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"Bürger zweiter Klasse" Ministerpräsidenten Haseloff und Woidke beklagen Benachteiligung der Ostdeutschen

Die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und Brandenburg, Reiner Haseloff (CDU) und Dietmar Woidke (SPD), sehen die Menschen in Ostdeutschland weiterhin gegenüber Bürgern im Westen benachteiligt.

"Die Jahresarbeitszeit im Osten ist deutlich höher als im Westen, trotzdem verdient man im Durchschnitt weniger", sagte Haseloff den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. "Es gibt bis heute Ungerechtigkeiten", sagte auch Woidke. Haseloff wies darauf hin, dass weiterhin die meisten Führungspositionen mit Westdeutschen besetzt seien. Viele Ostdeutsche fühlten sich "als Bürger zweiter Klasse", sagte der Ministerpräsident. Er stellte dabei einen Zusammenhang zur Stärke von AfD und Linken in den ostdeutschen Bundesländern her. "Viele Menschen fühlen sich durch die etablierte Politik nicht mehr hinreichend vertreten", sagte Haseloff. Aus Sicht vieler Wähler würden Probleme nicht entschlossen genug angepackt. "Lösungen gerade im Bereich der Migration oder bei der Ost-West-Angleichung kommen nicht oder nur sehr mühsam zustande."

Woidke zeigte in der "Passauer Neuen Presse" ebenfalls Verständnis für die Unzufriedenheit vieler Ostdeutscher, die von Rechtspopulisten ausgenutzt werde. Zwar sei die Deutsche Einheit ein "großes Glück" gewesen, doch "30 Jahre nach dem Mauerfall gibt es noch immer eine Rentenmauer, im Osten wird tariflich länger gearbeitet, aber die Löhne sind geringer", sagte auch er. Dies mache die Menschen wütend. Weiter kritisierte Woidke, dass die Lebensleistung vieler Menschen im Osten häufig nicht anerkannt werde. "Das zermürbt viele." Als Fehler sieht der Ministerpräsident rückblickend den Unvereinbarkeitsbeschluss, wonach frühere SED-Mitglieder nicht in die SPD eintreten durften. "Auch wenn es sich viele in Westdeutschland nicht vorstellen können: In dieser Partei waren auch viele hervorragende Leute", sagte er mit Blick auf die einstige DDR-Regierungspartei.

In Sachsen und Brandenburg werden am 1. September neue Landtage gewählt. In Thüringen ist die Wahl am 27. Oktober. Umfragen sagen ein weiteres Erstarken der AfD voraus. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stehen 2021 die nächsten Wahlen an.

Quelle: n-tv.de, AFP

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