Wirtschaft

Jungfernflug mit Grippemittel Der Drohnentest der Post

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Paketkopter im Anflug auf die Konzernzentrale: Steht die Postfliegerei vor der unbemannten Renaissance?

(Foto: dpa)

Wenige Wochen früher, und der Deutschen Post wäre eine Welle weltweiter Aufmerksamkeit entgegengeschlagen. Wenige Tage nach dem Online-Händler Amazon lässt nun auch DHL eine Versuchsdrohne steigen.

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Geringe Berührungsängste: Der "Paketkopter" der Deutschen Post.

(Foto: REUTERS)

Die Zukunft der Paketauslieferung beginnt als kleiner Punkt am Himmel über dem Rhein. Rasch wird die mit vier Rotoren bestückte Drohne größer, ein leises Sirren ist zu hören, und das unbemannte Fluggerät schwenkt auf eine Wiese vor der Bonner Post-Zentrale ein.

Einige Windböen schütteln die postgelbe Drohne durch, dann setzt sie sanft auf - und Ole Nordhoff kann das Paket in Empfang nehmen, das unter der Flugmaschine befestigt ist. Kleine Tütchen mit Grippemittel präsentiert Nordhoff dann stolz, der den Bereich Marktentwicklung bei der Post-Tochter DHL leitet. Und nicht nur Arzneimittel könnte die Post irgendwann mit dem von ihr "Paketkopter" getauften Gerät ausliefern, sondern auch andere Waren, sagt Nordhoff. Doch bis statt des Paketboten eines Tages der "Paketkopter" die Päckchen bringt - bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Das wird auch schnell klar beim rund einen Kilometer langen Jungfernflug des "Paketkopters". In Nordhoffs Nähe steht Daniel Knoche, der sich eine kleine Funksteuerung um den Hals geschnallt hat. Damit lenkt er Nordhoffs Zukunftsprojekt - denn die Vorschriften in Deutschland regeln, dass ein solches Gerät nur auf Sicht geflogen werden darf. Ohne Knoche also kein Jungfernflug.

1000 Gramm Nutzlast

Knoches Firma Microdrones hat das rund 40.000 Euro teure Basismodell geliefert, das die Post zum "Paketkopter" entwickelt hat. Als Drohnenpilot muss Knoche gut aufpassen, denn die Drohne soll laut Testflugplan nun wieder zurück über den Rhein fliegen.

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Flugfähig und eigentlich bereits voll einsatztauglich: Behördlicherseits wären da noch einige Fragen zu klären.

(Foto: REUTERS)

Das wird nicht ganz einfach. Ein paar Bäume stehen im Weg, und der Wind erschwert den sicheren Steigflug. Viel Abstand nach unten bleibt der Postdrohne nicht. Die behördlichen Auflagen sehen eine maximale Flughöhe von einhundert Metern vor, wie Knoche berichtet. Die Bäume muss er also während des Überflugs wegen etwaiger Fallwinde scharf im Auge behalten. Wie ein Hobbypilot sein Modellflugzeug lenkt er den Paketkopter in Richtung Rhein.

Das unbemannte Fluggerät könnte schon jetzt viel mehr leisten als nur Demonstrationspakete durch die Luft zu tragen, schwärmt Nordhoff. Bis zu 90 Minuten kann der zweieinhalb Kilo schwere Mini-Hubschrauber im Batteriebetrieb in der Luft bleiben und dabei gleichzeitig noch eine Paketlast von einem Kilo tragen, 50 Stundenkilometer schnell fliegen - und auch Regen und Schnee sicher widerstehen.

Pioniere einer neuen Postflugära

Die Post steht erst am Anfang des Projekts, wie es ausdrücklich zu Beginn der Testphase heißt. Bereits 2014 will der Paketdienstleister auch mit schwereren Lasten experimentieren. Der Chef des Online-Händlers Amazon, Jeff Bezos, träumt bereits davon, dass Drohnen künftig Waren an die Haustür liefern. Die Entwicklung könne vier bis fünf Jahre dauern, hatte er gesagt. Nordhoff wagt dagegen keine zeitliche Prognose, er wolle nicht spekulieren. Acht Millionen Pakete am Tag liefert die Post in den Spitzenzeiten des Weihnachtsgeschäfts aus - und das weiter per Bote.

Dem "Paketkopter" setzen in Deutschland derzeit schon die Tageszeiten Grenzen, berichtet Knoche. Wenn die Dunkelheit anbricht, kann kein Sichtkontakt mehr zur Drohne hergestellt werden, klagt er. Dann muss er sein Gerät am Boden stehen lassen. Und damit die Maschine auch ohne menschlichen Drohnenpilot per automatischer GPS-Steuerung fliegen darf, müssten zunächst erst einmal grundlegende Vorschriften geändert werden.

Doch solche Rechtsfragen betreffen den späteren Praxisbetrieb. Den Testflug des Paketkopters können sie zunächst nicht aufhalten. Das sirrende DHL-Gerät ist derweil wieder mit Sondergenehmigung über den Rhein entschwunden, es steuert auf das andere Ufer zu - und Knoche gibt sich optimistisch. "Irgendwann ist auch einmal das erste Flugzeug geflogen", sinniert er.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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