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Nokia 3.4 und Xiaomi Poco M3 Zwei empfehlenswerte 150-Euro-Smartphones

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Das Xiaomi Poco M3 und das Nokia 3.4 sind würdige Vertreter der 150-Euro-Klasse.

(Foto: kwe)

Das Nokia 3.4 und das Xiaomi Poco M3 beweisen, dass Smartphones für 150 Euro gute Alltagsbegleiter sein können. Das eine Einsteiger-Gerät kann mit der stärkeren Hardware punkten, das andere überzeugt vor allem durch seine Software. Ausdauernd sind beide.

Es ist noch nicht allzu lange her, da musste ntv.de beim Test von 150-Euro-Smartphones darauf achten, ob das Gerät auch einigermaßen ordentlich zusammengebaut wurde. Display, Prozessor oder Kamera waren bestenfalls akzeptabel und oft verwendeten die Hersteller Bauteile, die aus früheren Produktionen übrig geblieben waren. Doch das hat sich geändert, für 150 Euro bekommt man jetzt Smartphones, die mehr als brauchbare Alltagsbegleiter sind. Die besten Beweise dafür sind das Nokia 3.4 und das Xiaomi Poco M3.

Nokia 3.4

Der finnische Hersteller HMD setzt seit seinem Nokia-Comeback 2017 auf Smartphones mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis und eine enge Kooperation mit Google. Das Nokia 3.4 ist der jüngste Vertreter dieser Unternehmensstrategie.

Der erste Eindruck des Dual-SIM-Smartphones ist sehr gut. In dieser Preisklasse kommt zwar hauptsächlich Plastik zum Einsatz, aber das ist eher ein Vor- als ein Nachteil. Denn mit einer geriffelten Kunststoff-Rückseite ist das Gerät sehr griffig und weniger empfindlich als Smartphones mit glänzenden Glas-Hüllen. Die Verarbeitung ist außerdem hochwertig und man hat nicht das Gefühl, ein billiges Handy in der Hand zu halten. Wasserfest ist das Gerät allerdings nicht, diese Eigenschaft bleibt vorerst teureren Smartphones vorbehalten.

Am ehesten sieht man dem Nokia 3.4 seinen kleinen Preis am rund 6,4 Zoll großem Display an. Denn das LCD löst nur mit HD+ auf, was gerade mal für eine Pixeldichte von knapp 270 ppi reicht. Die Schärfe ist aber noch ausreichend und ansonsten ist der Bildschirm absolut okay.

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Bis auf die unterschiedliche Auflösung ist die Qualität der Displays sehr ähnlich.

(Foto: kwe)

Auch von der Leistung darf man sich vom Qualcomm-Chip Snapdragon 460, der auf 3 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher zugreifen kann, nicht zu viel erwarten. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite lässt sich einen kleinen Augenblick Zeit, bevor er das Display entsperrt, ebenso starten Apps mit leichter Verzögerung. Das ist aber alles noch im grünen Bereich und man wird nicht wirklich ausgebremst, solange man das Gerät nicht mit aufwändigen Spielen oder ausgiebigem Multitasking überlastet.

Die bescheidene Hardware hat den großen Vorteil, dass sie nicht besonders viel Strom verbraucht. Und weil der Akku 4000 Milliamperestunden (mAh) fasst, hält das Nokia 3.4 bei normalem Gebrauch auch bis zu zwei Tage durch. Vollgetankt wird die Batterie am besten über Nacht, weil die Ladegeschwindigkeit nicht berauschend ist.

Garantierte Updates

Der mit microSD-Karten erweiterbare Flash-Speicher ist 64 GB groß, was absolut ausreichend ist, weil das Betriebssystem nur 15 GB davon beansprucht. So sind trotz insgesamt 172 installierten Apps auf dem Testgerät abzüglich Fotos und Videos von 64 noch 36 GB Speicher verfügbar. Das liegt daran, dass das Nokia 3.4 eines der wenigen Android-One-Geräte ist. Das heißt, auf dem Gerät ist quasi die pure Google-Version des Betriebssystems ohne eigene Benutzeroberfläche des Herstellers installiert.

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Die Nachtaufnahmen des Nokia 3.4 sind nicht so toll.

(Foto: kwe)

Einerseits bedeutet das eine klare, übersichtliche Software, die trotz bescheidener Hardware immer rund läuft. Andererseits garantiert das Android-One-Programm zwei große Updates des Betriebssystems und drei Jahre Sicherheitsupdates. Noch ist auf dem Gerät Android 10 installiert, laut HMD-Fahrplan kommt die Aktualisierung auf Version 11 im ersten Quartal 2021.

Akzeptable Kameraausstattung

Für ein 150-Euro-Smartphone ist die Dreifach-Kamera auf der Rückseite durchaus nicht schlecht. Vor allem die Hauptkamera macht mit 13 Megapixeln (MP) bei ausreichend Licht hübsche Fotos mit guten Kontrasten und Farben. Wenn die Sonne scheint, ist auch die Ultraweitwinkel-Kamera zu gebrauchen. Sie liefert mit 5 MP allerdings wenig Details und ihre Bilder vermatschen an den Seiten sichtbar.

Mit wenig Licht kommen beide Knipsen nicht gut zurecht. Die Hauptkamera hält sich in der Dämmerung aber noch ganz wacker und hat sogar einen erträglichen Nachtmodus. Der zusätzliche Tiefensensor bringt wenig, das künstliche Bokeh bei Porträts sieht schon sehr künstlich aus.

