Wirtschaft

Anleger fliehen in sichere Häfen Dax ächzt unter Iran-Konflikt

Die Eskalation der Iran-Krise sorgt an den Finanzmärkten weiter für Anspannung. Die Sorgen treiben Anleger heraus aus Aktien und hinein in Rohstoffe und Anleihen. Das macht sich im Dax insbesondere bei der Lufthansa bemerkbar.

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt weiter verunsichert und erneut eine verstärkte Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen hervorgerufen. Der Goldpreis zog deutlich an, ebenso wie die Ölpreise. Wie schon am vergangenen Freitag wurden Fluglinien jedoch belastet.

Dax
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Der Dax rutschte unter die Marke von 13.000 Punkten. Zeitweise fiel der deutsche Leitindex um 2 Prozent auf 12.947 Punkte und knüpfte so an seine Freitagsverluste an, die schon von den geopolitischen Sorgen ausgelöst worden waren. Letztmals hatte der Dax vor etwa vier Wochen unter 13.000 Punkten notiert.

Die Schwäche des Marktes erstreckte sich europaweit und auch am breiten Markt. Der MDax der mittelgroßen deutschen Werte gab um 1,70 Prozent auf 27.968 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx fiel um fast 1,5 Prozent auf 3711 Zähler.

Lufthansa
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Die Reisebranche zählte erneut zu den größten Verlierern. Im Dax weiteten Lufthansa-Aktien die Einbußen vom Freitag aus. Sie fielen um 2,9 Prozent auf ein Tief seit Oktober. Die Aktien von Air France-KLM und der British Airways-Mutter IAG büßten bis zu 4,5 Prozent ein. "Der US-Militärschlag beendete die Neujahrseuphorie schlagartig", hieß es in einem Kommentar der Postbank mit Blick auf die Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch die USA. Diese habe die Sorgen um eine militärische Eskalation geschürt.

Goldpreis klettert auf Sieben-Jahres-Hoch

Gold, Feinunze
Gold, Feinunze 1.861,47

Weiterhin hoch ist die Nachfrage nach Gold. In der Nacht stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) bis auf 1588 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Frühjahr 2013. Bis zum Morgen bröckelte der Kurs wieder etwas ab, lag aber mit 1575 Dollar immer noch fast zwei Prozent über dem Stand von Freitagabend. Traditionell sichere Anlagen wie Bundesanleihen oder Schweizer Franken konnten ebenfalls zulegen, wenn auch nicht mehr so stark wie Ende der vergangenen Woche. Investoren griffen auf ihrer Suche nach Alternativen aber auch beim "digitalen Gold" Bitcoin zu. Der Kurs der Cyber-Devise stieg um bis zu 4,3 Prozent auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 7583 Dollar.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 40,25

Ebenfalls kräftig nach oben ging es mit den Ölpreisen. Am frühen Montagmorgen stieg der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zeitweise bis auf 64,72 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Damit erreichte der Preis den höchsten Stand seit vergangenem April. Seit Beginn des Jahres sind die Preise für WTI und das Nordsee-Rohöl Brent bereits um jeweils etwa sechs Prozent gestiegen. Die Titel der Ölkonzerne BP, Shell und Total kletterten jeweils um etwa ein Prozent nach oben.

Börsianer meiden riskantere Anlagen

Covestro
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Allgemein tendierten Anleger dazu, Aktien aus konjunkturempfindlichen Branchen abzustoßen, während sich jene mit defensiven Eigenschaften relativ stabil zeigten. Die Titel des Chipkonzerns Infineon fielen um 3,3 Prozent, jene von Covestro waren mit einem Abschlag von 5,4 Prozent das Schlusslicht. Spitzenreiter im Dax waren die Papiere des Immobilienkonzerns Vonovia.

Im MDax litt das Wirkstoffforschungsunternehmen Evotec mit 5,5 Prozent im Minus am meisten unter den Entwicklungen. Die Papiere von Telefonica Deutschland hielten sich mit einem knappen Minus am stabilsten. Die beiden SDax-Werte Schaeffler und Jost Werke stemmten sich jeweils mit 0,7 Prozent Plus gegen den schwachen Markt. Schlusslicht im SDax sind die Papiere des Kohlenstoff-Spezialisten SGL Carbon, die zeitweise 5,3 Prozent einbüßten.

IfW warnt vor Gefahren für deutsche Konjunktur

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Unterdessen warnte das Institut für Weltwirtschaft (IfW), dass sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA zur Gefahr für die deutsche Konjunktur auswachsen könnten. "Die Möglichkeit, dass der Konflikt eskalieren könnte, belastet die Weltwirtschaft und gefährdet dadurch auch die Konjunktur in Deutschland", sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr der Nachrichtenagentur Reuters. Neben der Gefahr eines Krieges sei vor allem die befürchtete Zunahme terroristischer Aktivitäten belastend. "Ein verheerender Terroranschlag in einer westlichen Großstadt hätte massive wirtschaftliche Auswirkungen weltweit", sagte Felbermayr. "Die Börsen sind zu Recht verunsichert."

Die direkte Betroffenheit Deutschlands im Iran ist dem IfW zufolge gering. "Die deutschen Exporte in den Iran dürften im Jahr 2019 weniger als zwei Milliarden Euro betragen haben, die Importe vielleicht 100 Millionen Euro", sagte Felbermayr. Ein neuer Golfkrieg würde aber die ganze Region destabilisieren. "Hier wären die direkten Effekte schon stärker", warnte der IfW-Präsident.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/rts