Wirtschaft

Machtkampf in der Corona-Krise Trump will Huaweis Chip-Sparte zerstören

HiSilicon Chip.JPG

Huaweis Tochter HiSilicon gehört seit Kurzem zu den Top 10 der Halbleiter-Branche.

(Foto: REUTERS)

Die USA verschärfen die Sanktionen gegen Huawei. Neue Regeln sollen verhindern, dass der chinesische Konzern weiter an Halbleiter-Produkte kommt. Schwer getroffen durch die neuen Maßnahmen ist neben Huawei der weltgrößte Chip-Lieferant TSMC.

Im Streit über den Einfluss des chinesischen Konzerns Huawei legt die US-Regierung nach. Hersteller dürften ohne spezielle Lizenz keine Halbleiter an die Chip-Tochter HiSilicon des weltweit zweitgrößten Smartphone-Herstellers liefern, sofern diese auf Software und Technologie aus den USA beruhten, erklärte das US-Handelsministerium. Eine entsprechende Exportvorschrift werde ergänzt, weil Huawei bisherige Exportkontrollen unterlaufe.

Die Verschärfung im Handelskrieg kommt nur wenige Tage, nachdem Huaweis Halbleiter-Sparte die Top 10 der weltweiten Chip-Hersteller erreicht hat. Dem Marktforschungsunternehmen IC Insights nach kletterte HiSilicon innerhalb eines Jahres um fünf Plätze auf Rang 10 und verdrängte den deutschen Hersteller Infineon.

TSMC hart getroffen

Die Maßnahme trifft nicht nur Huawei, sondern auch den taiwanischen Chiphersteller TSMC hart, der den chinesischen Konzern sowie Apple und Qualcomm beliefert. Laut IC Insights machten die Lieferungen an HiSilicon im vergangenen Jahr 14 Prozent der TSMC-Umsätze aus. Die in den USA notierten Aktien von TSMC, des weltgrößten Auftragsfertigers für Computerchips, fielen daraufhin vorbörslich um gut zwei Prozent.

Wie Reuters Ende März berichtete, war die neue Eskalation von der US-Regierung schon länger geplant. Demnach wollte die Trump-Regierung vor allem die Lieferungen von TSMC an Huawei unterbinden. Um den befürchteten neuen Restriktionen zuvorzukommen, ging der chinesische Hersteller laut "Nikkei Asian Review" Ende April eine Kooperation mit dem französisch-italienischen Chip-Produzenten STMicroelectronics ein, der Fabriken in Frankreich, Italien und Singapur hat, aber auch bei TSMC bestellt.

Software-Plan vereitelt

Das europäische Unternehmen liefert unter anderem Microcontroller an BMW und Tesla, wodurch Huawei auch Zutritt in die Automobil-Branche erhält. Außerdem hätten die Chinesen durch den Deal Zugang zu Software zur Chip-Herstellung erhalten, die unter den US-Boykott falle, schreibt "Nikkei Asian". Diese Pläne hat die US-Regierung mit den neuen Sanktionen wohl durchkreuzt. Denn STMicroelectronics produziert in seinen Fabriken nur einfachere Chips, Highend-Prozessoren lässt es von TSMC fertigen.

Mehr zum Thema

Der taiwanische Marktführer ist offenbar bemüht, sich mit den USA gutzustellen. So hat er jetzt angekündigt, rund 12 Milliarden Dollar in eine neue Fabrik in Arizona zu investieren. Das wiederum könnte den Handelskrieg weiter anfachen, da China das demokratisch regierte Taiwan als Teil der Volksrepublik betrachtet und sich zuletzt verärgert über eine verstärkte Unterstützung der US-Regierung für die Insel gezeigt hat.

Die Furcht vor neuerlichen Spannungen zwischen den USA und China hat auch die Kauflaune an den europäischen Aktienmärkten getrübt. Der Dax gab einen großen Teil seiner anfänglichen Gewinne ab und notierte am Nachmittag 0,8 Prozent fester bei 10.421 Punkten. Der EuroStoxx50 lag sogar nur noch 0,2 Prozent im Plus bei 2766 Zählern. In den USA signalisierten die Futures Kursverluste zum Handelsauftakt. Es bestehe die Sorge, dass ein neu aufflammender Handelsstreit eine noch tiefere Wirtschaftskrise auslösen könnte als die Coronavirus-Pandemie, sagte Art Hogan, Chefstratege beim US-Finanzdienstleister National Securities. Gefragt war die "Krisen-Währung" Gold, die 0,5 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1738,36 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) stieg.

Quelle: ntv.de, kwe/rts