Xiaomi Poco M3

Seit dem Herbst 2019 drängt Xiaomi in Deutschland aggressiv in die große Lücke, die Huawei hinterlassen musste, nachdem es durch den US-Boykott in ein Nischendasein ohne Google-Dienste gezwungen wurde. Der chinesische Newcomer kämpft mit fast gnadenlos kalkulierten Preisen. Das trifft auch auf das Poco M3 zu, das für 150 Euro eine ziemlich starke Hardware bietet.

Das beginnt schon beim 6,5 Zoll großem Display. Zwar ist es auch nur ein LCD und kein OLED-Panel. Aber die Auflösung des Bildschirms beträgt Full-HD+, wodurch seine Pixeldichte knapp 400 ppi beträgt. Farben und Kontraste sind gut und das Display kann recht hell leuchten.

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Ausdauernd sind beide Geräte, das Poco M3 hat aber den dickeren Akku.

(Foto: kwe)

Was das Design betrifft, beweist Xiaomi Selbstvertrauen. Denn auf der Rückseite steht auf der breiten, gläsernen Einfassung der Kamera in sehr großen Buchstaben "POCO". Das ist nicht unbedingt schick, aber auf jeden Fall auffallend.

Außer dieser Glasfläche besteht auch das Gehäuse des Poco M3 komplett aus Kunststoff. Aber wie beim Nokia 3.4 gilt, dass die Verarbeitung sehr gut ist. Und auch das chinesische 150-Euro-Smartphone liegt sicher in der Hand, da die Rückseite eine lederähnliche Struktur hat. Obwohl sie so schon robust ist, liefert Xiaomi noch eine Silikon-Hülle mit.

Ausdauerndes Dickerchen

Mit fast 200 Gramm ist das Poco M3 rund 20 Gramm schwerer als Nokias Einsteiger-Gerät und ist auch ein wenig pummeliger. Das hat aber einen sehr guten Grund: Der Akku fasst enorme 6000 mAh. Damit kommt das Smartphone locker über zwei Tage. Und wenn die Batterie doch mal frühzeitig erschöpft ist, ist sie mit dem mitgelieferten 25,5-Watt-Netzteil schnell wieder aufgeladen.

Auch beim Prozessor hat sich Xiaomi nicht lumpen lassen und treibt das Poco M3 mit dem Snapdragon 662 an, der immerhin ein Chip der unteren Mittelklasse ist. Das Testgerät ist mit 4 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Flash-Speicher ausgestattet. Das ist eine gute Wahl, dann kostet das Poco M3 aber statt 150 knapp 170 Euro. Die Standard-Variante bietet 64 und 3 GB. Wie beim Nokia 3.4 ist der Speicher durch microSD-Karten erweiterbar und der Einschub bietet Platz für zwei SIM-Karten.

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Bis auf die dunklen Bereiche sehen Nachtaufnahmen des Poco M3 recht gut aus.

(Foto: kwe)

Solange nicht mehrere Apps gleichzeitig laufen, sollte sich der Unterschied beim Arbeitsspeicher kaum auf die Geschwindigkeit auswirken. Und da merkt man schon, dass das Xiaomi-Smartphone besser bestückt ist als das Nokia 3.4. Apps starten sichtbar schneller und der Fingerabdrucksensor in der Einschalt-Taste entsperrt das Gerät fast verzögerungsfrei.

Gute Hauptkamera

Eine Tele- oder Ultraweitwinkel-Kamera sucht man beim Poco M3 vergeblich. Das Gerät hat zwar drei Objektive auf der Rückseite, aber die 2-MP-Makro-Kamera und den Tiefensensor kann man getrost ignorieren. Relevant ist nur die Hauptkamera, die mit beachtlichen 48 MP auflöst. Damit liefert sie bei Tageslicht detailreiche Fotos und bietet einen ziemlich brauchbaren digitalen Zoom. Wenn's dunkler wird, schwächelt zwar auch die Xiaomi-Knipse, aber sie kommt mit weniger Licht besser zurecht. Ihr Nachtmodus ist nicht schlecht, aber im Detail auch keine Augenweide.

Wie das Nokia 3.4 wird das Xiaomi Poco M3 noch mit Android 10 ausgeliefert, soll aber auch in nicht allzu ferner Zukunft das Update auf die jüngste Version des Betriebssystems erhalten. Android 12 ist möglich, weil Xiaomi zu den Herstellern mit guter Update-Politik gehört. Garantiert ist dies aber nicht, in dieser Preisklasse sogar eher unwahrscheinlich.

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Statt purem Android bekommt man es beim M3 mit Xiaomis Benutzeroberfläche MIUI 12 zu tun. Ihr Design ist Geschmackssache, die Anpassung der Einstellungen aber eine Verschlimmbesserung, wenn man eher unverfälschtes Google-Android gewohnt ist. Überladen ist MIUI 12 allerdings nicht, mit insgesamt 186 Apps sind auf dem Testgerät von 128 noch 97 GB verfügbar.

Bessere Hardware gegen Update-Garantie

Das Nokia 3.4 und das Poco M3 sind beides für ihren geringen Preis gute Smartphones. Beide Geräte sind aktuell für rund 150 Euro zu haben, wobei der offizielle Verkauf des M3 am 17. Dezember beginnt. Das Nokia 3.4 ist bereits im Verkauf. Die bessere Hardware bietet klar das Xiaomi-Gerät. Der finnische Kontrahent hält mit der einfacheren Software und garantierten Updates dagegen.

Quelle: ntv.de