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Plädoyer im Deutsche-Bank-Prozess Anklage fordert Haftstrafen für Ex-Banker

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Sind sich ihres Freispruchs nahezu sicher: Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und sein Nachfolger Jürgen Fitschen.

(Foto: dpa)

Die Staatsanwälte holen sich beim Versuch, neue Beweise gegen Fitschen, Ackermann und Co. zu präsentieren, erneut eine Abfuhr des Richters. Beobachter rechnen fest mit Freisprüchen. Die Ankläger beantragen dennoch hohe Strafen.

Wie der Prozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen und vier weitere ehemalige Spitzenmanager der Bank enden wird, steht für die meisten Prozessbeobachter längst fest: Mit Freisprüchen für alle Angeklagten. Der Vorsitzende Richter Peter Noll hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrfach angedeutet, dass ihn die immer neuen Beweisanträge der Staatsanwaltschaft nicht überzeugten. Die Ankläger allerdings lassen sich bis zuletzt davon nicht beirren und forderten nun teils hohe Haftstrafen für die ehemaligen Bank-Chefs Rolf Breuer und Josef Ackermann.

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Für Ackermann beantragte die Staatsanwaltschaft zweieinhalb Jahre Haft, für Breuer dreieinhalb Jahre. Der amtierende Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, soll mit einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung sowie zwei Millionen Euro Geldbuße bestraft werden. Die Beweisaufnahme habe den Vorwurf der Anklage voll umfänglich bestätigt.

Richter Noll teilt diese Einschätzung nicht: Er hatte kurz vor dem Schlussvortrag abermals gesagt, dass der Prozess die Anklage nicht bestätigt habe. Fitschen und die anderen Angeklagten dürften nach diesen klaren Worten wohl trotz des Antrags der Staatsanwaltschaft nicht viel zu befürchten haben. Das Urteil soll voraussichtlich Ende April verkündet werden.

Vor seinem Plädoyer hatte die Staatsanwaltschaft überraschend einen neuen Beweisantrag gestellt. Darin forderte sie, erneut die Zentrale der Deutschen Bank zu durchsuchen, um Beweismittel zu sichern. Noll lehnte den Antrag mit deutlichen Worten ab: "Die Staatsanwaltschaft lässt jede Auseinandersetzung mit der Beweisaufnahme vermissen, sondern wiederholt lediglich die Anklage."

Bislang "keinen Stich gemacht" gegen die Banker

Die Staatsanwaltschaft wollte ein von der Bank in Auftrag gegebenes Gutachten zu einem Vergleich zwischen Ex-Chef Rolf-E. Breuer und der Deutschen Bank. Laut Staatsanwalt hat die Behörde bereits mehrfach die Herausgabe des Dokuments verlangt, allerdings ohne Erfolg. Daher sei nun die Durchsuchung notwendig.

Für die Verteidiger war der Antrag dagegen ein erneuter Affront. Der Anwalt Breuers, Norbert Scharf, warf der Chef-Anklägerin Christiane Serini vor, das Verfahren absichtlich mit immer neuen Beweisanträgen zu stören und Breuer mit blindem Eifer zu verfolgen, weil sie in einem früheren Verfahren gegen ihn "keinen Stich gemacht habe".  Hanns Feigen, Anwalt des Co-Chefs der Deutschen Bank Jürgen Fitschen, sprach von einer Verzögerungstaktik, mit der die Staatsanwaltschaft sich auf eine Niederlage vorbereite. "Seit Monaten ist die Staatsanwaltschaft darum bemüht, Revisionsgründe zu sammeln -  weil sie weiß, wie dieses Verfahren enden wird, nämlich mit einem Freispruch, und zwar für alle fünf Herren."

Fitschen, seine Vorgänger Breuer, Josef Ackermann sowie zwei weitere ehemalige Top-Banker der Deutschen Bank sind wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Sie sollen im Jahr 2011 vor Gericht geschummelt haben, um die Deutsche Bank vor Schadenersatzzahlungen für die Kirch-Pleite bewahren. Die Angeklagten weisen dies zurück.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa

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