Technik
Das Honor 10 hat eine Doppel-Kamera mit intelligenter Motiverkennung.
Das Honor 10 hat eine Doppel-Kamera mit intelligenter Motiverkennung.(Foto: kwe)
Donnerstag, 14. Juni 2018

Top-Smartphone für 350 Euro: Honor 10 ist ein Preishammer

Von Klaus Wedekind

Wer ein preiswertes Smartphone mit Flaggschiff-Qualitäten sucht, kommt um das Honor 10 nicht herum. Es kostet nur 350 Euro, sieht aber klasse aus und bietet in allen Bereichen gute bis sehr gute Technik. Konkurrenzlos günstig ist es aber nicht.

Die Huawei-Tochter Honor hat schon in den vergangenen beiden Jahren gezeigt, dass sie Top-Smartphones zu außergewöhnlich günstigen Preisen anbieten kann. Das neue Honor 10 ist da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Es kostet gerade mal 350 Euro in den Online-Shops großer Anbieter, ist aber in vielen Belangen mehr als doppelt so teuren Geräten ebenbürtig, wie der Alltagstest von n-tv.de ergeben hat.

Man erkennt die Verwandschaft

Wer die Notch nicht mag, ...
Wer die Notch nicht mag, ...(Foto: kwe)

Das Honor 10 hat viel mit dem Huawei P20 gemeinsam: schickes Glasgehäuse, rund 5,8 Zoll großes LCD mit Aussparung für Frontkamera und Sensoren, darunter der Fingerabdrucksensor. Allerdings sind die Objektive der Doppel-Kamera auf der Rückseite beim Honor 10 horizontal statt vertikal angeordnet. Den Stil teilt sich das günstige Flaggschiff mit vielen anderen aktuellen Android-Smartphones, aber es sieht trotzdem gut aus.

Auch im Inneren ist die Verwandtschaft zum P20 unverkennbar. Wie im Huawei-Vorbild steckt im Honor 10 der hauseigene Prozessor Kirin 970, dem 4 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Das chinesische Spar-Flaggschiff ist damit mehr oder weniger genauso stark wie die Smartphone-Oberklasse. Die Top-Geräte gehen zwar meistens mit 6 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Sache, aber im Alltag merkt der Nutzer den Unterschied nicht, solange er nicht exzessives Multitasking mit speicherhungrigen Apps betreibt. Wie beim P20 bringt der Akku mit einer Kapazität von 3400 Milliamperestunden das Honor 10 locker über den Alltag und wenn es eng wird, ist die Batterie schnell wieder geladen.

... kaschiert sie ganz einfach.
... kaschiert sie ganz einfach.(Foto: kwe)

Der interne Speicher ist mit 64 Gigabyte eigentlich groß genug, aber er kann trotzdem knapp werden, da man keine microSD-Karten einstecken kann. Für rund 450 Euro bekommt man auch ein Honor 10 mit 128 Gigabyte, doch dann kann man auch gleich zum P20 greifen, das online inzwischen nur noch 65 Euro mehr kostet.

Kamera hält nur nachts nicht mit

Den größten Unterschied zwischen den beiden Handys aus dem Hause Huawei findet man bei der Doppel-Kamera. Die RGB-/Schwarz-Weiß-Kombi ist zwar auch beim Honor 10 richtig gut und bietet eine intelligente Motiverkennung. So macht das Honor 10 bei Tageslicht in allen Situationen schöne Fotos mit guten Kontrasten und Farben. Auch das künstliche Bokeh bei Porträts sieht ansprechend aus.

Technische Daten
  • System: Android 8.1
  • Display: 5,84 Zoll, LCD, 2280 x 1080 Pixel, 432 ppi
  • Prozessor: Kirin 970, Octa-Core, max. 2,36 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64/128 GB
  • Dual-Kamera: 24 MP, f/1.8 + 16 MP (Mononochrom)
  • Frontkamera: 24 MP, f/2.0
  • WLAN ac, LTE, Bluetooth 4.2, NFC
  • USB-C
  • Akku: 3400 mAh
  • Abmessungen: 149,6 x 71,2 x 7,7 mm
  • Gewicht: 153 g

Aber nachts ist das P20 mit KI-Entwacklung eine Klasse für sich. Da kann das Honor 10, das nicht mal einen optischen Bildstabilisator hat, nicht mithalten. Der Kirin 970 könnte wohl auch beim Honor 10 nachts eine bessere KI-Unterstützung bieten. Doch verwacklungsfreie Langzeitbelichtungen behält Huawei wohl seiner Leica-Oberklasse vor. Trotzdem schlägt sich auch das günstige Smartphone bei schwachem Licht recht wacker. Und das Honor 10 hat wie das P20 und das P20 Pro eine starke Selfie-Kamera mit 24 Megapixeln.

Versteckter Fingerabdrucksensor

Auch das Display ist nicht ganz so gut wie das des P20, denn den Bildschirm hat das Honor 10 wohl vom P20 Lite geerbt. Dieses Panel wirkt etwas weniger knackig und hell als das Display des P20. Aber die Unterschiede sind nicht besonders groß, der Bildschirm ist gut.

Der Fingerabdrucksensor verschwindet beim Honor 10 ohne Vertiefung komplett unter dem Displayglas. Das sieht zwar gut aus, doch der Finger findet den Sensor nicht immer auf Anhieb, wenn man nicht hinsieht. Im Test reagierte er zunächst etwas träge, nach einem Update ist er aber so flott wie bei anderen Huawei-Geräten.

Nicht unschlagbar günstig

Trotz der kleinen Schwächen ist das Honor 10 ein sehr gutes Smartphone. Es erreicht zwar nur in einigen Bereichen Oberklasse-Niveau, bietet aber sonst durchgehend gehobene Mittelklasse. Für 350 Euro bekommt man zurzeit kaum ein besseres Smartphone. Wenn man aber kleinere Abstriche macht, gibt es für noch weniger Geld fast ebenbürtige Geräte.

Eine interessante Alternative ist das Nokia 7 Plus, das zwar einen schwächeren Prozessor hat, dafür aber pures Android mit Upgrade-Garantie und einen erweiterbaren Speicher bietet. Es kostet online rund 370 Euro. Noch günstiger, aber trotzdem gut sind das Nokia 6.1 und das Moto G6, die man ab 260 beziehungsweise 250 Euro bekommen kann.

Quelle: n-tv.de