Wirtschaft

Warnungen im Frühjahrsgutachten Der Aufschwung treibt die Preise

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Gebündelter Sachverstand: Die Gutachter sind bereit zur Übergabe.

(Foto: dpa)

Mit ihrer Prognose zur gesamtwirtschaftlichen Lage zeichnen Deutschlands führende Ökonomen ein Bild von Kraft und Stärke. In ihrem Gutachten für die Bundesregierung übertreffen sie sogar die Wachstumsprognose des IWF. Die Bundesbürger, so heißt es, werden die Folgen bald im eigenen Geldbeutel spüren.

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr nach Einschätzung der beteiligten Wirtschaftsforschungsinstitute um 0,9 Prozent wachsen. 2013 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,0 Prozent zulegen, sagten die Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten voraus. Das rosige Bild verknüpften die Institute allerdings mit ausdrücklichen Warnungen: Sicher ist die vergleichsweise starke Wirtschaftsaufschwung nicht. Im Kampf gegen die Finanz- und Schuldenkrise dürften die europäischen Staaten keinesfalls nachlassen, schrieben die Wirtschaftsweisen.

Für Arbeitnehmer gab es eine erfreuliche Nachricht: Zumindest in Deutschland dürfte sich die robuste Konjunktur weiter in den Geldbörsen der Bundesbürger bemerkbar machen: Die Löhne dürften sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr effektiv um mehr als drei Prozent steigen, prognostizieren die Ökonomen in ihrem halbjährlich veröffentlichten Gutachten für die Bundesregierung.

"Vor dem Hintergrund der steigenden Kapazitätsauslastung und der zunehmenden Verknappung von Arbeitskräften dürfte sich der Lohnauftrieb spürbar verstärken", heißt es wörtlich. Allerdings treibe das auch die Preise nach oben: Die Inflationsrate werde in beiden Jahren über der Marke von zwei Prozent verharren und damit einen großen Teil der Lohnzuwächse wieder aufzehren.

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Die realen Stundenlöhne dürften deshalb 2012 um 1,7 Prozent wachsen, 2013 nur noch um 0,8 Prozent. Sie würden damit aber immer noch schneller zulegen als die Produktivität der Unternehmen. "Unter diesen Voraussetzungen werden sich die Bedingungen für mehr Beschäftigung von der Kostenseite her etwas verschlechtern", warnen die Institute. Die Zahl der Beschäftigten werde trotzdem um fast eine halbe Million steigen und im kommenden Jahr nochmals um mehr als 300.000 auf dann knapp 41,9 Millionen zulegen.

Der Sparwille lässt nach

Die steigende Beschäftigung und höhere Löhne tragen den Ökonomen zufolge dazu bei, dass die deutsche Wirtschaft trotz der nicht anhaltenden Schuldenkrise in der Eurozone auf Wachstumskurs bleibt. "Die konjunkturellen Auftriebskräfte gewinnen in Deutschland die Oberhand", heißt es in dem 82 Seiten starken Gutachten mit dem Titel "Deutsche Konjunktur im Aufwind - Europäische Schuldenkrise schwelt weiter". Neben dem privaten Konsum dürften auch die Investitionen den Aufschwung tragen, die von niedrigen Zinsen stimuliert werden.

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Wegen der guten Konjunktur kommt auch die Sanierung des Staatshaushalts voran. Wegen steigender Steuereinnahmen sinke die Neuverschuldung bis 2013 auf 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, sagen die Gutachter voraus. Sie kritisieren aber, dass der Staat zu sehr auf konjunkturbedingte Steuermehreinnahmen setze und selbst zu wenig spare. "So werden sowohl die Einnahmen aus der Kernbrennstoffsteuer als auch die Einsparungen durch die Streitkräftereform und durch die verbesserte Vermittlung von Langzeitarbeitslosen wahrscheinlich geringer ausfallen als angesetzt", kritisierten die Institute.

Schuldenkrise "im Kern noch nicht gelöst"

Die Wirtschaftsweisen betonten in ihrem Gutachten die Gefahren der Schuldenkrise im Euro-Raum. "Das größte Abwärtsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland geht nach wie vor von der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum aus, die im Kern noch nicht gelöst ist", warnen die Experten. "Verlieren Länder des Euroraums auf den Kapitalmärkten erneut an Vertrauen, dürfte dies auch die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen."

Das Frühjahrsgutachten wurde von der Bundesregierung in Auftrag gegeben und dient ihr als Grundlage für eine eigene Prognose. Die Einschätzung der Institute fällt dabei in Bezug auf das deutsche Wirtschaftswachstum etwas optimistischer als die Einschätzung des . Der sagt für dieses Jahr lediglich ein Plus von 0,6 Prozent und für 2013 von 1,5 Prozent voraus.

Im Oktober vergangenen Jahres waren die Experten im noch von einer Wachstumrate von 0,8 Prozent ausgegangen. "Die Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum belastet zunehmend die deutsche Konjunktur", hieß es damals. Die Auswirkungen würden die Wirtschaftskraft spürbar dämpfen.

Die Gemeinschaftsdiagnose wird von vier Konsortien von Wirtschaftsforschungsinstituten erstellt, zu denen das Münchner Ifo-Institut, das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) gehören.

Quelle: ntv.de, AFP/rts