Klang, ANC, VielseitigkeitDer Sonos Ace Ultra setzt neue Kopfhörer-Maßstäbe
Von Klaus Wedekind.webp)
Sonos verbessert den Ace in fast jeder Hinsicht. Als Ultra glänzt er mit einem ausgefeilten Klang, einer extrem effizienten aktiven Geräuschunterdrückung und hoher Ausdauer. Außerdem fügt er sich nahtlos in ein WLAN-System des Herstellers ein. Einen willkommenen Rückschritt macht Sonos lediglich beim Startpreis.
Rund zwei Jahre nach der Premiere seines ersten Kopfhörers legt Sonos mit dem Ace Ultra nach. Er setzt in nahezu jedem Bereich noch eine Schippe drauf. Besonders spannend ist seine komplette Integration ins WLAN-Streaming-System des Herstellers, aber nicht nur damit beeindruckt der Kopfhörer im Praxistest von ntv.de.
Bequem und mit neuem Dreh
Das grundsätzliche Design hat Sonos beibehalten. Doch an den breiteren und teilweise unterschiedlich platzierten Mikrofon-Abdeckungen sieht man auch von außen, dass sich im Inneren etwas getan hat. Zusätzlich zeigt der Neue mit einem metallisch glänzendem Logo und zwei neuen Farben, dass er ein Ultra ist.
Und was man erst später merkt: Trägt man den Ace Ultra um den Hals, können die Muschel-Polster aufliegen. Beim Vorgänger ließen sie sich nur nach außen drehen. Die kleine, aber feine Änderung zeigt, dass sich der Hersteller Kritik zu Herzen genommen hat - auch bei Details.
Ansonsten sitzt der 325 Gramm schwere Ultra ebenso bequem, aber sicher auf dem Kopf. Die lang gezogenen Muscheln lassen den Ohren viel Luft und die magnetisch anhaftenden Polster sind weich und dick genug um auch Brillenbügel komfortabel zu umschließen.
Ausgezeichnete Steuerung
Die Steuerung hat Sonos zum Glück unverändert übernommen. Statt auf berührungsempfindliche Flächen hat der Ace Ultra ausschließlich physische Tasten, die die Daumen leicht finden und unterscheiden können. Die meisten Dinge regelt eine große Multifunktionstaste an der rechten Muschel. Die Lautstärke verändert man, indem man sie nach oben oder unten schiebt. Alle weiteren Funktionen erledigt man, indem man sie ein-, zwei- oder dreimal drückt.
Darunter sitzt eine runde Taste, mit der man zwischen Geräuschunterdrückung und Transparenzmodus wechselt oder alle Effekte ausschaltet. Hält man sie länger gedrückt, ruft man auf Wunsch einen Sprachassistenten auf. Die längliche Taste an der linken Muschel dient zum Ein- oder Ausschalten und zur Bluetooth-Kopplung.
Neues Wechselspiel im System
Über einen langen Druck auf die Multifunktionstaste kann man wie bisher die Wiedergabe von einer kompatiblen TV-Soundbar des Herstellers inklusive Surround-Sound oder sogar Dolby Atmos übernehmen. Auf die gleiche Weise übergibt man sie wieder an den Lautsprecher.
Der Ace Ultra kann noch mehr. Es ist nicht nur möglich, zwei Kopfhörer parallel die Soundbar-Wiedergabe übernehmen zu lassen. Der Ultra fügt sich auch wie alle anderen Sonos-Lautsprecher in ein gemeinsames WLAN-System ein. Dabei kann er - vorerst - nicht mit anderen Speakern in einem Verbund Inhalte abspielen. Aber er kann die Wiedergabe wie beim sogenannten TV Audio Swap per Tastendruck übernehmen und zurückgeben.
Das neue Wechselspiel ist noch in der Betaphase. Wichtig ist, dass man Streaminginhalte von der Sonos-App aus startet. Wählt man eine Quelle in Spotify oder einer anderen Drittanbieter-App aus, klappt die Übergabe nicht. Zudem beißt sich das Feature mit Lautsprecher-Gruppen, die beim Wechsel aufgelöst werden. Feste Kombinationen wie eine Soundbar mit Subwoofer und Satelliten bleiben aber bestehen.
Im Test haben die Wechsel zwar bereits recht gut funktioniert, aber es hakt noch an manchen Stellen. Manchmal spielen Kopfhörer und Lautsprecher beispielsweise Inhalte nicht abwechselnd, sondern zeitversetzt ab oder die Übergabe bleibt komplett hängen. Nicht schlimm, die Funktion ist noch in der Entwicklung, aber hoffentlich nicht mehr lange.
