Wirtschaft

Doordash-Chef im Interview "Der deutsche Markt ist unterversorgt"

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Andy Fang, Mitgründer des Lieferdienstes "DoorDash" dreht vor dem offiziellen Start ein paar Runden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Lieferando, Gorillas, Flink, Wolt und Co. Die Liste an Essenslieferdiensten ist inzwischen auch in Deutschland lang. Mit Doordash gesellt sich jetzt noch Konkurrenz aus den USA dazu. Im Interview erklärt Gründer Andy Fang, wieso der deutsche Markt noch einen weiteren Anbieter braucht.

Im ersten Jahr von Doordash haben Sie die Lieferungen noch selbst zugestellt. Wann waren Sie das letzte Mal als Kurierfahrer unterwegs?

Andy Fang: Das war gestern Abend, in Stuttgart. Ich habe dort mit dem E-Bike ein paar Bestellungen ausgefahren. Rauszugehen und selbst auszuliefern ist eine wirklich gute Erfahrung, um alle Nuancen einer erfolgreichen Lieferung zu verstehen. Deswegen ist das auch ein wichtiger Teil unserer Gründungsgeschichte.

Was haben Sie dabei über die deutsche Kundschaft gelernt?

Ich habe vor allem die Hügel in Stuttgart kennengelernt. Und ich habe es geschafft, mich in einem Wohnblock zu verirren. Im Kern geht es mir aber vor allem darum, die logistischen Abläufe kennenzulernen und sicherzustellen, dass wir die Kuriere richtig steuern und die Kunden ihre Bestellungen erhalten.

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Technikchef und Mitgründer Andy Fang

(Foto: picture alliance/dpa)

Einige Lieferdienste tun sich schwer mit dem deutschen Arbeitsrecht. In Berlin protestieren die Fahrer des Startups Gorillas seit Monaten gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Wie sieht das Beschäftigungsverhältnis bei Doordash aus?

Wir stellen unsere Fahrer über eine Agentur namens Jobandtalent an. Dabei achten wir auf faire Löhne für gute Arbeit. Zudem sorgen wir für Sicherheitstrainings und angemessene Ausrüstung, zum Beispiel Handschuhe, Winterjacken, Masken und Desinfektionsmittel.

Bei Ihrer Schicht in Stuttgart haben Sie sicher auch den einen oder anderen Lieferando-Fahrer getroffen. Mit etwa einem halben Dutzend aktiven Liefer-Startups sind die Radwege in den deutschen Metropolen ganz schön voll geworden. Kommt Doordash da nicht zu spät?

Wir haben das Gefühl, dass der deutsche Markt unterversorgt ist. Gerade deswegen finden wir es hier so spannend. 80 Prozent der Restaurants in Deutschland waren noch nie auf einer Lieferplattform gelistet. Das zeigt doch, dass der Markt noch in der Frühphase ist. Es gibt viele Unternehmer, die online mehr verkaufen wollen - Doordash kann für sie eine Möglichkeit sein.

So jung ist die Branche allerdings auch nicht. Die Just-Eat-Takeaway-Tochter Lieferando hat hierzulande einen Vorsprung von mehr als zehn Jahren. Wie wollen Sie diese Konkurrenz schlagen?

Uns geht es nicht um den Wettbewerb. Wir wollen auf Kunden und nicht auf Mitbewerber fokussiert sein. Was ich aber sagen kann: Selbst als wir in den USA auf den Markt gekommen sind, gab es Player, die schon seit fast zehn Jahren dabei waren. Und die Realität in Deutschland ist - ungeachtet dessen, was in der Vergangenheit geschehen ist -, dass mehr als vier von fünf Restaurants heute keine Online-Lieferungen anbieten. Für Doordash ist das eine sehr große Chance.

Die Apps und die Restaurantauswahl der Lieferanbieter sehen oft sehr ähnlich aus. Wie wollen Sie sich absetzen?

Unsere Produktstrategie besteht darin, den Unternehmen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie ihren Umsatz steigern können. Neben der App starten wir in Deutschland zum Beispiel mit Storefronts. Das ist ein Online-Bestellsystem, das es den Kunden eines Restaurants ermöglicht, Selbstabholer- und Lieferbestellungen direkt beim Geschäft aufzugeben. Ich glaube, dass das ein überzeugendes Wertversprechen ist.

In der App können Kunden Essen zu sich nach Hause bestellen. Welche Produkte werden Sie in Zukunft noch liefern?

In Stuttgart arbeiten wir schon mit lokalen Blumenläden und Bierverkäufern zusammen. Im Laufe der Zeit werden wir uns auch andere Segmente ansehen. Der Lebensmittelbereich und Quick Commerce sind für uns sehr interessant, wie man an unserer Beteiligung am deutschen Lebensmittellieferdienst Flink sehen kann.

Doordash hält rund 15 Prozent an Flink. Eine strategische Partnerschaft scheint da offensichtlich. Wie könnte die aussehen?

Dazu kann ich nicht allzu viel sagen, denn die Bedingungen des Deals sind nicht öffentlich. Wir sind sehr beeindruckt von dem, was das Flink-Team bisher erreicht hat. Quick Commerce ist stark mit der Unterstützung des lokalen Handels verknüpft - das treibt auch uns bei Doordash an. Wir sind daher zuversichtlich, dass es hier zu Synergien kommen kann.

Sie haben auch Gespräche mit dem Berliner Liefer-Startup Gorillas geführt. Warum haben Sie sich am Ende für Flink entschieden?

Das Team hat uns einfach überzeugt. Wir sind uns näher, was die Arbeitsweise im Unternehmen und die Fähigkeiten zur Umsetzung angeht.

Neben dem Investment in Flink haben sie kürzlich den finnischen Lieferservice Wolt gekauft, der ebenfalls in Deutschland aktiv ist. Machen Sie sich mit ihrem Deutschland-Start von Doordash nicht selbst Konkurrenz?

Die Behörden müssen dem Deal noch zustimmen, deswegen kann ich dazu nicht viel sagen. Nur so viel: Wir haben eine sehr ähnliche Mission. Doordash will die lokale Wirtschaft fördern. Und Wolts Mission ist es, Städte lebenswerter zu machen. Wir denken dabei eher längerfristig, in einem Zeitraum von mindestens einer Dekade.

Welche Wachstumsziele haben Sie sich für Deutschland gesetzt?

Wir fokussieren uns erstmal auf einen erfolgreichen Start in Stuttgart. Was wir dabei lernen, wird uns bei der Auswahl weiterer Städte helfen.

Ist das Experiment in Stuttgart also in gewisser Weise als Markentest zu verstehen: Wolt versus Doordash?

Es geht nicht darum, die Marke an sich zu testen, sondern zu sehen, wie wir mehr Kunden und mehr Händler erreichen können. Ich glaube, wir kratzen dabei erst an der Oberfläche.

Mit Andy Fang sprach Hannah Schwär

Das Interview ist zuerst bei Capital erschienen

Quelle: ntv.de

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