Wirtschaft

Wettbewerb behindert Booking.com muss Bestpreis-Fessel lösen

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(Foto: REUTERS)

Mit sogenannten Bestpreisklauseln verbietet der Marktführer Booking.com Hotels, ihre Zimmer über andere Portal günstiger zu vermieten. Eine erste Anpassung der Verträge bessert die Sache aus Sicht der Kartellbehörde nicht. Die greift nun durch.

Das Bundeskartellamt untersagt dem deutschen Ableger des internationalen Buchungsportals Booking.com nach Angaben des Hotelverbandes Deutschland die sogenannten Bestpreisklauseln. Booking.com, Marktführer in Deutschland und Europa, dürfe damit Hotels in Deutschland nicht mehr verbieten, ihre Zimmer irgendwo anders billiger anzubieten, teilte der Hotelverband in Berlin mit. Er hatte mit einer Anzeige gegen das Buchungsportal im Herbst 2013 das Verfahren des Bundeskartellamtes ausgelöst.

Durch Bestpreisklauseln lassen sich Internetportale von Hoteliers im Gegenzug für ihre Vermarktungsleistung verbindlich zusichern, dass diese ihre freien Zimmer nirgendwo günstiger oder zu anderweitig besseren Konditionen anbieten. Sie wollen damit ausschließen, dass Verbraucher bei Konkurrenten oder bei Direktbuchungen in den teilnehmenden Hotels auf günstigere Angebote stoßen. Nach Auffassung des Kartellamts schränkt diese Praxis den Wettbewerb zwischen den konkurrierenden Buchungsportalen sowie den Hoteliers in einer unzulässigen Weise ein und schadet damit letztlich auch den Verbraucherinteressen.

Bußgeld in Millionenhöhe

Sollte Booking.com an den Bestpreisklauseln festhalten, würde das Unternehmen eine Ordnungswidrigkeit begehen, die mit Bußgeld in bis zu dreistelliger Millionenhöhe geahndet werden könnte, teilte der Hotelverband weiter mit. "Wir begrüßen das konsequente und umfassende Einschreiten des Bundeskartellamts außerordentlich", erklärte Hotelverbands-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe.

Das Kartellamt hatte Booking.com bereits im März abgemahnt und aufgefordert, seine Vertragspraxis zu ändern. Doch auch die im Juli eingeführten enger gefassten Klauseln untersagte die Behörde.

Bestpreisklauseln hatte das Kartellamt bereits dem Wettbewerber HRS verboten. Diese Entscheidung war vom Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigt worden. Die Behörde strebte deshalb schon aus Gründen der Gleichbehandlung am Markt an, dass die mit HRS konkurrierenden Anbieter Booking.com und Expedia ihre Verträge ebenfalls abändern.

Preisvergleichs- und Buchungsplattformen im Internet haben als Vertriebskanal auch in der Hotelbranche enorm an Bedeutung gewonnen. Booking.com ist eine in Amsterdam ansässige Tochter der US-Gruppe Priceline, die sich auf internet- sowie App-basierte Reise- und Urlaubsdienstleistungen spezialisiert hat. Booking.com betreibt nach eigenen Angaben Büros in mehr als 60 Ländern und vermittelt Hotelzimmer in mehr als 200 Staaten.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP

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