-232-Klinkenbuchse für eine verkabelte Fernsteuerung.

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Die Anschlüsse auf der Rückseite. (Foto: kwe)

Solange man nicht linear fernsehen, sondern nur streamen möchte, benötigt man grundsätzlich kein weiteres Gerät. Denn mit Google TV bietet der AWOL Vision Aetherion Max die gleichen Funktionen wie ein smarter Fernseher. Die Inbetriebnahme ist dabei ebenso einfach wie bei anderen von ntv.de getesteten Beamern mit diesem Betriebssystem. Im Prinzip kann man alles über ein Smartphone erledigen, nachdem man einen QR-Code gescannt hat.

Bei den Apps sind RTL+, Youtube, Netflix und Amazon vorinstalliert, das weitere Angebot im App-Store ist groß. Hier findet man unter anderem Apple TV und alle wichtigen Mediatheken. Außerdem kann man von Smartphones oder Tablets via Chromecast, Miracast und Airplay 2 Inhalte auf den Projektor streamen.

Einfache Bedienung, aber mühsame manuelle Ausrichtung

Auch die allgemeine Inbetriebnahme ist grundsätzlich unkompliziert, aber man muss das Gerät erst einmal manuell ausrichten, bevor man Spaß damit hat. Das heißt, man dreht und schiebt es und stellt seine Standfüße so lange ein, bis der Beamer ein weitgehend rechtwinkliges Trapez auf die Leinwand wirft. Dann kann man für das Feintuning eine automatische Korrektur nutzen, für die man mit dem Smartphone ein Testbild abfotografieren muss. So richtig automatisch ist das nicht.

Dreame X60 Pro Ultra Complete Test (3 von 9)
Je höher die Leinwand über dem Beamer ist, desto mühsamer ist die Ausrichtung. (Foto: kwe)

Einfacher ist es, wenn sich die Oberkante des Beamers knapp unterhalb der Projektionsfläche befindet, dann ist die Ausrichtung in wenigen Minuten möglich. Der Abstand entscheidet über die Bildgröße, wobei es um Zentimeter geht. Ist die Rückseite 15,8 cm von der Fläche entfernt, erhält man eine Projektion mit 100-Zoll-Diagonale, bei 23 cm sind es bereits 120 Zoll, bei 7,6 cm 80 Zoll. ntv.de hat den Beamer mit 100-Zoll-Bild getestet.

Teure UST-Leinwand muss sein

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass die Projektionsfläche den Spaß erhöhen oder verderben kann. Für einen UST-Projektor benötigt man nämlich eine spezielle Leinwand, deren Oberfläche so gestaltet ist, dass sie das mit extremen Winkeln von unten auf sie geworfene Licht in Richtung Zuschauer reflektiert. Außerdem "schluckt" sie störendes Licht, beispielsweise vom Fenster oder der Zimmerbeleuchtung.

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Eine solche Leinwand kostet nicht nur zusätzlich viel Geld, die für den Test von AWOL Vision mitgelieferte 120-Zoll-Cinematic-ALR-Leinwand beispielsweise knapp 1600 Euro. Sie hat auch den Nachteil, dass sie fest installiert an der Wand eine riesige grau metallische Fläche ist. Um das zu verhindern, kann man eine Leinwand kaufen, die aus einer schmalen Basis nach oben ausfährt und auch wieder darin verschwindet. AWOL Vision bietet hier eine 100-Zoll-Alternative für rund 1700 Euro an.

Knackig scharf und strahlend hell

Hat man eine UST-Leinwand, wird man vom Beamer mit einem ausgezeichneten Bild belohnt. Der Fokus passte nach der Installation schon nahezu perfekt, nach der manuellen Feinjustierung war das Bild bis in die Randbereiche so knackig scharf wie bei einem 4K-Fernseher mit 100-Zoll-Display.

Dreame X60 Pro Ultra Complete Test (2 von 9)
Die tollen Kontraste lassen sich kaum abfotografieren. (Foto: kwe)

Die Helligkeit ist mit 3300 ISO-Lumen nicht nur auf dem Papier beeindruckend. Man kann den Projektor problemlos auch in hellen Räumen nutzen. In einem mäßig abgedunkelten Zimmer genügte im Test der Energiesparmodus mit zusätzlich manuell auf Stufe 5 von 10 gestellter Helligkeit, um mit Vergnügen Filme oder Serien zu streamen. Das Gerät verbrauchte dann nur rund 113 W. Noch weniger waren es mit knapp 90 W im Filmmodus. Das ist bemerkenswert sparsam. Am meisten verbrauchte der Projektor mit fast 180 W im Lebendig-Modus bei voller Helligkeit.

Ausgezeichnete Farben, erstaunliche Kontraste

Um die Bildqualität einschätzen zu können, stellte ntv.de in einem abgedunkelten Raum den sogenannten Filmmaker-Modus bei einem Film ein, der Dolby Vision bietet, wofür der Projektor etwas mehr als 140 W benötigt. Der AWOL Vision Aetherion Max unterstützt auch HDR 10+ und HLG. Im Filmmaker-Modus wird außerdem die Bildwiederholfrequenz von 24 auf 48 Bilder pro Sekunde erhöht.

Dreame X60 Pro Ultra Complete Test (1 von 9)
Die Farben sind einfach klasse. (Foto: kwe)

Die gebotenen Farben sind leuchtend und kräftig, aber natürlich. Laut Datenblatt bietet der Beamer eine  110-prozentige Abdeckung des Rec.2020-Farbraums. Schlieren, einen Regenbogeneffekt oder andere Störungen sieht man nie, auch nicht bei hohem Kontrast, in schnellen Actionszenen oder Sportübertragungen.

Besonders beeindruckend sind die für einen Beamer exzellenten Kontraste. Sie können zwar nicht mit denen von OLED-Fernsehern mithalten, aber Schwarz sieht beispielsweise wirklich schwarz und nicht dunkelgrau aus. Klasse ist auch, dass man sowohl in sehr hellen, als auch in sehr dunklen Bereichen des Bildes noch viele Details sehen kann.

Absolut spieltauglich

Mit einer äußerst kurzen Reaktionszeit im speziellen Modus von einer Millisekunde ist der AWOL Vision Aetherion Max auch fürs Gaming geeignet. Um dabei auch die HDR-Talente des Beamers zu genießen, hat ntv.de dies mit "Dead Space" und einer Runde "Halo Infinite" ausprobiert.

Dreame X60 Pro Ultra Complete Test (7 von 9)
Die Hülle darf einstauben, der Beamer nicht. (Foto: kwe)

Der Projektor bietet viele weitere Anpassungsmöglichkeiten, unter anderem mit KI-Hilfe. Dafür gibt es sogar eine extra Taste auf der Fernbedienung. In manchen Situationen kann eine automatisch optimierte Bildqualität, ein verbessertes Schwarz oder "Super-Auflösung" helfen. Ob man den Beamer nutzen sollte, um über das Mikrofon der Fernbedienung mit einem Chatbot zu plaudern, sei dahingestellt. Ansonsten kann man das Mikro auch nutzen, um in der Google-TV-Oberfläche zu manövrieren.

Gute Lautsprecher, zurückhaltender Lüfter

Der Lüfter ist auf drei Meter Entfernung zwar bei leisen Szenen deutlich zu hören, aber nicht nervig laut. Ansonsten nimmt man ihn kaum wahr. Das liegt auch am guten Ton, den die Lautsprecher des Beamers liefern. Er hat zwei Vollbereichs-Treiber und zwei Hochtöner, womit er die Bordausstattung der meisten Fernseher locker aussticht. Noch besser klingt er aber mit entsprechend hochwertig angeschlossenen externen Lösungen. Dabei unterstützt er Dolby Atmos und DTS-X.

Fazit

Der AWOL Vision Aetherion Max ist ein ausgezeichneter UST-Projektor, der vor allem mit seiner Bildqualität auch höchsten Ansprüchen gerecht wird. Er bietet eine umfangreiche Ausstattung inklusive Google-TV, hat einen guten integrierten Ton und verbraucht relativ wenig Energie. Seine Bedienung ist grundsätzlich unkompliziert, die Unterstützung durch einwandfrei übersetzte Info-Fenster bei Funktionen vorbildlich. Lediglich die manuelle Ausrichtung vor dem ersten Sehgenuss ist mühsam. Außerdem muss man inklusive Leinwand ganz schön viel Geld für das vorzügliche UST-Beamer-Vergnügen ausgeben.

Quelle: ntv.de

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