Technik
Schimmerndes Blau: Das Honor 9 Lite hat einen schicken Glasrücken.
Schimmerndes Blau: Das Honor 9 Lite hat einen schicken Glasrücken.(Foto: jwa)
Dienstag, 06. Februar 2018

Günstig und mit Dual-Frontkamera: Ist das Honor 9 Lite der neue Selfie-König?

Von Johannes Wallat

Das 9 Lite ist das erste Honor-Smartphone mit Dual-Frontkamera. Es ist günstig, flott und sieht gut aus - doch den niedrigen Preis gibt's nicht ohne Kompromisse.

Das Honor 9 Lite ist das vierte Honor-Smartphone in rund drei Monaten. Es ist kaum acht Wochen her, dass die Huawei-Tochter in London ihr Flaggschiff View 10 vorgestellt hat. Anfang Dezember feierte das KI-Smartphone der Chinesen Premiere, zusammen mit dem Mittelklasse-Modell Honor 7X. Nur rund einen Monat vorher kam das Einsteiger-Gerät Honor 6C Pro auf den Markt, jetzt gibt es schon wieder ein neues Gerät. Das 9 Lite ist ein günstiger Ableger des Honor 9 mit abgespeckter Technik, 18:9-Display, zeitgemäßem Design und einer Frontkamera mit Doppel-Linse.

Optik macht was her

Technische Daten
  • System: Android 8.0, EMUI 8.0
  • Display: 5,65 Zoll, LCD, Full HD+ (2160 x 1080 Pixel), 428 ppi
  • Prozessor: Kirin 659 Octa-Core
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Kamera: 13+2 MP Dual-Kamera
  • Frontkamera: 13+2 MP Dual-Kamera
  • WLAN b/g/n, Bluetooth 4.2, NFC
  • Micro-USB 2.0
  • Akku: 3000 mAh
  • Maße: 151 x 71,9 x 7,6 mm
  • Gewicht: ca. 149 g

Damit macht der Neuzugang im Honor-Team optisch einiges her. Vorder- und Rückseite des Gehäuses sind aus Glas, der Rahmen aus Kunststoff in der gleichen Farbe, der Finger-Scanner ist auf der Rückseite gut aufgehoben. Das Display nimmt ähnlich viel Platz ein wie beim Honor 7X, der Rahmen ist wie beim View 10 in der gleichen Farbe gehalten wie der Rest des Gehäuses - das sieht schick aus. Die Dual-Kamera steht ganz leicht hervor, das stört aber nicht weiter, das Gehäuse spiegelt stark und kann so ohne weiteres auch als Taschenspiegel herhalten - Schmierspuren und Fingerabdrücke natürlich inklusive.

Was das Design verspricht, kann die Technik aber nicht ganz halten. Im Innern des 9 Lite steckt, wie der Name schon andeutet, kein Spitzenmaterial, sondern abgespeckte Hardware. Ausschussware ist das zwar nicht, doch Details wie der Micro-USB-Steckplatz wirken anno 2018 schon veraltet. Der Prozessor, ein Kirin 659, ist der gleiche wie im Honor 7X, ihm stehen aber nur 3 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher zur Verfügung. Der interne Speicher ist mit 32 GB nur halb so groß wie beim 7X, lässt sich aber per microSD-Karte erweitern. Immerhin: Honor spendiert den ersten Käufern eine 64-GB-Karte.

Das Display des Honor 9 Lite kommt im zeitgemäßen 18:9-Format.
Das Display des Honor 9 Lite kommt im zeitgemäßen 18:9-Format.(Foto: jwa)

Auch gut: Das Betriebssystem ist Android 8, mit EMUI 8 stellt Honor die aktuellste Version seiner Benutzeroberfläche bereit. Das System reagiert flüssig und weitgehend verzögerungsfrei, aber gefühlt nicht ganz so zackig wie bei Honors Spitzenmodellen. Macht nichts, für ein besseres Einsteigergerät liefert es gut ab. Übrigens: Die Technik ist bis auf ein wichtiges Detail komplett identisch zum erst kürzlich vorgestellten Huawei P Smart - noch ein Smartphone, das zwar unter der Flagge der Konzernmutter fährt, sich ansonsten aber kaum vom 9 Lite unterscheidet. 

Kamera dem Preis entsprechend

Besser als beim P Smart, aber insgesamt etwas enttäuschend ist die Kamera, auf die Honor beim 9 Lite besonderen Wert legt. Die Dual-Kamera an der Front ist nicht nur für Honor ein Novum, auch sonst gibt es bisher kaum Smartphones mit zwei Frontlinsen. Bei Tageslicht sind die Aufnahmen der Frontlinse tatsächlich auch überzeugend und die Hintergrund-Unschärfe berechnet die Software mithilfe der Doppel-Linse präzise. Schön ist, dass man im Nachhinein die Schärfeebene festlegen und den Unschärfeffekt per Schieberegler verstärken oder abschwächen kann. Nettes Extra sind zudem die Filter, die sich nur auf den Hintergrund anwenden lassen.

Abgesehen von diesen nützlichen Selfie-Tools sind beide Kameras des 9 Lite aber eben nur so gut, wie es ein 230-Euro-Smartphone zulässt. Bei Tageslicht machen Front- und Hauptkamera gute Bilder, der Offenblende-Effekt arbeitet recht genau und liefert bei vorsichtigem Einsatz ansprechende Ergebnisse. Abends und bei wenig Licht knickt die Leistung aber stark ein. Testfotos wirken nicht nur farblos und blass, sondern haben auch einen deutlichen Rotstich und lassen Schärfe vermissen. Die App hat nützliche Funktionen wie den Profi-Modus, ist aber nicht ganz so umfangreich wie bei den Spitzenmodellen.

Im Grunde gibt es beim Honor 9 Lite wenig Grund zur Kritik, und selbst bei der etwas enttäuschenden Kamera muss man relativieren und die Bildqualität vor dem Hintergrund des niedrigen Preises sehen. Ein Smartphone, das 230 Euro kostet, kann eben keine sehr gute Kamera haben, denn die würde den Preis unweigerlich in die Höhe treiben. Wer sich für das Honor 9 Lite entscheidet, sollte das wissen - und sich nicht von allzu blumigen Marketingversprechen blenden lassen. Nötig hat Honor diese ohnehin nicht, denn auch mit mittelmäßiger Kameraleistung ist das 9 Lite sein Geld wert - und das Huawei P Smart damit praktisch überflüssig. 

Quelle: n-tv.de