Wirtschaft

Schwächster Wert seit 1990 Chinas Wachstum auf neuem Tiefstand

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Die Regierung versucht Bedenken über die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft des Landes erneut zu zerstreuen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach unten korrigiert China sein Wirtschaftswachstum für vergangenes Jahr - das niedrigste seit Anfang der 1990er-Jahre. Die Börsen reagieren entsprechend panisch. Dieses Jahr soll es noch ein bisschen schlimmer kommen - wenn die Zahlen denn stimmen.

Inmitten anhaltender Sorgen um die Konjunktur in China hat die Volksrepublik ihr Wirtschaftswachstum für vergangenes Jahr nach unten korrigiert. Die chinesische Wirtschaft habe im vergangenen Jahr lediglich um 7,3 Prozent zugelegt und nicht wie bisher gedacht um 7,4 Prozent, teilte die Nationale Statistikbehörde mit. Dies sei das Ergebnis einer "vorläufigen Bestätigung"; endgültige Zahlen für 2014 sollen erst im Januar 2016 vorliegen. Die Anleger reagierten verunsichert auf die Revision der wichtigen Wachstumszahl: Die Börse in Shanghai schloss nach zwischenzeitlichen Gewinnen wieder mit deutlichen Abschlägen.

Shanghai Composite
Shanghai Composite 3.006,45

Das Wirtschaftswachstum in China war im vergangenen Jahr so schwach wie seit 24 Jahren nicht mehr. Für dieses Jahr peilt die Regierung in Peking ein Wachstum von rund 7 Prozent an. Das wäre der niedrigste Wert seit einem Vierteljahrhundert. Zwar erreichte die Volksrepublik im ersten Halbjahr dieses Wachstumstempo, doch im August veröffentlichte Konjunkturdaten verstärkten Zweifel über das Erreichen des Jahreszieles. Zum Ankurbeln der Wirtschaft beschloss die Planungskommission, weitere 77 Milliarden Yuan (rund 10,8 Milliarden Euro) in den Bau von Straßen und Brücken zu pumpen.

Zweifel an starken Wachstumszahlen mehren sich

Allerdings gibt es zunehmende Zweifel an den Wachstumszahlen der chinesischen Regierung: Denn derzeit schrumpft beispielsweise die Industrie in dem Riesenreich. "Wir glauben, dass die Zahlen reine Fantasie sind", sagt Erik Britton vom Londoner Analysehaus Fathom Consulting. Er schätzt, dass die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft dieses Jahr um lediglich 2,8 Prozent und kommendes Jahr nur um ein Prozent zulegen wird.

Derweil greifen viele Analysten wie Fathom auf stark vereinfachende Alternativen zurück, um das Wachstum Chinas einschätzen zu können. Die Briten blicken auf drei Größen: den Energieverbrauch, die Menge der auf der Schiene transportierten Güter und die Kreditvergabe der Banken. Von den drei genannten Größen wächst allerdings nur die Kreditvergabe – und das ist kein Grund zur Beruhigung. Im Gegenteil: Die chinesischen Staatsbanken haben immer mehr faule Kredite in ihren Bilanzen.

Neues System soll Börsencrash aufhalten

Zuletzt versuchte die Regierung, Bedenken über die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft des Landes erneut zu zerstreuen. Die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform NDRC erklärte, das Land sei auf Kurs, das Wachstumsziel für dieses Jahr zu erreichen. Darauf wiesen Indikatoren von Energieverbrauch bis hin zu Immobilienpreisen hin.

Am Wochenende fand der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan ebenfalls beschwichtigende Worte angesichts der jüngsten Marktturbulenzen. Er sagte, die Korrektur am Aktienmarkt sei nahezu ausgestanden und die chinesische Währung stabilisiere sich nach der Abwertung im August. Zudem teilte die Wertpapieraufsicht des Landes mit, die Einführung eines Sicherungssystems zu erwägen, um drastische Ausschläge im Handel künftig zu begrenzen. Bei erheblichen Kursschwankungen soll das System den Aktien-Handel stoppen können. Wenn es zu abnormalen Marktbewegungen komme, könne die Regierung nicht untätig bleiben. Die Börsen in China sind seit Mitte Juni um etwa 40 Prozent eingebrochen.

Quelle: n-tv.de, kst/AFP/DJ

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