Wirtschaft

Großauftrag für EADS-Tochter Astrium Arianespace bestellt Trägerraketen

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Aus nächster Nähe ein markterschütterndes Ereignis: Start einer Ariane 5 am Guiana Space Centre in Kourou, Französisch-Guayana.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Stellenabbau in der Militär- und Raumfahrtsparte ist kaum verkündet, da geht bei EADS eine milliardenschwere Raketenbestellung ein. Für die künftigen europäischen Weltraumpläne soll Astrium 18 weitere Startvehikel liefern.

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Im Reinraum bei Astrium in Bremen: Spezialisten arbeiten an der Steuerungstechnik einer Ariane-Antriebseinheit.

(Foto: dpa)

Die europäische Raumfahrtgesellschaft Arianespace hat bei der EADS-Tochter Astrium 18 weitere Trägerraketen vom Typ "Ariane 5 ECA" bestellt. Das Auftragsvolumen liegt nach Angaben der Raumfahrtgesellschaft bei zwei Milliarden Euro.

Für die Astrium-Mitarbeiter ergeben sich aus der Bestellung mittelfristig bessere Perspektiven. Zuletzt hatten die Umbaupläne von EADS-Chef Tom Enders innerhalb des Konzerns erhebliche Unruhe ausgelöst. EADS sieht sich mit einer schwindenden Nachfrage im Rüstungs- und Raumfahrtbereich konfrontiert. Im Kreis der bisherigen Großkunden mussten zahlreiche Staaten ihre Budgets für die Erforschung des Weltalls und die Anschaffung neuer Verteidigungstechnologie zurückfahren. Enders versucht, die Kapazitäten des multinational aufgestellten Unternehmens durch Einsparungen und Umstrukturierungen auf die neuen Bedingungen auszurichten.

Den Unternehmensangaben zufolge bedeutet der Bau der Raketen eine zusätzliche Auslastung über drei Jahre. Die jetzt bestellten Antriebseinheiten sollen in einem Zeitraum von 2017 bis 2019 für Starts bereit stehen, teilte Astrium mit. Der Auftraggeber ist mit der EADS-Raumfahrtsparte geschäftlich eng verbunden. Astrium zählt neben den französischen Raumfahrtagentur CNES und ihrem europäischen Pendant ESA (European Space Agency) zu den Anteilseignern des kommerziellen Satelliten-Dienstleisters. Als Unternehmen plant, betreut und vermarktet Arianespace Startkapazitäten für kommerzielle, militärische und staatliche Satellitenbetreiber.

50 Meter hoch, 780 Tonnen schwer

EADS
Airbus 74,11

An dem Ariane-5-Programm sind mehr als 550 Unternehmen aus zwölf europäischen Ländern beteiligt, etliche von ihnen sitzen in Deutschland. Die Oberstufe der Ariane 5 wird beispielsweise bei Astrium in Bremen gebaut. Die Schubkammern - das Herz eines Raketentriebwerks - für die erste und zweite Stufe liefern Astrium-Mitarbeiter aus Ottobrunn bei München.

Die rund 50 Meter hohe und 780 Tonnen schweren Ariane-Raketen werden von Arianespace betrieben und können rund zehn Tonnen Nutzlast in geostationäre Umlaufbahnen bringen. Meist transportieren sie Satelliten für kommerzielle Unternehmen, immer wieder gibt es aber auch Flüge für wissenschaftliche oder militärische Missionen und zur Versorgung der Internationalen Raumstation ISS.

Die EADS-Führung könnte den neuen Raketenauftrag zum Anlass nehmen, den Zukunftssorgen der Mitarbeiter mit einer ermutigenden Nachricht entgegenzutreten. Nach der Ankündigung eines Stellenabbaus steht der Konzern, zu dessen wichtigsten Anteilseignern neben Spanien und Frankreich auch der deutsche Staat zählt, auf politischer Ebene in der Kritik. Die Debatte um die Folgen und den richtigen Umgang mit der europäischen Rüstungsindustrie hält an.

SPD weist Merkel Mitschuld zu

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, machte zuletzt die frühere Bundesregierung für den Stellenabbau bei EADS mitverantwortlich. Der vor einem Jahr verhandelte Zusammenschluss von EADS mit dem britischen Konkurrenten BAE sei am Ende an der deutschen Politik und Bundeskanzlerin Angela Merkel gescheitert, sagte Arnold dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Ihm sei "damals schon klar" gewesen, dass "die Rüstungssparte Cassidian nach der geplatzten Fusionierung in ihrem bestehenden Umfang nicht überleben würde." Die Veränderungen, die jetzt kommen, seien womöglich schwieriger und schmerzhafter für deutsche Interessen als eine Fusion.

EADS hatte Anfang der Woche angekündigt, vor allem im Wehrgeschäft bis 2016 rund 5800 Stellen zu streichen, 2600 davon allein in Deutschland. EADS übernimmt zum Jahreswechsel zudem den Namen der wichtigsten Tochter und firmiert künftig unter dem Konzernnamen "Airbus Group". Zugleich werden unter anderem die Raumfahrttochter Astrium und die Rüstungssparte Cassidian zur neuen Sparte "Airbus Defence & Space" zusammengelegt. In diesem Bereich fallen die meisten der 5800 Stellen weg.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa