"Günstige" Ultra-AlternativeSo gut ist der neue Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)
Von Klaus Wedekind%20Test%20(2%20von%205).webp)
Die zweite Generation des Bose QuietComfort Kopfhörers glänzt mit tollem Raumklang, starker aktiver Geräuschunterdrückung und einem runden Sound. Außerdem ist er extrem bequem. Die Kaufentscheidung macht er einem aber trotzdem nicht leicht.
Vor einem Jahr zeigte der Bose QuietComfort Ultra Kopfhörer (2. Gen.) im Praxistest eine Spitzenleistung. Allerdings war auch sein Startpreis mit 450 Euro entsprechend hoch. Die zweite Generation des Basismodells QuietComfort Kopfhörer soll eine günstigere Alternative mit ähnlich starken Eigenschaften sein. ntv.de hat ausprobiert, ob das so ist.
Unkomplizierte Steuerung
Auf den ersten Blick sieht der Neuling exakt wie sein Vorgänger aus. Doch sieht man genauer hin, erkennt man Designveränderungen am Bügel, der jetzt stufenlos angepasst wird. Verschoben wird er direkt über den Muscheln, die den Ohren noch mehr Luft als bisher lassen. Damit hat Bose den Tragekomfort noch etwas verbessert. Insgesamt sitzt der 230 Gramm leichte Kopfhörer äußerst bequem und drückt auch nach mehreren Stunden nicht unangenehm. Das gilt dank sehr weicher Polster auch bei Brillenträgern.
Die Steuerung der Wiedergabe und von Telefonaten erfolgt unverändert unkompliziert über physische Tasten, die ideal für den Daumen an der rechten Muschel untergebracht sind. Links gibt es einen Knopf, um zwischen aktiver Geräuschunterdrückung, Transparenz und anderen Modi zu wechseln. Außerdem kann er dazu dienen, auf einen digitalen Assistenten zuzugreifen oder die Spotify-Wiedergabe fortzusetzen.
Tolles 3D-Audio
Neu ist, dass man über ihn auch durch die Modi einer immersiven Audio-Wiedergabe wechseln kann. Das heißt, man kann einen 3D-Klang (TrueSpatial) aktivieren oder ausschalten und festlegen, ob die Ton-Richtung der Kopfbewegung folgt oder fixiert ist (Kinomodus). Diese Funktion war bisher dem QuietComfort Kopfhörer Ultra vorbehalten.
Der Effekt ist Bose außerordentlich gut gelungen. Er gibt dem Klang eine deutlich weitere Bühne, ohne ihn allzu sehr zu verfälschen. Das gilt speziell für moderne Aufnahmen. Bei älteren Stücken macht TrueSpatial zwar ebenfalls Spaß, wirkt aber etwas unnatürlich. Ist der Ton fixiert, nimmt man keine Verzögerung wahr, wenn man den Kopf dreht.
Schöner Klang
Der insgesamt warme Klang wird von kräftigen Bässen mit ordentlich Tiefgang getragen. Sie sind sehr präsent, lassen aber den gut gelaunten Mitten genug Platz zur Entfaltung. Die Höhen sind glasklar, aber alles andere als aggressiv. Dadurch liefert der Kopfhörer bei jedem Musikstil eine gelungene Vorstellung, lässt es aber für manche Geschmäcker gelegentlich an Biss mangeln.
Aktiviert man TrueSpatial, ist der Klang heller und spritziger, weshalb man es nach einer Weile gar nicht mehr abschalten mag. Wahlweise findet man in der zugehörigen App einen Equalizer mit vier voreingestellten Modi und der Möglichkeit Bässe, Mitten und Höhen manuell abzustimmen. Viel mehr hat die Anwendung nicht zu bieten, da sind etliche Konkurrenten wesentlich großzügiger versorgt.
Der Kopfhörer funkt mit Bluetooth 5.4, was nicht mehr als die Möglichkeit bietet, mit zwei Geräten gleichzeitig verbunden zu sein. Höher auflösende Codecs unterstützt auch der neue QuietComfort Kopfhörer laut Datenblatt nicht. Immerhin kann man über den USB-C-Anschluss verkabelt verlustfrei Musik hören.
Starkes ANC, hohe Ausdauer
Wie es sich für ANC-Pionier Bose gehört, ist die aktive Geräuschunterdrückung exzellent. Man kann die Stärke in der App in zehn Stufen regeln, einen adaptiven Modus gibt es nicht. Auf höchster Stufe schluckt das ANC gleichmäßiges Rauschen fast vollständig, speziell bei tieferen Frequenzen. Aber auch im Büro dämpft es klappernde Tastaturen oder Gespräche von Kollegen deutlich. Neu ist, dass sich die Geräuschunterdrückung an eine schlechtere passive Abschirmung, beispielsweise durch Brillenbügel, anpasst. Vielleicht ist der Ultra auf diesem Gebiet noch stärker, in der Praxis spielt das aber keine Rolle, der QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) hat ein top ANC.
Auf einem ähnlich hohen Niveau arbeitet der Transparenzmodus, der ohne starkes Grundrauschen sehr natürlich wirkt. Dazu kann man ActiveSense aktivieren. Dabei setzt der Kopfhörer automatisch und der Situation entsprechend dosiert ANC ein, wenn es in der Umgebung laut wird. Auch bei Telefonaten macht die Geräuschunterdrückung einen guten Job.
Die Ausdauer ist mit bis zu 24 Stunden sehr gut. Mit aktiviertem Raumklang hält der Kopfhörer immerhin noch bis zu 18 Stunden durch. Bei einem leeren Akku genügen 15 Minuten am Ladegerät, um wieder rund 2,5 Stunden Musik abspielen zu können.
Fazit
Ja, der Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) ist nicht weit weg von seinem Ultra-Kollegen. Er glänzt mit einem starken ANC, einem sehr gefälligen Klang der jetzt auch 3D-Audio bietet, einem hohen Tragekomfort und einer sehr guten Ausdauer. Allerdings geht er für knapp 350 Euro an den Start, womit man ihn kaum einen Preis-Leistungs-Tipp nennen kann.
Für die gleiche Summe bekommt man aktuell den Sony-Champion WH-1000XM6. Und was es noch schlimmer für den Neuling macht: Der QuietComfort Ultra Kopfhörer (2. Gen.) ist online inzwischen bereits ab 330 Euro zu bekommen. Boses Neuer wird seinen Preis daher voraussichtlich nicht lange halten können, Interessenten sollten also vielleicht etwas warten.
