Wirtschaft

Erster großer Abschluss des Jahres Chemiebranche zahlt 3,7 Prozent mehr

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Die 550.000 Chemie-Beschäftigten bekommen mehr Geld.

(Foto: picture alliance / dpa)

In der Tarifrunde 2014 ist der erste neue Vertrag unter Dach und Fach: Mehr als eine halbe Million Beschäftigte der Chemieindustrie bekommen mehr Geld. Arbeitgeber und Arbeitnehmer verständigen sich zudem auf eine Konjunkturkomponente.

Der erste große Tarifabschluss des Jahres ist in trockenen Tüchern: Die rund 550.000 Beschäftigten in der Chemie-Industrie erhalten 3,7 Prozent mehr Geld. Die Laufzeit des Kompromisses beträgt insgesamt 14 Monate und beinhaltet am Anfang einen sogenannten Leermonat, also eine Wartezeit ohne eine Erhöhung. Erst danach greifen die 3,7 Prozent Einkommensverbesserung, wie die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC mitteilten.

Für Betriebe in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gibt es bei der Lohnzahl ein Hintertürchen: Sie können die Tariferhöhung um bis zu zwei Monate nach hinten verschieben, "wenn die wirtschaftliche Lage dies erfordert", wie der Arbeitgeberverband BAVC mitteilte. Die IG BCE sprach von "gravierenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten", die vorliegen müssten, damit ein Unternehmen ausscheren dürfe.

IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann sprach von einem angemessenen und tragfähigen Kompromiss. "Wir haben eine spürbare Erhöhung der Entgelte erreicht. Zudem ist es gelungen, die Ausbildungs- und Übernahmeperspektiven der jungen Leute zu verbessern." Wie beide Seiten erklärten, werden in den Jahren 2014 bis 2016 jeweils 9200 neue Ausbildungsplätze gewährleistet. In den Vorjahren seien es jeweils 9000 gewesen.

Leermonate drücken Erhöhung

BAVC-Präsidentin Margret Suckale ließ erklären: "Mit dem Abschluss beteiligen wir die Beschäftigten angemessen am Erfolg unserer Branche." Die Erhöhung um 3,7 Prozent auf 14 Monate liegt wegen des Nullmonats und der über ein Jahr hinausreichenden Zeitspanne rechnerisch klar unter einem Plus von 3,7 Prozent für 12 Monate.

Die Chemiegewerkschaft hatte 5,5 Prozent höhere Löhne gefordert und wollte zudem erreichen, dass mehr Lehrlinge nach der Ausbildung unbefristet übernommen werden. Die Chemiebranche mit Konzernen wie BASF, Bayer und Evonik ist Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau.

In der vorhergehenden Tarifauseinandersetzung hatten sich Arbeitgeber und IG BCE im Mai 2012 auf eine Entgelterhöhung von 4,5 Prozent verständigt bei damals 19 Monaten Laufzeit. Aufs Jahr gerechnet ergab das knapp 3 Prozent Zuwachs bei den Verdiensten.

Einigung bei Azubi-Übernahme

Beide Seiten hatten zudem über das Thema Azubi-Übernahme gestritten. Fest steht nun, dass für übernommenen Lehrlinge die unbefristete Einstellung zum Normalfall werden soll. Paritätische Kommissionen sollen dies überprüfen.

"Die Ära der Befristungen geht zu Ende, wir haben eine Trendwende eingeleitet", sagte Hausmann. Auch die Arbeitgeber werteten den Übernahmekompromiss als Erfolg. "Die Entscheidung zur Übernahme bleibt weiterhin in der Verantwortung der Unternehmen", teilte der BAVC mit, ein Übernahmezwang, der die eigenständige Verantwortung der Unternehmen beschneide, sei verhindert worden.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts

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