Wirtschaft

Alarmsignal von Deutschlands Banken Commerzbank übertrumpft Deutsche Bank

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Die Commerzbank hat im dritten Quartal mehr als die Deutsche Bank verdient - dennoch kein Grund zum Feiern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nur einen Mini-Gewinn schafft die Commerzbank im dritten Quartal, doch selbst damit überflügelt sie sogar den Branchenprimus Deutsche Bank. Die Zahlen zeigen, wie mies es Deutschlands größten Geldhäusern geht: Der Bilanzmüll der Vergangenheit bestimmt ihr Schicksal.

Jahrelang hatten die Commerzbank-Aktionäre nichts zu lachen. Seit die Bank in der Finanzkrise mit Steuerzahlergeld gerettet wurde, steckt Deutschlands zweitgrößte Bank in der Gewinnflaute. Und kämpft seitdem darum, die Staatshilfe wieder abzuschütteln. Nun gibt es einen kleinen Lichtblick: Immerhin 77 Mio. Euro verdiente die Bank im dritten Quartal und steigerte ihren Gewinn im Vorjahresvergleich um gut 15 Prozent. Die Zahlen sind für die Anleger eigentlich immer noch zum Weinen, angesichts der langen Leidensgeschichte der Bank beflügeln sie den Aktienkurs aber geradezu.

Eine Trendwende zeichnet sich bei der Commerzbank damit zwar nicht ab: In den ersten neun Monaten des Jahres verdiente die Bank operativ nur knapp halb so viel wie 2012, der Gewinn stürzte sogar um gigantische 96 Prozent ab. Doch viel bezeichnender ist: Selbst mit ihrem Mini-Gewinn im dritten Quartal übertrumpft die Commerzbank inzwischen sogar ihren Erzrivalen Deutsche Bank, der sich mit nur 51 Mio. Euro gerade noch in die schwarzen Zahlen rettete.

Die Ergebnisse sind nur eine Momentaufnahme, zeigen aber doch auf beängstigende Weise, wie schlecht es Deutschlands wichtigsten Banken geht. Deutsche Bank und Commerzbank liefern sich momentan höchstens ein Rennen darum, wer größere Verluste vermeiden kann, weil ihn die Altlasten weniger belasten. Wobei dabei aufs ganze Jahr gerechnet die Deutsche Bank ganz klar die Nase vorn hat.

Abstiegskampf auf dem Abfallberg

Es ist der Bilanzschrott der Finanzkrise, der das Wohl und Wehe von Deutschland größten Banken bestimmt. Beide haben ihn auf eine Art hausinterne Müllkippe geschaufelt, die sogar ähnlich heißt: Non-Core Assets (NCA) nennt die Commerzbank ihre Resterampe, Non-Core Operations Unit (NCOU) heißt sie bei der Deutschen Bank. Die Bad Banks bestimmen das Geschäft: Gerät die Müllbeseitigung ins Stocken, bricht der Gewinn ein, kommt sie voran, geht es den Geldhäusern besser. Wobei Fortschritt schon bedeutet, dass die operativen Verluste wie bei der Commerzbank nur noch rund 750 Mio. statt über einer Milliarde Euro in neun Monaten betragen.

Bei der Commerzbank hat sich auf dem Abfallberg der Vergangenheit vor allem Kreditmüll angesammelt: Schiffsfinanzierungen, Staatsanleihen und Immobilienkredite, insgesamt noch 113 Mrd. Euro. Acht Mrd. davon sind akut ausfallgefährdet. Die Deutsche Bank hat sich dagegen mit fragwürdigen Zocker-Geschäften im Investmentbanking eine endlose Zahl von Klagen und Prozessen eingehandelt: Zinsmanipulation, Betrug mit faulen Hypothekenpapieren, Kirch-Prozess und eine ganze Flut anderer Probleme muss die Bank neben unrentablen Beteiligungen und strukturierten Derivaten auf ihrem Komposthaufen entsorgen. Auf 4,1 Mrd. Euro sind die Rückstellungen für Rechtskosten und Strafen inzwischen gewachsen, sie pulverisierten im dritten Quartal 93 Prozent des gesamten Gewinns.

Die Müllberge beider Banken sind also beachtlich. Ramschkredite kann man verkaufen, Beteiligungen abschütteln. Beide Banken werden ihre Altlasten daher zwar vielleicht erst in geraumer Zeit, aber irgendwann einmal abgetragen haben. Die Deutsche Bank hat allerdings noch ein weiteres Problem: Klagen und Ermittlungen mit kann sie mit Vergleichen und Strafzahlungen beenden. Damit aber künftig durch fragwürdige Geschäfte kein neuer Bilanzmüll entsteht, muss die Bank ihre Kultur ändern. Das ist eine viel schwierigere Aufgabe.

Quelle: ntv.de

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