Wirtschaft

Brexit gut für Konfitüren-Export? Briten lachen über Marmeladen-Tweet

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(Foto: imago/BE&W)

Der Austritt aus der Europäischen Union werde der Exportindustrie Großbritanniens neue Chancen eröffnen, betont Handelsminister Fox. Konkret heißt das wohl auch: britische Konfitüre für Franzosen.

Womit kann das Vereinigte Königreich nach dem Brexit bei den Franzosen punkten und den Export ankurbeln? Das nach dem Votum geschaffene Handelsministerium hat eine überraschende Antwort: unter anderem mit britischem Fruchtaufstrich.  

"Frankreich braucht qualitativ hochwertige, innovative Marmelade und Konfitüre", twitterte das Ministerium und versah die Botschaft mit den Hashtags "Export ist großartig" sowie "Exportchancen" - und verlinkte auf eine auf eine von der Behörde vermittelte Ausschreibung. Dort sucht ein Lebensmittelhändler nach einem britischen Marmeladenproduzenten, um Frühstücksaufstrich nach Frankreich zu liefern.

"Britische Firmen sollten sich allerdings bewusst sein, dass die Menge zu Beginn sehr klein sein wird", heißt es dort. "Wie dem auch sei, das ist eine hervorragende Gelegenheit für Markennamen und Produkte, um auf dem französischen Markt eingeführt zu werden und eine dauerhafte und wachsende Nachfrage aufzubauen."

Das von dem Brexit-Hardliner Liam Fox geführte Ministerium sorgte mit diesem Tweet bei vielen Briten für Heiterkeit. "Was kommt als nächstes? Den Franzosen britischen Dijon-Senf verkaufen?", twitterte eine Nutzerin. "Ist das nicht so, als wolle man Eskimos Eis verkaufen?", fragte eine andere. Ein dritter Twitter-Nutzer ergänzte: "Und dann? Britisches Pilsener für die Deutschen?"

"Ist das ein Hilferuf?"

"Das ist beschämend. Hört bitte auf", hieß es in Richtung Ministerium. Es ist dafür verantwortlich, neue Handelsverträge zwischen Großbritannien und anderen Ländern auszuhandeln. Fox betont regelmäßig, dass die Briten von dem Brexit profitieren werden, weil sich dann die Exportchancen des Vereinigten Königreichs erhöhten. Als Mitglied des europäischen Binnenmarkts ist es derzeit allerdings für britische Firmen problemlos möglich, Waren ungehindert nach Frankreich auszuführen.  

"Ist das ein Hilferuf?", fragte ein Twitter-Nutzer, während ein weiterer darüber nachdachte, ob es sich um Parodie handele. "Wie viel Marmelade müssen wir verkaufen, um die Steuern der Finanzindustrie zu ersetzen?", fragte ein anderer. Hintergrund: Sollte Großbritannien den Zugang zum europäischen Binnenmarkt verlieren, droht ein Wegzug von Banken und andere Finanzdienstleister. Denn sie könnten dann zugleich das Recht verlieren, ihre Produkte in der EU ungehindert zu verkaufen.

Andere Briten stellten sich angesichts des Tweets eine ganz andere Frage: "Was ist eigentlich innovative Marmelade?" Wahrscheinlich habe die Wlan, witzelte einer.

Quelle: ntv.de, jga