Klasse Klang
Was den Klang betrifft, liefert der Kopfhörer mit neu entwickelten Treibern bereits jetzt voll ab. Um ihn in bester Qualität zu hören, hat ntv.de den Sennheiser-Bluetooth-Dongle BTD 700 verwendet, der hochwertige Übertragungen über aptX ermöglicht. Wahlweise wurde Musik verkabelt über USB-C verlustfrei gehört. WLAN lief beim Soundcheck außer Konkurrenz mit, da hier aktuell nur eine komprimierte Übertragung möglich ist.
Der Klang wirkt jetzt allgemein noch etwas definierter. Auch bei geringer Lautstärke sind die Bässe kräftig und haben ordentlich Tiefgang. Die Mitten bestimmen selbstbewusst die weite, für geschlossene Kopfhörer recht luftige Bühne. Glasklare Höhen liefern viele Details. Hört man lauter, behält der Kopfhörer souverän die Kontrolle. Die Abstimmung ist angenehm warm, bewahrt aber eine angemessene Neutralität.
Die von einer Soundbar übernommene Wiedergabe macht richtig Spaß, speziell, wenn sie Dolby Atmos mit sich bringt. Der Ace Ultra liefert tollen 3D-Klang und beherrscht verzögerungsfreies Head-Tracking. Wenn man mit dem Klang trotzdem nicht zufrieden ist, bietet die App jetzt einen Equalizer, der zur Feinabstimmung auf acht Kanäle erweitert werden kann.
Hervorragendes ANC
Um die bereits sehr gute aktive Geräuschunterdrückung des Ace noch zu verbessern, hat Sonos beim Ultra zehn statt acht Mikrofone eingebaut. Das Active Noice Cancelling (ANC) passt sich an den Sitz des Kopfhörers an, selbst kann man keine Anpassungen vornehmen. Der Unterschied ist nicht gewaltig, schließlich gehört schon der Vorgänger auf diesem Gebiet zu den Besten. Speziell bei gleichmäßigem Rauschen wie in Zügen oder Flugzeugen ist es Sonos aber gelungen noch eine kleine Schippe draufzulegen - er schluckt es fast vollständig.
Auch Spül- oder Waschmaschinen lässt der Ultra komplett verstummen, starken Wind steckt er recht souverän weg. Klappernde Tastaturen oder andere höherfrequente Geräusche filtert er nicht ganz so effizient heraus. Aber auch das genügt, um bereits bei leiser Musik nichts mehr davon zu hören. Angenehm ist das sehr geringe Grundrauschen, was auch beim ansonsten angenehm natürlich klingenden Transparenzmodus der Fall ist.
Die Gesprächsqualität bei Telefonaten ist ebenfalls ausgezeichnet. Beide Seiten klingen gut, man selbst wird auch in lauten Umgebungen noch problemlos verstanden.
Hohe Ausdauer, Wechsel-Akku
Die Ausdauer gibt Sonos mit bis zu 35 Stunden an, was dem Praxistest nach absolut realistisch ist. Damit toppt der Ultra die bereits hohe Laufzeit des Vorgängers um fünf Stunden. Im WLAN-Einsatz verbraucht der Kopfhörer allerdings wesentlich mehr, geschätzt kommt er dann höchstens auf 15 Stunden. Die Restlaufzeit zeigt die App an. In der Anwendung kann man notfalls auch einen "reduzierten Stromverbrauch" aktivieren, wobei unter anderem die Lautstärke und das ANC eingeschränkt werden.
Außerdem lässt sich ein Schnelllade-Modus einschalten, bei dem ein leerer Akku nach drei Minuten am Netzteil wieder drei Stunden durchhält. Langfristig kann das die Batterieleistung einschränken, schreibt Sonos. Da ist es beruhigend, dass man den Akku austauschen kann.
Fazit
Der Sonos Ace Ultra ist schon alleine für sich einer der besten Bluetooth-Bügelkopfhörer, die man aktuell kaufen kann. In Kombination mit einem heimischen WLAN-System des Herstellers ist er unschlagbar gut, die ideale Kombination für zu Hause und unterwegs. Allerdings ist er mit einem Preis von knapp 449 Euro auch richtig teuer.
Zwar kam der Vorgänger sogar 50 Euro teurer auf den Markt, inzwischen bekommt man ihn aber ab rund 300 Euro. Das macht ihn zu einer interessanten Alternative, wenn man die neue Systemeinbindung nicht unbedingt braucht. Denn ansonsten ist der "alte" Sonos Ace kaum schwächer.
