Wirtschaft

Alles hängt von Verhandlungen ab Brexit bremst Konjunktur zunächst nicht

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union wird zumindest die Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum in diesem Jahr nicht dämpfen. Das erwarten zumindest deutsche, italienische und französische Ökonomen.

Konjunkturforscher aus drei europäischen Staaten erwarten trotz der gestiegenen politischen Risiken ein Wirtschaftswachstum in der Eurozone. "Das Referendum hat die Unsicherheit deutlich erhöht. Der kurzfristige negative Einfluss dürfte aber begrenzt sein, während der mittelfristige Effekt sehr stark von neuen Vereinbarungen zwischen Großbritannien und der EU abhängt", sagte Atanas Hristov vom Ifo Institut. Neben dem Münchener Institut beteiligten sich Insee und Istat aus Frankreich und Italien an der Prognose.

Die mittelfristigen Folgen werden nach ihrer Einschätzung stark von den künftig zu treffenden Übereinkünften zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU abhängen. Unter diesen Rahmenbedingungen wird das reale Bruttoinlandsprodukt im Euroraum im zweiten Quartal 2016 um 0,3 Prozent wachsen, im dritten Quartal auf 0,4 Prozent zulegen und im vierten Quartal wieder auf 0,3 Prozent zurückgehen. "Im letzten Quartal hätten wir ohne das Referendum etwa 0,4 Prozent erwartet", sagte Hristov weiter.  Insgesamt dürfte die Wachstumsrate im Gesamtjahr bei 1,6 Prozent liegen.

Der Verbrauch der privaten Haushalte sollte dank einer geringen Inflation und sich allmählich verbessernder Arbeitsmarktbedingungen der wichtigste Konjunkturtreiber bleiben. Die Investitionen der Unternehmen dürften durch die niedrigen Zinsen an Schwung gewinnen.

Unter den Annahmen, dass der Rohölpreis bei 49 Dollar pro Fass verharrt und der Wechselkurs bei circa 1,12 Dollar pro Euro liegen wird, dürfte die Inflationsrate im Prognosezeitraum eine leichte Zunahme verzeichnen und einen Jahreswert von 0,3 Prozent erreichen.

Die Industrieproduktion legte im ersten Quartal 2016 dank einer Zunahme bei den Investitionsgütern kräftig um 1,0 Prozent zu und erwies sich auch im April als stabil. Die Umfrageindikatoren hätten sich im zweiten Quartal verbessert, erklärten die Institute, jedoch werde die Produktion wegen des starken ersten Quartals stagnieren. Für die zweite Jahreshälfte dürfte die Industrieproduktion wegen der Unsicherheit nach dem Brexit-Referendum weiterhin mit einer moderaten Geschwindigkeit wachsen.

Allerdings könnten eine steigende Unsicherheit aufgrund des Brexit-Referendums sowie die anstehenden Verhandlungen mit der EU könnten für Turbulenzen am Finanzmarkt sorgen. Dies würde Investitionen bremsen. Doch die Folgen daraus seien derzeit schwer zu bewerten.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ

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